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"Space Empires V": Im Kosmos der Kontrolleure

Man fühlt sich klein, wenn man in den Himmel blickt und über die unvorstellbaren Dimensionen des Universums sinniert. Die Schöpfer des Weltraumstrategie-Brockens "Space Empires V" wollten mit ihrem Spiel zweifellos etwas ähnlich Ehrfurchtheischendes erschaffen.

Im All gelten andere Gesetze als auf Erden. Während man sich hier aufregt, wenn man 500 Meter zum nächsten Supermarkt laufen muss, liegen die nächsten Planetensysteme Lichtjahre entfernt. Das fordert dem Sternenreisenden einiges an Geduld ab. Ganz ähnlich ergeht es dem Spieler des Weltraumstrategie-Schwergewichts "Space Empires V". Für Einsteiger, die in einem Spiel leichten Zugang, frühe Erfolgserlebnisse und "was fürs Auge" erwarten, ist Malfadors Ausflug ins All denkbar ungeeignet.

Der Titel richtet sich an das ganz spezielle Zielpublikum der "Master of Orion 2"-Jünger, denen Spieltiefe und Optionenvielfalt wichtiger ist als Eye-Candy und der schnelle Erfolg. Wer - etwas überspitzt formuliert - erwartet, dass Zocken in erster Linie etwas mit Kurzweil zu tun hat, wird von "Space Empires V" bereits im Tutorial eines Besseren belehrt: Statt einer komfortablen Sprachausgabe führen hier sage und schreibe 50 dröge Textfenster in epischer Breite in die Grundzüge des Gameplays ein. Genug für viele "Normalstrategen", um schon hier das Handtuch zu werfen.

Das dreidimensionale Hexagon-Universum sieht reichlich antiquiert aus, aber immerhin aufgeräumt und übersichtlich. Das ist auch nötig, denn schon in den ersten Stunden arbeitet man sich durch Myriaden von Menüs, um sein Imperium zu konfigurieren, sich mit den 14 Völkern in den Galaxien zu befassen, mit Hilfe von drei Ressourcen seine erste Kolonie hochzupäppeln und Raumschiffe mit immer leistungsfähigeren Systemen auszustatten. Je länger man sich an den Verzweigungen des riesigen Forschungsbaums entlanghangelt, desto ausgefeiltere Technologien kommen zum Einsatz.

Sobald der Weltraumsiedler beginnt zu expandieren, stößt er auch auf fremdes Leben, das ihm feindlich oder friedlich gesonnen ist. Hier kommt dann das ausgefeilteste Diplomatiesystem zum Zug, das jemals in ein Strategiespiel implementiert wurde. Die Möglichkeiten, Deals auszuschachern, sind schier unerschöpflich.

Space Empires V

Hersteller/Vertrieb

Malfador Machinations/Empire Interactive

Genre

Strategie

Plattform

PC

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

o.A.

"Space Empires V" ist ein Programm für echte Kontroll-Freaks - es gibt fast nichts, was man hier nicht selbst einstellen könnte. Und wenn man von den zahllosen Menüs noch nicht genug hat, greift man kurzerhand noch in die Konfigurationsdateien ein. Wer sich gerne richtig in ein Spiel hineinkniet und sich nicht an der nüchternen Präsentation stört, findet in "Space Empires V" über Monate hinaus ein lohnendes Betätigungsfeld. Aber Geduld und ein langer Atem sind unerlässlich bei der komplexen Eroberung des Universums.

Herbert Aichinger/Teleschau / TELESCHAU
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