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"Die Toten von Hameln" im ZDF Die Rattenfänger aus dem Zweiten Weltkrieg

Der Mystery-Thriller "Die Toten von Hameln" erzählt in einem gewagten Mix von einer uralten Sage, dem blutigen Ende des Dritten Reichs und einer psychisch angeschlagenen Familie von heute.

Mit der gruseligen deutschen Sage vom "Rattenfänger von Hameln" haben sich nicht nur in der Vergangenheit die Märchenbrüder Grimm oder auch Dichterfürst Goethe befasst - sie fasziniert jung und alt bis zum heutigen Tag. Rund eine Milliarde Menschen weltweit sollen sie angeblich kennen. In Ländern wie den USA und Japan ist die Geschichte vom Flötenspieler, der im Sommer 1284 mehr als 100 Kinder in den Untergang geführt haben soll, sogar Schulstoff. Und auch die Schwestern Annette und Christiane Hess ließen sich von der Thematik packen.

Gemeinsam schrieben die renommierte, im Weserbergland lebende Drehbuchautorin ("Weissensee") und die Hannoveraner Theatermacherin das Skript zum Mystery-Thriller "Die Toten von Hameln", der nun beim ZDF als "Fernsehfilm der Woche" am Montag (20.15 Uhr) läuft. In einer ziemlich gewagten Mischung aus Fiktion und Politik, Psychologie und Familiendrama, Historie und modernem Alltag gelang den Hess-Schwestern dabei eine Ausdeutung, die zunächst als konstruiert und entlegen wirkend eher befremden kann, jedoch bald den Zuschauer mehr und mehr in ihren Bann zieht.

Ein fundiertes Schauspieler-Quartett, Regisseur Christian von Castelberg ("Der Tote im Spreewald") als Meister sinnfälliger Suggestion und nicht zuletzt Kamerafrau Eeva Fleig mit stimmungsvollen Aufnahmen von nebligen Waldeshöhen und fachwerkstädtischer Enge machen aus dem Film vor allem einen Beitrag zur Verstrickung von Nationalsozialismus und Familienschicksal. Die Österreicherin Julia Koschitz ("Das Wunder von Kärnten") spielt darin die Chorleiterin Johanna Bischoff, die mit ihrem Mädchenensemble samt neuem Organisten für ein Kirchenkonzert in ihre Heimatstadt Hameln reist.

Im Wald verborgene Geheimnisse

Bereits im Bus plagen die nervlich labile junge Frau, der es die eigene Gesangsstimme einst verschlagen hatte, Albträume, in denen ein blutender Fremder immer wiederkehrt. Vor Ort verschwinden bei einer Wanderung im Bergwald plötzlich vier Mädchen und der Organist in einer Höhle. An der Suche beteiligt sich auch Johannas alter Freund Jan (Bjarne Mädel, "Der Tatortreiniger"), mit dem sie das damals abrupte Ende ihrer Beziehung noch immer nicht klären konnte. Während der verzweifelten Fahndungsaktion kommt die hoch verstörte Johanna schließlich einem furchtbaren Geheimnis auf die Spur.

Es verweist in die letzten Kriegswochen 1945 - und ihr einsiedlerischer Ex-Bürgermeister-Vater Georg (Matthias Habich, "Und alle haben geschwiegen") sowie dessen mit ihm lebende, hexenartige Ärztin-Schwester (Ruth Reinecke, "Weissensee") haben ihre Hände im bösen Spiel. Denn Rattenfänger, das erzählt uns die Fernsehmär, die gab es nicht nur im 13. Jahrhundert, als adelige Grundherren jugendlichen Nachwuchs für die Kolonialisierung ihrer Ostgebiete suchten. Rattenfänger spielten etwa auch um die Mitte des 20. Jahrhunderts mächtig auf - und deutsche Familien tragen bis heute den Schaden in sich.

Von Ulrike Cordes, DPA DPA

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