"Warhammer: Mark of Chaos" Von elbischen Rattenfängern


Viele kleine Patzer verwähren "Warhammer: Mark of Chaos" den Aufstieg in die erste Liga der Strategiespiele. Nichtsdestotrotz: ein spannendes Game, vor allem wegen seiner Geschichte.

Das "Warhammer"-Universum ist bekannt für seine Szenarienvielfalt: Beharken sich im Sci-Fi-Ableger "40k" Aliens, Menschen und Orks mit Laserwummen und dicken Mechs, kommen in "Mark of Chaos" Hieb- und Stichwaffen und natürlich jede Menge Magie zum Einsatz. Ort des Geschehens ist das altehrwürdige, teutonisch anmutende Imperium. Seit Jahren tobt in dessen Gefilden ein erbitterter Kampf der Menschen, Elben und Zwerge gegen die teuflischen Truppen des Chaos.

Stefan von Kessel, Hauptmann im Dienste des Imperators, ist der Protagonist der "guten" Kampagne. Obwohl sein Vater als Verräter gilt, der mit dem Chaos kollaboriert haben soll, hat es Stefan - vielen Anfeindungen zum Trotz - mit Loyalität und Fleiß weit gebracht im Heer. Nun muss er sich erneut beweisen und die Chaos-Truppen endgültig vernichtend schlagen, die in der "bösen" Kampagne von Thorgar dem Blutrünstigen angeführt wird. Auserwählt von den Göttern hat der Finsterling die Aufgabe bekommen, ein gigantisches Heer aus Dämonen und ihren Verbündeten, den rattenähnlichen Skaven, um sich zu scharen und die Menschheit samt ihren Verbündeten auszurotten.

So ziehen die beiden Akteure jeweils in mehreren Akten über eine Provinzkarte, die neben den obligatorischen Schlachtfeldern besondere Ereignisse und Städte zeigt. Letztere fungieren dabei als Rekrutierungs- und Ausrüstungslager.

Im Gegensatz zu anderen Genre-Vertretern gibt es in "Mark of Chaos" keinen Basisbau. Der Fokus liegt eindeutig auf den Massenschlachten. Die erreichen zwar nicht die Dimensionen eines "Medieval 2", sind dennoch aber ziemlich beeindruckend geraten. Vor jedem Schlagabtausch müssen die Armeen positioniert werden: Infanteristen vorne, Schützen hinten, Kanonen und Kavallerie auf der Flanke ... dann klappt's meist auch mit der Abwehr der ersten Gegnerattacke.

Leider verlangt "Mark of Chaos" dem Spieler nur selten taktisches Geschick ab - trotz aller Formationsmöglichkeiten und Moralwerte. Schuld daran sind die übermächtigen Heldenfiguren und die hirnlos anstürmenden KI-Horden. Vor allem im späteren Verlauf mutieren von Kessel und Co. zu wandelnden Ein-Mann-Armeen, denen nur wenig entgegenzusetzen ist. Der Rest der Truppe wartet derweil am Einstiegspunkt als Unterstützung, sollte es doch mal knapp werden oder eine gegnerische Einheit die blindlings in ihre Richtung fliehen. Einfacher können die Recken nicht an Erfahrung gewinnen und Regimentstärke steigern.

Neben gewöhnlichen Scharmützeln bietet "Warhammer" auch Dungeon-Erkundungen, Helden-Duelle und Belagerungen mächtiger Festen. Was zur Auflockerung des Spielgeschehens beitragen soll, ist im Endeffekt aber nur mäßig spannend geraten. Vor allem die Kloppereien zweier Anführer sind eine leidige, fad inszenierte Angelegenheit, da im Endeffekt derjenige gewinnt, der die höhere Stufe besitzt und anhand diverser Lebens- und Manatränke die Schläge des Kontrahenten besser wegstecken kann. In 95 Prozent der Fälle ist das der Spieler.

Weil die mächtigen Sonderfähigkeiten der Helden in späteren Akten quasi ständig verwendbar sind, hat Deep Silver inzwischen per Patch nachgebessert. Dabei wurde auch die katastrophale Inventarverwaltung auf Vordermann gebracht. Ursprünglich ließen sich Schwerter, Rüstungen und andere Gegenstände nur umständlich auf dem Schlachtfeld tauschen, nicht jedoch in einer Stadt. Unvorstellbar, wie so ein Fehler die Qualitätssicherung passieren konnte ...

Warhammer: Mark of Chaos

Hersteller/Vertrieb

Namco Bandai/Koch Media

Genre

Strategie

Plattform

PC

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

Trotz aller Nicklichkeiten ist "Mark of Chaos" dennoch kein schlechter Genre-Vertreter geworden. Dank stimmiger, wenn auch nicht mehr zeitgemäßer Grafik, toller Sprachausgabe und pompöser Musik ist die Atmosphäre sehr stimmungsvoll geraten. Und auch die Inszenierung der Story wirkt alles andere als unbeholfen und bemüht. Fantasy- und "Warhammer"-Fans können einen Blick riskieren, sollten aber über viel RAM und eine dicke Grafikkarte verfügen, da es sonst zu unschönen Rucklern kommen kann. Gegen die elendslangen Ladezeiten hilft allerdings selbst modernste PC-Technik nichts.

Jens-Ekkehard Bernerth/Teleschau TELESCHAU

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