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"Obscure 2": Blutig-blumiger Gruselfusel

Vielen Dank für die obskuren Blumen - aber nächstes Mal bitte ein bisschen mehr Kreativität und weniger Kopfschmerzen.

Der Ursprung allen Übels liegt im Vorgänger begraben: Damals, einige Jahre zuvor, schufen zwei obskure Botaniker unheimliche dunkle Blumen, die die Umgebung in einen Albtraum verwandeln. Eine Hand voll Schüler der Leafmore Highschool kämpfte sich, gesteuert vom Spieler, durch die Psycho-Parallelwelt. Zu dumm, dass die Helden nicht alle Pflänzchen ausrotteten, sonst gäbe es nicht diesen mittelmäßigen Nachfolger.

Vermutlich durch Windbestäubung vermehrt, ergreifen die Blumen des Bösen in "Obscure 2" wieder die Macht. Diesmal allerdings auf einem anderen Uni-Campus. Wie es der Zufall aber so will, sind die sechs Figuren des zweiten Teils mit denen des Originals entweder befreundet oder liiert. Vielschichtigkeit darf von den Protagonisten nicht erwartet werden: Die aus Teeniefilm-Stereotypen zusammengeschusterten Charaktere sind so tiefgründig wie eine Badewanne.

Wenigstens bleibt einem so das Erraten der Spezialfähigkeiten erspart. Dass der Muskelprotz mit Sonnenbankflavour fürs Kistenschleppen zuständig ist und die spröde Außenseiterin den ein oder anderen Computercode knacken kann, liegt auf der Hand. Eignet sich einer der Studenten nicht für ein Rätsel, kann jederzeit in die Rolle des KI-gesteuerten Begleiters geschlüpft werden. Spaß macht das besonders im Zweispieler-Modus, in dem jeder User eine Figur steuert. Einerseits sorgt der rege Protagonistenwechsel zwar für Abwechslung, andererseits jedoch entsteht so kaum eine Bindung zu den Personen.

Noch eine Warnung: "Obscure 2" kann leicht Kopfschmerzen verursachen. Nicht etwa wegen der mitreißenden Atmosphäre, die schwache Nerven ordentlich strapazieren dürfte, sondern wegen der misslungenen Kameraführung. Ständig muss der Blickwinkel nachjustiert werden - vor allem in der PC-Version trübt die miese Third-Person-Perspektive den Spielspaß erheblich. Obendrein wirkt die übereifrige Auto-Aim-Funktion am Computer völlig fehl am Platz. Gemein ist auch, dass die Speicherpunkte unnötig weit auseinander liegen.

Obscure 2

Hersteller/Vertrieb

Hydravision/Atari

Genre

Action-Adventure

Plattform

PlayStation2, PC

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Adrenalin-Junkies, die über diese Mängel hinwegsehen können, erwartet halbwegs packender Survival-Horror. Düstere Schauplätze, raffinierte Schockeffekte, Slasher-Sounds und hübsch animierte Charaktere sorgen für mächtig Gänsehaut, wenngleich Rätsel und Handlung kaum über dem Durchschnitt rangieren.

Gregor Jossé/Teleschau / TELESCHAU
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