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Cebit: Umbau gegen den Niedergang

Der Cebit geht es schlecht. Seit Jahren sinken die Aussteller- und Besucherzahlen, und mit Nokia und Motorola haben zwei Riesen die Messe im März abgesagt. Hinter den Kulissen wird offenbar an einem massiven Umbau gebastelt. Vorbild ist dabei der "Vater" der Cebit.

Die Glanzzeiten sind längst vorbei. Die weltgrößte Computermesse Cebit, einst das stolze Flaggschiff der Deutschen Messe AG in Hannover, hat in den vergangenen Jahren einen schleichenden Niedergang erlebt. Aussteller- und Besucherzahlen gingen stetig zurück, ebenso wie die wichtigste Kennziffer, die Ausstellungsfläche. Doch nun ist ein neuer Tiefpunkt erreicht. Branchenriesen wie Nokia und Motorola haben ihren Auftritt für 2007 abgesagt, andere Firmen folgten. Der Cebit droht ein empfindlicher Umsatzeinbruch. Die Messe-Macher ziehen nun die Reißleine: 2008 soll die Cebit nach DPA-Informationen eine völlig neue Struktur erhalten.

In einem Brief an die Aussteller, der der DPA vorliegt, spricht Messe-Vorstandsmitglied Ernst Raue von "aktuellem Handlungsbedarf". Es werde derzeit "intensiv" an einer grundsätzlichen Neupositionierung der Messe ab 2008 gearbeitet. Das "Erscheinungsbild der Messe" solle nachhaltig verbessert, die Effektivität der Messebeteiligung für die Aussteller deutlich erhöht werden.

Einbrüche bis zu 15 Prozent

Hinter den Kulissen wird die Lage nach dpa-Informationen als dramatisch gewertet. Der Cebit droht 2007 wegen der Absage großer Unternehmen, zu denen auch BenQ, LG und Konica Minolta zählen, bei Umsatz und Netto-Ausstellungsfläche ein Einbruch von bis zu 15 Prozent. Die Netto-Ausstellungsfläche würde in diesem Fall um 40.000 Quadratmeter auf nur noch 260.000 Quadratmeter sinken - weit entfernt von der einstigen Größe. Das bedeutet vor allem: weniger Einnahmen. Da hilft es auch nicht, dass die Zahl der Aussteller mit rund 6000 nahezu stabil bleiben soll. Zum Vergleich: Im Rekordjahr 2001 verzeichnete die Cebit rund 8100 Aussteller auf einer Netto-Ausstellungsfläche von 431.000 Quadratmetern.

Doch hohe Wachstumsraten von einst sind Vergangenheit. Die Umsätze der High-Tech-Branche, in der die einstige Trennung zwischen klassischer Computerindustrie und Unterhaltungselektronik längst aufgehoben ist, wachsen besonders in Europa nur noch auf niedrigem Niveau.

Weniger Geld für Messen

Der Preiskampf in der Branche ist scharf. Das drückt bei den Herstellern auf die Erträge, der Kostendruck ist enorm. Viele Unternehmen müssen sparen - und geben weniger Geld für Messen aus. Zudem scheinen sich viele Firmen auf der Cebit nicht mehr richtig aufgehoben zu fühlen. Der weltgrößte Handyhersteller Nokia etwa will künftig auf Hausmessen die "Nähe" zum Kunden suchen. Für das Unternehmen sei es "wichtiger denn je, zielgruppenorientierte Maßnahmen zu entwickeln", teilte Nokia mit.

Dazu kommt die zunehmende Konkurrenz durch die Internationale Funkausstellung (Ifa) in Berlin. Die Ifa sieht sich anders als die "Businessmesse" Cebit vor allem als Messe der Unterhaltungselektronik und des Verbrauchers - und findet seit 2006 jedes Jahr und nicht mehr nur alle zwei Jahre statt.

Vorbild Hannover Messe

Eine passende Antwort auf die vielen Probleme haben die Cebit-Macher bisher nicht gefunden. Den Umsatzeinbruch vor Augen, sucht die Deutsche Messe AG nun einen Ausweg. Geplant ist ein grundlegender Umbau der Cebit. Nach DPA-Informationen soll ab 2008 das Profil der Messe als "Profimesse" wieder gestärkt werden, damit soll sie sich auch wieder stärker von der Ifa abgrenzen.

Die "neue Cebit" soll stärker auf die Interessen der einzelnen Zielgruppen eingehen. Vorbild soll die Industrieschau Hannover Messe sein - aus der die Cebit einst abgespalten wurde. Auch die Hannover Messe steckte in Schwierigkeiten, nach einer Neuausrichtung ist sie aber wieder auf Erfolgskurs. Das Rezept: eine klare Struktur und eine Konzentration auf Schwerpunktthemen.

Analog dazu soll auch die Cebit künftig stärker auf Anwendungs-Schwerpunkte setzen. Zudem wollen die Macher die Struktur übersichtlicher machen. Die Devise lautet: Weg vom "Gemischtwarenhandel", wie es in der Branche heißt. Eine Palette von A bis Z, aus der sich jeder etwas aussuchen könne, werde es aber bald nicht mehr geben. Und: Die Dauer der Cebit soll um einen Tag auf sechs verkürzt werden und sie soll nicht mehr wie bisher über ein Wochenende laufen. "Denn das treibt die Kosten hoch", sagt ein Insider.

Andreas Hoenig/DPA / DPA