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25 Jahre Apple Macintosh Verliebt in einen Apfel


Der Mac hat Geburtstag. Seit 25 Jahren gibt es Computer von Apple. Nicht ganz so lange, aber mit großer Leidenschaft, nutzt stern.de-Redakteur Gerd Blank die Rechner mit dem angebissenen Apfel. Eine Liebeserklärung.

Ich bin ein Blender, ein Angeber. Einer, der nur Wert auf Optik legt - denn ich nutze einen Mac. Das sind jedenfalls einige der Vorurteile, die ich in vielen Foren und bei Gesprächen um die Ohren geknallt bekomme, weil auf meinem Computer ein angebissener Apfel prangt. Wer nur seinen Windows-Rechner kennt, hat viele Begriffe für Mac-Nutzer, die wenigsten davon sind schmeichelhaft. "Du hast wohl zu viel Geld" und "damit kann man doch gar nicht spielen" sind dabei noch die harmlosesten Formulierungen. In der Tat, Apple-Computer sind nicht billig, und für Windows-PCs gibt es mehr Spiele. Das möchte ich gar nicht abstreiten. Warum also nutze ich schon seit über zehn Jahren Macintosh? Die Erklärung ist sehr einfach: weil es Macintosh gibt.

Mein erster Computer war von Schneider, aber über den möchte ich nicht mehr sprechen, denn der ist mir immer noch peinlich. Der verlor in fast allen Disziplinen deutlich gegen den viel älteren Commodore-Brotkasten namens C64. Mein erster richtiger Computer war ein 286er Windows-PC. Neben dem Betriebssystem Windows 3.11 passte gerade noch so das Spiel "Indiana Jones - Fate of Atlantis" auf die 20-Megabyte-Festplatte. Ich war begeistert. Was für ein tolles Gerät, was für ein tolles System. Windows überzeugte mich restlos, schließlich konnte ich mit Paint, Wordpad und Solitär schon damals einige der wichtigsten Programme nutzen. Über Jahre war ich ein treuer Windows-Nutzer, baute mir eigene Rechner zusammen oder kaufte Komplett-Systeme. Auch auf meinem ersten Notebook prangte das Logo von Microsoft. Und im Job waren Windows-Rechner sowieso erste Wahl.

Mit Freunden wetteiferte ich um die beste Hardware-Ausstattung. Sobald meine Kumpels eine neue Grafikkarte oder eine größere Festplatte eingebaut hatten, konterte ich mit einer besseren Soundlösung. Gegen dieses Wettrüsten war der Kalte Krieg ein Kindergeburtstag.

Nach einem Job-Wechsel saß ich dann vor meinem ersten Mac. Als Schreiberling. Dabei dachte ich, dass nur Agentur-Fuzzies und Designer einen Macintosh brauchen. Bis dahin dachte ich, dass ein Apple der Computer für Kreative ist, während ein Windows-Rechner das perfekte Arbeitstier ist. Sehr schnell lernte ich, dass der Mac und ich gut zusammen passen. Da kam es mir gerade recht, dass mein damaliger Arbeitgeber dabei helfen wollte, mehr Privatleute ins Internet zu bringen, um dort in Webshops für Umsatz zu sorgen. Darum konnten Angestellte für wenig Geld einen neuen Computer kaufen. Ich wählte einen iMac.

Kurz darauf stand der Computer auf meinem Schreibtisch - eine bunte Kugel, an der auch eine runde Maus hing. Das Betriebssystem war perfekt. Ich war ja privat vorher nur Windows-Programme gewohnt. Was für eine Offenbarung, einen Rechner gleich nach dem Auspacken nutzen zu können. Kein hässlicher Kasten unter dem Tisch, alles in einem Gehäuse, sogar ein CD-Laufwerk und ein Netzwerkanschluss waren eingebaut. Der Computer mit dem angebissenen Apfel war meine Einstiegsdroge. Er war rund zwei Jahre im Gebrauch, ohne dass ich einmal das Betriebssystem neu installieren musste. Erst, als ich den Rechner noch zu einem guten Preis verkaufte, habe ich die gesamte Software neu aufgespielt.

Der von Windowsnutzern häufig bemängelte Nachteil bei Macs wurde für mich zum Vorteil: Da es relativ wenig Software für den Computer gab und ich auch bei neuer Hardware sehr eingeschränkt war, konnte ich nicht durch ständiges Installieren etwas verkehrt machen. Das System lief, und der Spruch "never touch a running system" bewahrheitete sich.

Ich bleibe beim Mac

Im Job sitze ich wieder vor einem Windows-Rechner, privat allerdings bleibe ich beim Mac. Kürzlich habe ich meinen inzwischen vierten Apple-Rechner gekauft, ein Macbook. Was für ein Rechner, das Gehäuse wurde aus nur einem Stück Alu gefräst. Seine Vorgänger musste ich allerdings nicht verschenken oder gar wegschmeißen, sondern ich konnte sie immer gut an Bekannte oder Kollegen verkaufen. Denn, und dies ist ein entscheidendes Kaufsargument für mich: Der Wiederverkaufswert eines Macs ist sehr hoch. Während ein Windows-Rechner gefühlt die Hälfte seines Wertes verliert, wenn er erstmals angeschaltet wird, ist der Mac eine Wertanlage. Inzwischen ist nicht nur die Software über jeden Zweifel erhaben, auch bei der Hardware hat sich einiges getan. Apple hat nun Intel an Bord, wodurch die Hardware noch besser mit Windows-Rechner verglichen, ja, sogar Windows installiert werden kann. Und, welche Überraschung. Die Macs der jeweils neuesten Generation brauchten sich hinter Computern mit dem Microsoft-System nicht zu verstecken.

Natürlich sind Macs nicht billig, denn sie sind keine Massenware, keine Wegwerfprodukte, die beim Discounter angeboten werden. Doch alleine den Preis zu sehen, wäre so, als wenn man die Mona Lisa mit einem irgendeinem anderen Ölbild vergleicht, dass man in irgendwo gekauft hat. Der Wert beim Mac entsteht nicht nur durchs Material, sondern auch durch die Freude beim Benutzen und durch die Zeitersparnis, weil keine Installationsprobleme gelöst werden müssen. Mit iLife, einem Multimedia-Paket, welches allen neuen Macs kostenlos beiliegt, kann ich Musik und Bilder verwalten, Filme schneiden und Songs komponieren. Wahrscheinlich ist die Anschaffung eines Macs am Ende der Rechnung sogar günstiger als der Kauf eines Windows-Rechners. Was will ich mehr? Ach ja, spielen. Hierfür habe ich mir eine Konsole gekauft und spiele jetzt mit Freunden am Fernseher statt alleine vorm Rechner.

Schaut man sich die Verbreitung von Apple-Rechnern an, bin ich ein Exot, denn Windows-Rechner dominieren den Markt. Nur etwa fünf Prozent der benutzten Computer stammen von Apple. Ich könnte es mir einfach machen, und mit der Masse schwimmen. Einen Rechner kaufen, den jeder nutzt. Einen Rechner kaufen, an dem jeder selbst rumschraubt, wenn was nicht läuft - und dadurch das Problem oft noch größer macht. Aber ich will nicht schrauben. Ich will, dass es funktioniert und dabei auch noch gut aussieht. Ich bin halt ein Blender, ein Angeber, einer, der Wert auf Optik legt - denn ich nutze einen Mac. Happy Birthday!

Lesen Sie dazu auch bei unserem Partner in der Schweiz, 20 Minuten Online: "Das neue MacBook Air im Test"


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