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"Sid Meier's Railroads": Achtung, Gleisbauarbeiten!

Weihnachten ist die Zeit der Modelleisenbahnen - für Leute in beengten Wohnverhältnissen kommen da Sid Meiers digitale Spielzeug-Züge gerade recht ...

Die Klischees sind bekannt: Männer werden nie erwachsen und lieben Spielzeugeisenbahnen. Frauen beschäftigen sich gern mit Aufbaustrategiespielen. Demnach müsste "Sid Meier's Railroads!" eigentlich das ideale Programm sein, um zuhause zwischen den Geschlechtern für Harmonie und Frieden zu sorgen. Oder vielleicht doch nicht? Wenn "sie" im Mehrspielermodus das glücklichere Händchen hat und dann "sein" mühsam aufgebautes Bahn-Imperium einfach komplett aufkauft?

Mit "Railroads!" kehrt Sid Meier zu seinen Wurzeln zurück - das Game dreht sich jedoch keineswegs nur darum, sich auf dem Monitor eine nette Spielzeuglandschaft mit Gleisen und Bahnhöfen aufzubauen, um dann Güter- und Personenzüge von A nach B fahren zu lassen. Mit der Schaffnermütze allein ist es nicht getan: Wer in "Railroads!" gegen bis zu drei menschliche Mitspieler oder Computergegner bestehen will, muss schon ein komplettes Wirtschaftsimperium hochziehen und ein gerissener Börsenspekulant sein.

Trotzdem: Logistik auf Bahngleisen bildet die Grundlage für den wirtschaftlichen Aufstieg. Ausgangspunkt ist in allen Szenarien von verschiedenen Regionen der USA über Frankreich und Großbritannien bis nach Deutschland eine Bahnverbindung zwischen zwei Städten. Hier setzt der Spieler an, um sein eigenes Schienennetz aufzubauen. Einfach "irgendwo" anfangen geht nicht. Mit zwei Mausklicks ist schon die erste Strecke in die nächstgelegene Stadt verlegt, ein weiterer Klick genügt, um dort einen kleinen Güterbahnhof zu installieren. Häuser richten sich ganz automatisch nach dem Gleisverlauf aus, es ist also nicht nötig, für eine Bahnlinie ganze Ortsteile zu planieren. Auch um den Bau von Tunnels und Brücken kümmert sich "Railroads!" selbst. Die Nachteile: Das Programm sucht sich nicht immer den optimalen Weg, manuelle Korrekturen gestalten sich mühsam. Auch eine komfortable "Undo"-Funktion vermisst man schmerzlich.

Mit dem Transport von Passagieren und Postsäcken fließt das erste Kapital aufs Bankkonto. Weitaus einträglicher ist es jedoch, im Güterverkehr die Wertschöpfungsketten zu bedienen, etwa Papierfabriken mit Holz zu versorgen und dann das Endprodukt an Käufer in anderen Städten auszuliefern. Ist das nötige Kleingeld beisammen, kann man auch selbst Fabriken kaufen oder an strategisch günstigen Standorten neu errichten. Wie beim Erwerb von Patenten muss sich der Spieler beim Immobilienkauf in Versteigerungen dem Wettbewerb mit den Konkurrenten stellen, was gerade bei Multiplayer-Partien für Spannung sorgt.

Um den mit dem Schienennetz wachsenden Anforderungen gerecht zu werden, schaltet "Railroads!" nach und nach immer kraftvollere Lokomotiven frei - insgesamt mehr als 40 Typen vom "Adler" aus dem Jahr 1835 bis hin zum französischen Hochgeschwindigkeitszug TGV (1981). Passionierte Fahrdienstleiter werden bemängeln, dass sich der Schienenverkehr kaum ernsthaft durch Weichenstellung oder Signalschaltung beeinflussen lässt. Zu Unfällen kommt es trotzdem nicht, allenfalls zu Staus an den Bahnhöfen.

Die hübsch detaillierten, aber geografisch nicht besonders realistischen Karten sind zoom- und drehbar und erlauben ein komfortables Navigieren, mit dem auch Einsteiger sofort klarkommen. Damit Letztere nicht blind und orientierungslos drauflos werkeln müssen, bietet jedes Szenario eine ganze Liste von Aufgaben, die nacheinander "abgehakt" werden dürfen. Leider beginnen sich die Vorgänge jedoch schon nach einigen Spielstunden zu wiederholen, größere Überraschungen bleiben aus.

Sid Meier's Railroads

Hersteller/Vertrieb

Firaxis/2K Games

Genre

Simulation

Plattform

PC

Preis

ca. 35 Euro

Altersfreigabe

ab 3 Jahren

Wer abends noch ein wenig stressfrei vor sich hin bauen möchte, hat am Einzelspieler-Modus von "Railroads!" sicher Spaß. Richtig aufregende Momente hingegen beschert allenfalls der Wettkampf um das Bahn-Monopol mit anderen menschlichen Tycoons. Insgesamt ein netter Zeitvertreib - dem Spieler werden aber zu viele Beschränkungen in der Handlungsfreiheit auferlegt.

Herbert Aichinger/Teleschau / TELESCHAU