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Apple Watch statt Apple Glass: Warum Apple auf Uhren statt auf Brillen setzt

Googles Glass sollte die Welt verändern, daraus wurde vorerst nichts. Apple dagegen setzte nicht auf Brillen, sondern entwickelte die bald erscheinende Apple Watch. Mit gutem Grund.

Von Malte Mansholt

Apple entschied sich, mit der Apple Watch eine Uhr zu entwickeln, statt wie Google auf Brillen zu setzen.

Apple entschied sich, mit der Apple Watch eine Uhr zu entwickeln, statt wie Google auf Brillen zu setzen.

Als Google seine smarte Brille Glass vorstellte, stand die Technik-Welt Kopf. Alle waren sich sicher: Das ist das nächste große Ding. Jeder aus der Branche, der etwas auf sich hielt, ließ sich beim Glass tragen ablichten. Unter normalen Menschen gab es zwar Neugier, die Begeisterung teilten die meisten aber nicht. In letzter Zeit sprach kaum noch jemand von Glass - viele schrieben die Brille ab. Stattdessen ist plötzlich ein anderes Wearable in aller Munde: Apples smarte Uhr Apple Watch. Der Grund ist die andere Design-Philosophie des Konzerns aus Cupertino.

In einem ausführlichen Porträt von Apples Chef-Designer Jonathan Ive im Magazin "The New Yorker werden auch die Gedankenprozesse hinter Apples neuem Vorzeigeprodukt beleuchtet. So will Apple-Boss Tim Cook von Anfang an gewusst haben, dass Glass floppt. Als Grund sieht er das invasive Design der Brille: Sie befindet sich zwischen dem Träger und seinem Gegenüber und drängt sich so immer in den Vordergrund. Dadurch wirkt der Träger ferner und damit weniger sympathisch. Cook geht davon aus, dass kaum jemand eine solche Brille tragen möchte. Bedenkt man, dass sich für die Träger der Brille der Begriff "Glasshole" verbreitet hat, mag er Recht behalten. Die Apple Watch dagegen soll sich im Hintergrund halten - und letztlich unaufdringlicher sein. "Das Gesicht ist der falsche Ort" betont Jonathan Ive.

Die Kunden wollen Vielfalt

Ein weiteres Problem von Glass ist, dass sie den Träger alles andere als gut aussehen lässt. Eine Uhr dagegen wird klassisch als Schmuckstück getragen. Zumal Apple die Watch eindeutiger als Fashion-Objekt positioniert als andere Produkte zuvor. Der Status als Schmuckstück bringt aber ganz eigene Probleme mit sich: Während die meisten Menschen bei einem Smartphone bis zu einem gewissen Grade damit leben können, dass auch viele andere dasselbe Gerät besitzen, ist das nach Ives Einschätzung bei Schmuck nicht im selben Maße der Fall. Hier wollen Menschen ihre Individualität ausdrücken und besondere Stücke tragen.

Dies ist auch der Grund für die große Vielfalt an Varianten der Apple Watch: Sie ist zum einen als Sportuhr, als klassische Armbanduhr und als deutlich teurere Goldedition erhältlich - in der Goldedition kann der Kunde sogar zwischen verschiedenen Gold-Tönen wählen. Zum anderen bietet Apple eine große Auswahl an Armbändern an, vom bunten Gummiband, über das metallene Gliederarmband bis zu edlem Leder. Die Vielfalt an Materialien und die daraus resultierende Auswahl soll sich sogar noch vergrößern: Ive und sein Team tüfteln an weiteren Varianten.

Ob die Kunden Apples Meinung teilen, wird sich in diesem Frühjahr zeigen. Ein Verkaufstermin für die smarte Uhr steht noch aus, sie wird für März oder April 2015 erwartet.