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Digitalisierung alter Schriften: Roboter retten Bücher

Mehrere Jahrhunderte alte Bücher einzuscannen, war bisher eine mühsame, langwierige Aufgabe, die die alten Folianten auch noch schwer beschädigen konnte. An der Bayrischen Staatsbibliothek erledigen zwei neue Scan-Roboter den Job nun in bisher unbekannter Geschwindigkeit.

Von Matthias Lauerer

In den Bibliotheken des Landes kennt man das Problem: Alte Bücher zerfallen durch den hohen Säuregehalt des Papiers oder schlicht wegen ihres Alters eines Tages zu Staub. Zum Schutz des wertvollen Wissens geht man nun in Bayern neue Wege: Mitte Oktober startete die Bayerische Staatsbibliothek das erste Massen-Digitalisierungsprojekt von Büchern in der Geschichte. Ihr Ziel: In nur zwei Jahren will man dort knapp 37.000 deutschsprachige Bücher aus den Jahren von 1518 bis 1600 mit insgesamt über 7,5 Millionen Seiten digital einscannen und so für die nächsten Jahrhunderte sichern. Bezahlt wird das Projekt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), und Unterstützung gibt es auch von der Abteilung Handschriften und alte Drucke der Münchner Staatsbibliothek.

Roboter zu Spezialisten umgebaut

Möglich macht die Pionier-Arbeit ein Unternehmen aus dem Nachbarland Österreich. Zwei neu entwickelte Scan-Roboter des Wiener Unternehmens "TreVentus Mechatronics GmbH" wurden über eineinhalb Jahre so umgebaut, dass sie sich nun perfekt für den speziellen Buch-Einsatz in der historischen Bibliothek eignen. Der Name der Lesegeräte: "ScanRobot SR 300". Wie ein Schrank sehen die Maschinen aus, und auch ihre Maße sind durchaus schrankähnlich: 80 Zentimeter breit, 80 Zentimeter tief und knapp 1,80 Meter hoch. Daneben stehen zwei PC mit großen 22-Zoll-TFT-Monitoren. Auf diesen lässt sich der jeweilige Scan-Fortschritt ablesen. Zwar müssen die wertvollen Werke noch per Hand von einem Mitarbeiter eingelegt werden, doch dann geschieht alles wie von selbst. Der Lesekopf gleitet berührungslos über die kostbaren Seiten, die vor ihm - ganz buchschonend - in einem Winkel von nur 60 Grad aufgeschlagen liegen. Umgeblättert werden die Seiten von den High-Tech-Geräten automatisch mittels leichten Lufthauchs. Und: Bislang gab es stets mit dem Gewicht der Seiten ein Problem. So musste bei fortschreitendem Scan die Leseeinrichtung immer wieder neu justiert werden. Doch der "ScanRobot" erledigt dies vollautomatisch. Seine Scan-Geschwindigkeit liegt bei 1800 Seiten - pro Stunde. Und so digitalisiert man in München nun in je zwei Schichten à acht Stunden die Bücher und konserviert sie auf diese Weise.

Für die Erfindung des Scan-Roboters gewann das Unternehmen 2007 den renommierten "European ICT"- Preis. Für Innovationen im Informations- und Kommunikations-Sektor wird dieser jährlich ausgeschrieben. Die Preisgelder in Höhe von je 200.000 Euro stammen aus Mitteln der Europäischen Union. Vergeben wird der Preis seit zwölf Jahren.

Bei "TreVentus" ist man besonders stolz auf den Auftrag: "Herausforderung sind für uns die alten Bücher. Wir haben dafür das ganze Frühjahr unsere Geräte getestet. Denn normalerweise kommen unsere Test-Bücher vom Flohmarkt. Dieser renommierte Kunde ist für uns ein 'Segen'", sagt Stephan Tratter, 33, der in dem österreichischen Unternehmen als Marketingleiter fungiert. Dann fügt Tratter eine kleine Anekdote an: "Trotz der Erfahrung hatte unsere Mannschaft Herzklopfen beim Einlegen des ersten Buches." Denn: "Als wir später nach dem Wert des Buches fragten, hieß es: Na ja, das Buch ist gute 12.000 Euro wert."

Alle Gemeinheiten der Buchbinderei

Auch beim Auftraggeber in München ist man guter Dinge. So erzählt der Leiter des Münchner Digitalisierungszentrums Markus Brantl, 48: "Das Besondere ist, dass man sich an das alte Material herantraut. 16. Jahrhundert und Roboter - das schließt sich eigentlich aus, denn hier finden sie alle Gemeinheiten der Buchbinderei, also unterschiedliche Papiersorten und Bindungen." Doch Brantl ist sich sicher: "Wenn es im 16. Jahrhundert funktioniert, dann funktioniert es auch in jedem anderen Jahrhundert." Gegründet wurde das Münchner Digitalisierungszentrum schon 1997 und gilt als eines von zwei nationalen Digitalisierungs-Kompetenzzentren in der Republik.

Doch selbst die Kosten für die Restaurierung der antiquarischen Schätze halten sich im Rahmen: "Wir haben für das Projekt neun Vollzeitstellen im mittleren Dienst über den Zeitraum von zwei Jahren angesetzt. Dazu kommen die beiden Maschinen im Wert von je 80.000 Euro", so der Projektleiter weiter. Amüsant: Die tatsächlichen Kosten, die pro gescanntes Buch entstehen, hat Leiter Brantl bisher noch nicht ausgerechnet.

Auch an die Verwendung der Dateien hat man in München gedacht. Heute lassen sich die ersten bereits gescannten Werke kostenlos online abrufen. Ob eines der wichtigsten Bücher des Judentums, der "Babylonische Talmud" aus dem Jahr 1342, oder die "rechtsarchäologische Sammlung Karls von Amira" - wer also heute einmal in die Lebenswelt der Vergangenheit abtauchen möchte, um zu erfahren, wie es damals wirklich war, dem sei ein Blick auf das Projekt empfohlen.

Nach der abgeschlossenen Massendigitalisierung in zwei Jahren werden es dann Tausende Werke sein, die online eingesehen werden können. Sofern der Leser der Sprachen mächtig ist, die in der frühen Neuzeit zwischen 1518 und 1600 verwendet wurden.

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.