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Druckertinte: Das Geschäft mit der Leere

Eine besonders kostbare Flüssigkeit ist die Tinte in Druckerpatronen. Deshalb eröffnen immer mehr günstige Nachfüllstationen.

Von Maximilian Geyer

Derzeit ist Tanken eine teure Angelegenheit. Doch es gibt Tankstellen, bei denen man Geld sparen kann: Druckertankstellen. Günstig die leeren Tintenpatronen nachfüllen statt teuren Originalersatz kaufen - damit werben Läden wie "Refill 24", "Cartridge World" oder "ABC Tintenpatronen", in denen sich gebrauchte Druckerpatronen neu befüllen lassen. Das Geschäft boomt: "Wir wollen jeden Monat mindestens zwei neue Filialen in Deutschland eröffnen", sagt Daniel Stroh, Deutschland-Chef der australischen Kette "Cartridge World". Mehr als 1000 Geschäfte gibt es bereits weltweit.

50 Prozent Ersparnis

Das Problem ist jedem Besitzer eines Tintenstrahldruckers bekannt: Das Gerät gibt es zum Schnäppchenpreis - "doch oft muss dann für einen neuen Patronensatz mehr ausgegeben werden, als der ganze Drucker gekostet hat", erklärt Shai Benzman, der mit Partner Alexander Kos in Berlin mehrere "Cartridge World"-Filialen betreibt. Seinen Kunden verspricht er bis zu 50 Prozent Ersparnis gegenüber dem Preis des Originalzubehörs - bei gleichwertiger Qualität. Um Letzteres zu belegen, erhält jeder Kunde einen Probeausdruck, der mit seiner neu befüllten Patrone gemacht wurde. Wer nicht zufrieden ist, bekommt sein Geld zurück.

Streitfall Tinte

Die Druckerhersteller wehren sich gegen Tankstellen und auch Nachbauer, die Kopien der Originalpatronen anbieten. Sie begründen die hohen Preise mit Kosten für Forschung und Entwicklung. Immer wieder ziehen sie wegen vermeintlicher Patentverletzungen vor Gericht. Jüngst nahmen in Deutschland auf Druck von Epson Verkäufer von Nachahmern einige Imitate aus den Regalen. Ständig ändern die Hersteller die Konstruktion der Patronen, sodass die Tankstellen immer neue Nachfülltechniken entwickeln müssen. Und mit einer eingebauten Elektronik zur Füllstandsanzeige erschweren die Druckerbauer das Nachfüllen zusätzlich - verhindern dürfen sie es allerdings laut einer EU-Richtlinie nicht. Die Tankstellenbetreiber nehmen den Kampf sportlich: "Es gibt immer einen Weg, die Patrone wiederbefüllt günstiger anzubieten als das Original", sagt Benzman. Und wenn ein Kunde mal mit einer Patrone kommt, die so neu ist, dass es noch keine Möglichkeit gibt, sie nachzufüllen? "Dann verkaufen wir ihm natürlich auch das Original."

Nicht alle Shops sind bei der Befüllung so professionell wie die Australier. Ohne einen Probedruck sollte man Nachfüllstationen daher nicht verlassen - sonst droht zu Hause eine böse Überraschung, wenn die Patrone nicht mehr richtig druckt.

Erstaunliche Testergebnisse

Dennoch sind gute Nachfüll-Shops so günstig, dass man sich nicht selbst die Finger schmutzig machen sollte: Zwar können Druckerbesitzer ihre Patronen mit Spritzensets, die vor allem im Internet angeboten werden, selbst auftanken. Doch auch wenn das nötige handwerkliche Geschick vorhanden ist, kann dabei viel schief gehen. Daher rät auch die Stiftung Warentest, die sich ebenfalls mit Druckerpatronen beschäftigt hat, von dieser Variante ab. Empfohlen wird hingegen, nachgebaute oder industriell aufgefüllte Patronen zu verwenden. Sie sind im Bürohandel oder bei Druckertankstellen erhältlich und können qualitativ durchaus mit der Originaltinte mithalten. In manchen Fällen, so die Stiftung Warentest, ist das Druckergebnis damit sogar besser als bei der Verwendung von Originaltinte - ein Resultat, das auch die Tester erstaunte.

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