Cebit-Rückblick Mehr Abschlüsse, weniger Besucher


Die Pforten der Cebit haben sich geschlossen, und die IT-Branche zeigt sich in Feierstimmung. Die Krise sei vorbei, wird gejubelt. Spektakuläres fehlte allerdings.

Der Aufschwung in Deutschland ist da - zumindest in der High-Tech-Industrie. Die Branche sieht ihre Krise endgültig als überwunden an, die meisten Unternehmen investieren wieder und schaffen erstmals seit fünf Jahren wieder neue Jobs. Die Cebit hat diese Trendwende bestätigt. Am Mittwoch ging die weltgrößte Computermesse in einer Aufbruchstimmung zu Ende - einen Tag vor dem Job-Gipfel im Kanzleramt.

Die Ausstellerzahl stieg wieder an, die Besucherzahl allerdings ging leicht zurück. Dabei kamen aber deutlich mehr Fachbesucher, also potenzielle Kunden. Die Cebit war zudem so international wie nie zuvor - vor allem mehr Asiaten kamen nach Hannover. Der Branchenverband BITKOM berichtete, der Umfang der Geschäftsabschlüsse auf der Cebit liege über dem Niveau des Vorjahres. Dies lasse auch auf ein gutes Nachmessegeschäft hoffen.

Eine Euphorie wie zu Boomzeiten Ende der 90er Jahre allerdings fehlte auf der diesjährigen Messe, spektakuläre Neuheiten ebenfalls.

Das mobile Zeitalter nimmt Gestalt an

Die Cebit aber zeigte: das mobile Zeitalter nimmt zunehmend Gestalt an - und: Computer-Industrie und Unterhaltungselektronik wachsen immer mehr zusammen. Die Vernetzung digitaler Geräte schreitet weiter voran. Allgegenwärtig war das digitale Zuhause - sichtbar an den gemütlichen Sitzgruppen um riesige Flachbild- Fernseher auf vielen Ständen. Die Hälfte aller Computer-Nutzer würden laut einer Studie gerne einen PC als interaktive Unterhaltungszentrale im Wohnzimmer nutzen.

Weitere Schwerpunkte: der "Dauerbrenner" Sicherheit, das Video-Format der Zukunft und der Einsatz von Software in der öffentlichen Verwaltung. Im Focus standen außerdem das Telefonieren übers Internet, IT-Lösungen für den Mittelstand und erneut die schnelle Handy-Technik UMTS.

Werben für UMTS

Milliarden hatten sich die Mobilfunkanbieter die UMTS-Lizenzen und den Netzaufbau kosten lassen - nun wollen sie langsam die Früchte der teuren Saat ernten. Auf der Cebit rührten deshalb Netzbetreiber wie Gerätehersteller gleichermaßen die Werbetrommel. 2005 soll UMTS endlich ein Erfolg werden: Nach einer Bitkom-Prognose soll sich die Zahl der UMTS-Nutzer in Deutschland bis zum Jahresende auf rund 2,5 Millionen verzehnfachen - bei einem Gesamtmarkt von rund 72 Millionen Handys im vergangenen Jahr.

Im internationalen Vergleich allerdings hinkt Deutschland bei der UMTS-Nutzung weit hinterher - wie auch bei anderen Technologien, etwa der schnellen Internet-Technik Breitband. Nur knapp jeder fünfte Haushalt in Deutschland verfügt bereits über einen Breitbandanschluss, deutlich weniger als in vielen anderen Industriestaaten.

Es wird Zeit fürs Breitband

Das soll sich ändern: "deutlich vor 2010" soll die Hälfte der privaten Haushalte in Deutschland einen Hochgeschwindigkeitsanschluss ins weltweite Netz haben. Spitzenvertreter von Wirtschaft und Politik riefen auf der Cebit eine "Breitband-Offensive" aus. Leistungsstarke Internet-Datenverbindungen wie etwa DSL oder W-LAN sollen gefördert werden.

Der Durchbruch dieser Techniken soll neben einem Boom bei IT- Dienstleistungen die Triebfeder sein für den erwarteten dauernden Aufschwung der Branche, die dem Wachstum der Gesamtwirtschaft wieder vorauseilt.

Nicht nur gute Nachrichten

Nach einer Entlassungswelle zwischen 2001 und 2003 sollen zudem wieder neue Jobs geschaffen werden - im laufenden Jahr alleine rund 10.000. Allerdings nicht bei allen Unternehmen: So will der Computergigant IBM zwei Betriebsstätten in Hannover und Braunschweig dicht machen und 600 Beschäftigte auf die Straße setzen. Anlass für rund 300 IBM-Mitarbeiter, gegen diese Pläne zu protestieren - aber nicht auf der CeBIT, sondern vor den Toren der Messe.

Eitel Sonnenschein dagegen herrschte beim traditionellen Cebit-Rundgang des Kanzlers. Dreieinhalb Stunden Zeit und damit deutlich mehr als im Vorjahr nahm sich Gerhard Schröder - und wollte nach den Worten seines Regierungssprechers den "positiven Geist" der Messe mit nach Berlin nehmen.

Andreas Hoenig/DPA DPA

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