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Counter-Strike: Aus dem Leben eines "Noobs"

Wem die Begriffe "Cheater", "Noob" und "Camper" auch nichts sagen, ist hier genau richtig. Das Leben mit einem Counter-Strike-Verrückten offenbart viele Dinge, die für einen Nicht-Computerspieler böhmische Dörfer sind.

Eine Glosse von Svenja Schierer

Wer hat bloß dieses Spiel erfunden? Ich verfluche ihn! Abend für Abend dieses Gemetzel. Das ewige Geballere und Blutvergießen. Die Rede ist von Counter-Strike (CS), einem Online-Ego-Shooter. Die Spieler bekämpfen als Mitglieder einer Anti-Terroreinheit ein Team von Terroristen und umgekehrt. Weltweit hat dieses "Ballerspiel" eine riesige Anhängerschaft gefunden. "Tingeltangel Bob", sein Spitzname bei CS, ist so ein Anhänger.

Im Dunkeln auf Camper schießen

"Tingeltangel Bob" ist mein Freund, und seit beinahe drei Jahren leben wir zusammen. Da gewöhnt man sich zwar an Counter-Strike, aber nachvollziehen können muss man diese Spielleidenschaft deswegen noch lange nicht. Im realen Leben ist "Tingel" ein seriöser Typ, der eigentlich keiner Fliege etwas zu Leide tun kann. Dennoch oder vielleicht gerade deswegen fasziniert ihn das Ballern am Computer.

Es ist mal wieder soweit - "Tingeltangel Bob" ist in die virtuelle Counter-Strike-Welt abgetaucht und dem Lockruf des Computers einmal mehr gefolgt. "Ich geh' nur noch mal kurz an den PC", und schon war es das wieder mit einem gemütlichen gemeinsamen Fernsehabend.

Aus dem abgedunkelten Büro dringen seltsame Rufe: "Du Noob" oder "Dieser dreckige Camper". Ich öffne vorsichtig die Tür, um zu gucken, ob auch alles ok ist - und lande in der Welt der CS-Süchtigen. "Tingeltangel Bob" wurde gerade von einem "Camper" per "Headshot", also Kopfschuß, niedergestreckt. Diese "Camper" verstecken sich und warten nur darauf, dass ihnen jemand ins Fadenkreuz läuft, um ihn dann zu erledigen. Ah ja. Bisher dachte ich, Camper haben einen Wohnwagen und grillen gerne. Man lernt tatsächlich nie aus. Ich frage, ob ich das Rollo raufziehen könne, die Sonne scheint so schön. "Bloß nicht, das spiegelt sich doch alles auf dem Bildschirm, und ich seh' die verdammten Terroristen nicht mehr." Das Rollo bleibt also unten. Ich will schließlich nicht, dass "Tingel" von einem Terroristen getroffen wird.

"Cheater" sind überall

Auf dem Bildschirm läuft "Tingeltangel Bob" gerade zur Hochform auf. Die virtuelle Terroristenjagd führt ihn durch ein Bürogebäude. Er schmeißt Blendgranaten und geht in Schussposition. "Was machst Du denn da?". Während er weiter durch die virtuelle Welt läuft, erklärt "Tingel" mir das Spiel. Die aktuelle "Map" heißt "cs_office", und "Tingel" ist gerade als "Counter" - als ein "Guter" - unterwegs. Er ist also quasi "im Dienst", wie er voller Begeisterung berichtet. In der aktuellen Runde muss er Geiseln aus den Händen von Terroristen befreien. Nebenbei erschießt er noch ein paar "Böse". Plötzlich ein Schuss von hinten. Der virtuelle "Tingel" sackt in sich zusammen, Blut spritzt, und er ist tot. Der reale "Tingel" zuckt zusammen, als ob ihn der Schuss tatsächlich getroffen hätte. Wenn seine Geschäftskunden, denen er tagsüber im realen Berufsleben im feinen Anzug gegenüber sitzt, ihn so sehen könnten...

Die Zeit ist schon wieder um, und die nächste Baller-Runde beginnt. "Tingeltangel Bob" hüpft wieder quicklebendig auf dem Bildschirm herum. Ein "Noob" - "die, die es einfach nicht drauf haben" - läuft "Tingel" in den Weg. Begleitet von Flüchen schießt er sich den Weg frei. Immer den gleichen Weg, "man weiß ja, wo die Gegner lang laufen." Eine Fensterscheibe zersplittert, "Tingel" springt hindurch, und schon stehen ihm die Terroristen gegenüber. Ein wilder Schusswechsel entbrennt, und "Tingel" neutralisiert drei feindliche Terroristen. Doch plötzlich fällt ein Schuss, und seine Lebenskraft ist erneut am Ende. "So ein Cheater, der konnte mich überhaupt nicht sehen". Der böse Schummler hat "Tingel" angeblich durch die Wand gesehen und hinter der Tür auf ihn gelauert. Normalerweise kann man in der virtuellen Welt nicht durch Wände sehen, das ist ja selbst mir als "Noob" klar.

"Messern", die besondere Demütigung

Die "Map" wechselt, und "Tingel" findet sich auf "de_dust2" wieder. Das Szenario hat sich geändert. Er muss nun keine Geiseln mehr befreien, sondern eine Bombe entschärfen. Die Terroristen haben sie gelegt und müssen sie bis zur Explosion verteidigen. Mit einem "Defuse Kit" kann "Tingel" die Bombe schneller entschärfen. Bewaffnet mit Blendgranaten, einem M4A1-Sturmgewehr, dem "Defuse Kit" und einem Messer geht es auf die Suche nach den Terroristen und der tickenden Zeitbombe. "Tingel" ist in seinem Element. Mit dem Sturmgewehr streckt er den ersten Terroristen nieder. In der wüstenähnlichen Umgebung schleicht er sich von hinten an den nächsten Terroristen heran und erledigt ihn. Mit dem Messer sticht er mehrmals auf sein Opfer ein. Unter Counter-Strike-Spielern wird dies schlicht "messern" genannt - eine besonders große Erniedrigung. "Tingel" freut sich über seinen Überraschungsangriff wie ein kleines Kind. Aber nicht nur er jubelt. Auf dem Bildschirm und über sein "Headset" feiern ihn seine Team-Mitglieder für diese gelungene Attacke.

Aber selbst diese Heldentat veranlasst mich nicht, in Euphorie auszubrechen. Ich beende meinen Ausflug in die Welt von Counter-Strike. Die Leidenschaft für solch ein Ballerspiel werde ich nie nachvollziehen können. Voller Unverständnis verlasse ich den abgedunkelten Raum des Terrors und wende mich wieder der realen, sonnendurchfluteten Welt zu. Dort freue ich mich auf den Moment, wenn der reale "Tingel", mein Freund, wieder in die Realität zurückkehren wird - auch wenn ich dort in seinen Augen immer ein "Counter-Strike-Noob" bleiben werde.

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