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Raumsonde "Dawn": Im Anflug auf den geheimnisvollen Zwergplaneten

Sieben Jahre war sie unterwegs, an diesem Freitag soll die Raumsonde "Dawn" an ihrem Ziel ankommen: einem Zwergplaneten, der Aufschluss über die Geburt unseres Planetensystems geben könnte.

Die Computergrafik zeigt "Dawn": Die Raumsonde ist bereit für den Zielanflug auf Zwergplanet Ceres.

Die Computergrafik zeigt "Dawn": Die Raumsonde ist bereit für den Zielanflug auf Zwergplanet Ceres.

Letzte Etappe einer Reise in die Morgendämmerung des Sonnensystems: Siebeneinhalb Jahre nach ihrem Start trifft die Nasa-Raumsonde "Dawn" am Freitag bei einem Zeugen der Geburt unseres Planetensystems vor viereinhalb Milliarden Jahren ein. Der Rendezvous-Partner von "Dawn" ist der Zwergplanet Ceres, der im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter die Sonne umkreist. Schon im Anflug hat die deutsche Bordkamera von "Dawn" detailreiche Bilder der Ceres-Oberfläche aufgenommen - und prompt die Forscher verblüfft. Denn die Bilder zeigen rätselhafte helle Flecken auf dem Miniplaneten.

Mit Ceres trifft "Dawn" (englisch "Morgendämmerung") auf den größten Himmelskörper im Asteroidengürtel. Die Erforschung des geheimnisvollen Zwergplaneten mit 950 Kilometern Durchmesser soll Aufschluss über die Entstehung unseres Planetensystems geben. Denn seither hat Ceres sich kaum verändert: Der 1801 entdeckte und nach der römischen Göttin des Ackerbaus benannte Himmelskörper blieb in der Frühphase seiner Entwicklung stecken und ist damit sozusagen ein Planeten-Embryo - wie auch der Asteroid Vesta, den die "Dawn"-Sonde bereits im Juli 2011 erreichte und bis September 2012 umkreiste.

Bei der Erforschung des 530-Kilometer-Brockens Vesta stießen die Wissenschaftler damals auf eine bizarre Welt mit Kratern, Bergen, Canyons und Furchen, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) berichtet. "Auch Ceres zeigt bereits während des Anflugs die unterschiedlichsten Formen an seiner Oberfläche", erläutert Ralf Jaumann vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin.

Ozean unter der Planetenoberfläche

Ceres ist für die Forscher besonders spannend, weil sie unter der Kruste des Zwergplaneten einen Ozean vermuten. Im Gegensatz zu Vesta - einem "trockenen" Asteroiden - ist das zweite Ziel der 2007 gestarteten "Dawn"-Forschungssonde nämlich ein "nasser" Asteroid, der vermutlich einen Wasseranteil von 15 bis 25 Prozent aufweist. "Wir untersuchen mit einer Mission zwei sehr unterschiedliche Typen von Asteroiden", unterstreicht Jaumann.

Geleitet wird die "Dawn"-Mission vom Jet Propulsion Laboratory der US-Weltraumbehörde Nasa, aber das Kamerasystem an Bord der Sonde hat deutsche Wurzeln: Entwickelt und gebaut wurden die Spähaugen der Sonde unter Leitung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen in Zusammenarbeit mit dem DLR-Institut für Planetenforschung und dem Institut für Datentechnik und Kommunikationsnetze in Braunschweig.

Mit dem Kamerasystem nahm "Dawn" in den vergangenen Wochen die bislang detailreichsten Bilder von Ceres auf. Auf ihnen sind zahlreiche Krater zu sehen - und jene vereinzelten, extrem helle Flecken, deren Natur sich die Wissenschaftler noch nicht erklären können. Deuten sie auf geologische Aktivität hin? Bestehen sie aus Eis oder Salzen? "Strukturen dieser Art kennen wir von keinem anderen Körper im Asteroidengürtel", sagt der MPS-Forscher und wissenschaftliche Leiter des Kamerateams, Andreas Nathues.

Flecken geben Forschern Rätsel auf

Die Instrumente von "Dawn" sollen nun das Flecken-Rätsel lösen und weitere Geheimnisse von Ceres lüften. Mehr als 500 Millionen Kilometer von der Erde entfernt wird "Dawn" mindestens bis Mitte nächsten Jahres den kugelrunden Zwergplaneten erforschen und sich dabei dessen Oberfläche auf bis zu 375 Kilometer nähern. Doch zunächst wird am Freitag das Schwerefeld von Ceres die "Dawn"-Sonde einfangen und in eine Umlaufbahn lenken.

Was auch immer die Wissenschaftler durch "Dawn" über die unbekannte Welt auf Ceres lernen werden, ein Kapitel Raumfahrtgeschichte schreibt die Sonde bereits mit der Ankunft an ihrem letzten Reiseziel: Die Mission ist nicht nur die erste, bei der eine Forschungssonde nacheinander in Umlaufbahnen um zwei Himmelskörper einschwenkt - "Dawn" ist auch die erste Raumsonde überhaupt, die einen Zwergplaneten besucht.

Richard Heister/AFP / AFP