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"Miami Vice - The Game": Kein Schnee von gestern

Das Spiel zum Kinofilm, der auf einer TV-Serie fußt - Glücklichweise muss man die 80-er nicht vollends miterlebt haben, um dieses PSP-Game zu zocken. Nur 18 Jahre alt sollte man schon sein ...

Die Erfahrung lehrt ein gewisses Misstrauen gegenüber Spielen, die auf Film-Lizenzen basieren. Oft genug versuchen geschäftstüchtige Publisher, mit dem Werbeeffekt eines Blockbusters ein eher mittelmäßiges Gameplay zu kaschieren. Zur Beruhigung sei es deshalb gleich vorweg genommen: Im Fall von Vivendis "Miami Vice" ist die Skepsis unbegründet, insbesondere wenn man es mit den ein paar Jahre älteren Spiele-Umsetzungen der Serie vergleicht: Das Game ist ein bodenständiger Third-Person-Shooter, der sich vor der Konkurrenz nicht zu verstecken braucht.

Verstecken sollte sich allerdings der Spieler, denn nur wer immer wieder in Deckung geht, hat eine Chance, Miamis mörderische Seite zu überleben. Die Faustregel für den Kampf gegen die Drogen-Mafia: Kopf einziehen und immer nur kurz aus der kugelsicheren Deckung lugen, um mit dem Laserpointer an der Waffe den Feind anzuvisieren. Das Drogenimperium, dem Sonny Crockett (im Film: Colin Farrell) und Ricardo Tubbs (Jamie Foxx) auf den Fersen sind, reagiert äußerst schießwütig auf die Einmischungen der Vice Squad.

Der Spieler hat die Wahl, welchen der beiden Undercover-Cops er durch die Unterwelt steuern will. Kaum mehr Auswahl bietet das Waffenarsenal: Nach Granaten sucht man vergeblich. Dafür lassen sich Pistolen, MGs, Scharfschützengewehre und die schusssichere Weste stufenweise upgraden. Dass die Levels in puristischer Shooter-Tradition sehr linear angelegt sind, macht die optisch schön gestaltete Kulisse wieder wett: Wie im Kino erlebt man hautnah den Glamour des Florida-Lifestyles und ballert sich seinen Weg durch gepflegte Gartenanlagen, großflächige Swimmingpools, Nobelvillen, mondäne Yacht-Häfen und Luxus-Nachtclubs.

Nebenbei gilt es im Übrigen, Drogenpäckchen einzusammeln. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt: Sonny und Tubbs decken damit natürlich nicht ihren Eigenbedarf, sondern stellen Beweismittel sicher. Außerdem sind die Herren bekanntlich in geheimer Mission unterwegs und müssen, um unerkannt in die Höhle des Löwen vorstoßen zu können, so tun, als wären sie selbst Dealer. Der angenehme Nebeneffekt: Mit verschacherten Drogen kann besseres Equipment gekauft werden. Dennoch war es wohl weniger die didaktische Fragwürdigkeit dieser Geschäftspolitik, die dazu führte, dass das Game keine Altersfreigabe bekam, sondern die Zahl der Blutspritzer pro Level.

Dass der Shooter sich - wie der Genre-Name sagt - fast gänzlich auf Schießereien beschränkt, kreiden wir ihm nicht an, denn es gibt genug Fans von simpel gestrickten Ballerorgien. Außerdem finden immerhin drei der zwölf Missionen nicht zu Fuß statt, sondern in PS-starken Powerboats.

Einen Kritikpunkt gibt es aber dennoch: die Steuerung. Das Fehlen eines zweiten Analogsticks an der PSP wird in diesem Game schmerzhaft deutlich. Denn während sich der Spieler in vielen Titeln auf der großen PS2 mit dem rechten Stick einen Rundum-Überblick verschaffen kann, muss hier durch die Gegend gerannt werden. Ebenfalls schmerzlich vermisst: Die in Ballerspielen äußerst nützliche "Strafe"-Funktion, also das seitliche Bewegen.

Miami Vice - The Game

Hersteller/Vertrieb

Rebellion/Vivendi

Genre

Action

Plattform

PSP

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

ab 18 Jahren

Alles in allem ist das "Miami Vice - The Game" für Fans klassischer Shooter empfehlenswert, zumal Grafik und Sound im Gegensatz zur Originalserie kein Schnee von gestern sind. Geteilte Freude ist hierbei doppelte Freude: Drahtlos mit einem Kumpel gespielt, macht die Drogenjagd deutlich mehr Spaß.

Michael Eichhammer/Teleschau / TELESCHAU