"Shattered Union" Das Ende der Großen Koalition

Die Vereinigten Staaten werden von einem Bürgerkrieg heimgesucht und spalten sich auf - in "Shattered Union" wird ein spannendes Szenario einfallslos präsentiert.

Es gibt sie auch heute noch, die harten Kerle, die sich gerne die Zähne an schroffen Rundenstrategie-Brocken wie "Battle Isle" ausbissen. Doch spätestens nach dem Referenztitel "Panzergeneral 3D" schien Rundenstrategie auf Hexfeldern allmählich aus der Mode zu kommen. PopTop versucht mit "Shattered Union", das vernachlässigte Genre wieder mit frischem Leben zu erfüllen und neue Spielergruppen dafür zu begeistern.

Die Voraussetzungen scheinen optimal. PopTop hat bereits einige populäre Strategietitel auf den Markt gebracht, und die Hintergrundstory von "Shattered Union" birgt ein enormes Potenzial für spannende Missionsszenarien in sich: Die politische Führung der USA bekommt in naher Zukunft den geballten Unmut der eigenen Bevölkerung zu spüren. Was zunächst mit vereinzelten Unruhen beginnt, gipfelt in einem atomaren Angriff auf Washington und der Zerschlagung der nordamerikanischen Union in kleinere, sich gegenseitig bekriegende Staatenbunde: Kalifornien, Arcadia (Nordwestlicher Pazifik), Neue Republik Texas, Heartland, Dixieland und Yankee Union. Selbst die European Expeditionary Force und Russland greifen in das Geschehen ein.

Was hätte man aus diesem Szenario machen können! Doch PopTop hakt die Geschichte mit dem Intro ab. In den stets gleichförmig ablaufenden Missionen der Einzelspieler-Kampagne macht sie sich kaum mehr bemerkbar.

Bevor sich Hobby-Generäle ans Werk machen, die USA wieder zu einen, treffen sie auf einer "Risiko"-ähnlichen Karte der neuen amerikanischen Staatengemeinschaften erste Vorbereitungen. Man entscheidet sich für eine der konkurrierenden Fraktionen, die alle ihre spielentscheidenden Stärken und Schwächen haben, und rüstet nach bestem Wissen seine Streitkräfte aus. Dabei fällt schon auf: "Shattered Union" lässt den Spieler bei den ersten Schritten im Regen stehen - kein Tutorial verrät dem Einsteiger, was für den Anfang wichtig ist.

In den Missionen selbst gilt es, auf den grafisch mäßig ansprechenden Hexkarten andere Territorien zu annektieren, indem man eine Reihe von vorgegebenen gegnerischen Stützpunkten und Städten erobert - ohne hoffentlich zu große Kollateralschäden anzurichten. Dabei sollte stets nur ein Teil der Armee den Gegner angreifen, während der Rest zurückbleibt und die eigenen Gebiete verteidigt. Von Anfang an stehen dabei sämtliche Einheiten zur Verfügung - von der leichten Infanterie über diverse Panzer, Luftabwehreinheiten, Artillerie, Aufklärer und Helkopter bis hin zu Kampfflugzeugen und schweren Bombern reicht die Palette. Die gegnerische KI reagiert in den Kämpfen teilweise sehr gewitzt, in manchen Situationen jedoch auch reichlich dämlich ...

Shattered Union

Hersteller/Vertrieb

PopTop/Take2

Genre

Strategie

Plattform

PC, XBox

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

Genre-Neulinge schreckt "Shattered Union" durch fehlende Einstiegshilfen, die fehlende Option, einen Zug zurückzunehmen, und die knochentrockene, nüchterne Präsentation ab. Für erfahrene Rundenstrategen bietet das Programm im Vergleich zu den Klassikern zu wenig Tiefgang. Fragt sich, wer sonst noch gewillt ist, das Schicksal der USA spielerisch wieder in geordnete Bahnen zu lenken ...

Herbert Aichinger/Teleschau TELESCHAU

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