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Angriffe auf Sony-Netzwerk: Daten von mehr als 100 Millionen Menschen geklaut

Sony und seine Kunden sehen sich mit einem weiteren Angriff auf Nutzerdaten konfrontiert. Betroffen sind jetzt auch rund 25 Millionen Online-Spieler. Die Plattform für "Everquest" und andere Spiele wurde erst einmal geschlossen.

Nach dem gigantischen Datendiebstahl bei Sony ist die Attacke auf einen weiteren Dienst des japanischen Konzerns bekannt geworden. Betroffen sind diesmal rund 24 Millionen Kunden einer Plattform für Online-Spiele am PC, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Der Angriff ereignete sich bereits wenige Tage vor dem Diebstahl von bis zu 77 Millionen Daten beim Netzwerk der Spielkonsole PlayStation und beim Musik- und Videodienst Qriocity. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) kritisierte scharf die Informationspolitik von Sony.

Bekannt wurde der Angriff auf den Online-Spiele-Dienst erst im Zuge der Ermittlungen zur ersten Datenpanne. "Wir hatten zunächst geglaubt, dass Kundendaten von Sony Online Entertainment (SOE) nicht von dem Cyberangriff auf die Firma betroffen waren", erklärte Sony. Darauf gebe es nun allerdings doch Hinweise. Neben den aktuellen Daten von 24,6 Millionen Kunden könnte demnach auch eine alte Datenbank aus dem Jahr 2007 mit Bankkarten und Buchungsdaten betroffen sein.

Auf dem SOE-Netzwerk können Nutzer von Spielkonsolen ebenso wie Nutzer normaler Computer über das Internet mit anderen Spielern zusammen spielen. Zu den bekanntesten Angeboten zählen Spiele wie "Star Wars Galaxy" und "Everquest". Zudem bietet SOE auch Spiele im sozialen Netzwerk Facebook an. Nach Bekanntwerden des Angriffs schloss Sony das SOE-Netzwerk vorübergehend.

Die Eindringlinge verschafften sich den Angaben zufolge die Daten von 12 700 Kreditkarten und 10 700 Bankkonten. Diese stammten aus der "veralteten" Datenbank von 2007, hieß es. Betroffen sind Kunden aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden und Spanien.

Sony hatte erst vergangene Woche bekanntgegeben, dass Hacker das Online-Netzwerk der Spielkonsole Playstation und des Musik- und Filmdienstes Qriocity geknackt und sensible Daten gestohlen hätten. Rund 77 Millionen Nutzer weltweit warnte der Konzern daraufhin per E-Mail vor möglichem Datenklau. Sony kündigte auch eine Überprüfung der Sicherheit seiner anderen Onlinespiele-Plattformen an.

Die Hinweise auf die Millionen weiteren Betroffenen hatten sich laut Sony schon am Sonntag ergeben. An die Öffentlichkeit ging der Konzern damit allerdings erst am Montagabend. Das Unternehmen war bereits zuvor kritisiert worden, weil es die Kunden erst vergleichsweise spät über die Attacke auf die Nutzerdaten informierte, die schon Mitte April erfolgt war.

Mit Ungeduld und Wut reagierte die Spieler-Community auf die Ausweitung der Datenpanne bei Sony. Im Mittelpunkt der Kritik steht nicht nur der Technik-Riese, sondern auch der unbekannte Angreifer, der die verschiedenen Dienste lahmlegt.

Reuters/DPA / DPA / Reuters