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"Rush For Berlin": Mit der Stoppuhr in die Schlacht

Im Krieg muss man auf alles gefasst sein. Dass Generäle dabei nicht immer alle Zeit der Welt haben, um den optimalen Angriffsplan auszutüfteln, zeigen Stormregion in ihrem neuesten Echtzeitstrategie-Werk "Rush for Berlin".

"Rush for Berlin" versetzt den Spieler zurück in die Jahre 1944 und 1945. Der Zweite Weltkrieg geht in seine letzte Phase - es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis das Nazi-Regime am Boden liegt und dem bösen Spuk des Dritten Reichs ein Ende bereitet ist. Aber wer schafft es zuerst, die deutsche Reichshauptstadt Berlin zu stürmen? Die Alliierten oder die Rote Armee?

Auf den ersten Blick wirkt "Rush for Berlin" wie ein Standard-Echtzeitstrategie-Titel in der "Command & Conquer"-Tradition: Vier Kampagnen mit insgesamt über 20 Missionen beleuchten das Geschehen aus den unterschiedlichen Perspektiven der Westalliierten, der Sowjetunion, Frankreichs und Deutschlands. Während es den beiden Ersteren vor allem darum geht, Berlin zu besetzen, erlebt man in der Deutschland-Kampagne, wie sich die Geschichte vielleicht entwickelt hätte, wenn Graf Stauffenbergs Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 erfolgreich gewesen wäre. Auf Seiten der Franzosen befreit man in der Rolle eines Resistance-Kämpfers Paris von den deutschen Besatzern. Allzu viel historische Genauigkeit sollte man jedoch in keiner der vier Kampagnen erwarten.

Als Schlachtenlenker blickt der Spieler aus der isometrischen Perspektive auf das Kriegsgeschehen und verfügt über die ganze Palette des zeitgenössischen Waffenarsenals - von der einfachen Infantrie über leichte und schwere Artillerie bis hin zu schlagkräftigen Panzern, Versorgungs- und Reparatureinheiten, Bombern und Aufklärern. Eine wichtige Rolle kommt den Offizieren mit ihren Spezialfähigkeiten zu. Besonders kurios: Ein Sowjet-Kommissar kann die Moral seiner Truppe stärken, indem er eine Runde Wodka ausgibt ...

Wie in anderen Vertretern des Genres versucht man, den Feind mit der optimalen Mischung an Kampfeinheiten und taktisch klugem Vorrücken in die Niederlage zu treiben. Neben der außergewöhnlich guten Gegner-KI macht einem dabei in "Rush for Berlin" vor allem der Zeitdruck zu schaffen. Für alle Aufträge steht nur ein begrenztes Zeitlimit zur Verfügung, das man aber durch das Lösen von Zusatzaufgaben etwas erweitern kann. Trotzdem wird der Spielverlauf dadurch reichlich hektisch, und von genauer Einsatzplanung kann manchmal nicht mehr die Rede sein. Für zusätzlichen Stress sorgt die unausgereifte Wegfindung - oft genug muss den Einheiten manuell nachgeholfen werden, ihr Ziel zu erreichen. Trotzdem lohnt es sich, auf dem Weg zum Sieg nicht zu trödeln: Je schneller man vorankommt, desto mehr Zeit kann man dafür investieren, in eroberten Fabriken neue Einheiten für den Nachschub zu produzieren.

Rush For Berlin

Hersteller/Vertrieb

Stormregion/Koch Media

Genre

Strategie

Plattform

PC

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Optisch und akustisch ist "Rush for Berlin" auf ähnlich hohem Niveau wie "Codename: Panzers". Die Missionen bieten jede Menge Abwechslung. Das große Aha-Erlebnis will sich angesichts des überstrapazierten Szenarios dennoch nicht einstellen. Und die echten Neuerungen gegenüber früheren Stormregions-Titeln halten sich in Grenzen. Insgesamt ein solides Game, das gut und anspruchsvoll unterhalten kann. Neue Perspektiven für das Genre zeigt jedoch auch der Faktor Zeit im Gameplay nicht auf - zumal dieses Element in den 90-ern schon mal in "Z" von den Bitmap Brothers für Hektik unter den Strategen sorgte.

Herbert Aichinger/Teleschau / TELESCHAU