HOME

"Lair": Hochgelobt und abgeschmiert

Höhenflug mit Bruchlandung: Die Drachenreiter-Mär "Lair" ist trotz aller Vorschusslorbeeren kein Vorzeige-Titel geworden.

Auf dem Rücken eines Drachen zieht der Spieler hier in die ewige Schlacht zwischen Gut und Böse. 14 Missionen lang durchpflügt er als Held Rohn mit seinem "Mädchen" die Lüfte, holt Hunderte von dessen Artgenossen und anderes fliegendes Getier vom Himmel, fackelt ganze Schiffsflotten ab, lichtet die Reihen gegnerischer Bodentruppen, bombardiert Katapulte und anderes Kriegsgerät. Wer mal Factor 5s "Star Wars"-Ballerei "Roque Squadron" gespielt hat, weiß ungefähr, was ihn erwartet.

Und dennoch: Auf diese Steuerung ist man nicht gefasst. "Lair" setzt mit der Brechstange auf die bewegungssensitive SixAxis-Funktion des PlayStation3-Pads. Anstatt den eigenen Drachen also mit den Analogsticks durch die Lüfte zu steuern, geschieht dies durch Neigen und Kippen des Controllers. Ein nervöses Unterfangen, wie sich rasch zeigt. Unpräzise, umständlich und alternativlos obendrein. Wer etwa eine Wende fliegen möchte, muss das Pad hochreißen. Theoretisch zumindest. Praktisch verkommen die meisten Manöver trotz diverser Tutorials zur reinen Glückssache - wie im Übrigen auch die automatische Zielerfassung.

Die beiden Analogsticks wurden indes zur bloßen Kamerasteuerung degradiert. Nur am Boden wird Himmelswächter Rohn samt Reittier auf klassische Art und Weise dirigiert. Verstehe das, wer will ...

Auch warum "Lair" im Vorfeld als Appetizer für die Grafikfähigkeiten der PS3 herhalten musste, ist acht Monate nach dem Deutschland-Start der Konsole nur noch schwer zu erklären. Zwar hat das Spiel seine lichten Momente, wenn sich auf Full-HD-Glotzen dank des 1080p-Supports einzelne Schuppen der Viecher abzeichnen. Ingesamt kann der Titel die hohen Erwartungen jedoch in keinster Weise erfüllen. Die Landschaften sind karg und öde. Je mehr man sich einem Objekt oder dem Boden der Tatsachen nähert, desto matschiger werden die Texturen. Darüber hinaus ploppen Bauteile von Gebäuden recht spät auf und Gras wächst im Tiefflug vor den Augen des Spielers. Am meisten enttäuschen jedoch die ärmlichen Feuer- und Explosionseffekte - bei einem Spiel mit Drachen existenziell, möchte man meinen.

Lair

Hersteller/Vertrieb

Factor 5/Sony

Genre

Action

Plattform

PS3

Preis

ca. 60 Euro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Ausgesprochen schön sind dagegen die zahlreichen Cutscenes ausgefallen, die die simple und trotz aller Intrigen, Morde und Wendungen überraschungsarme Story zusammenhalten. Ebenfalls ein Eyecatcher: die cool inszenierten Duelle mit anderen Drachenreitern. Da wird gekratzt, gefaucht, gebissen und flambiert, bis einer von beiden aus dem Sattel fällt. Etwas kniffliger sind indes die Bossfights gegen teils riesige Ungeheuer. Hier müssen - "God of War" lässt grüßen - meist zur rechten Zeit die richtigen Tasten gedrückt werden. Begleitet wird das Ganze von einem grandiosen Orchester-Soundtrack, der letztlich doch für ein wenig Gänsehaut sorgt.

Gerd Hilber/Teleschau / TELESCHAU
Themen in diesem Artikel