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Geräusche und Musik in Games: Hier musiziert das Spiel

Beim Film schon längst eine anerkannte Kunst, fristen die Geräusche und die Soundtracks von Videospielen noch ein Schattendasein. Dabei ist der Aufwand ihrer Entstehung ähnlich hoch, ihre Wirkungen sind unverzichtbar für das Spielerlebnis.

Ein Tonstudio in Chicago: Zwischen Hunderten von Lautsprechern und riesigen Mischpulten steht ein Mann mit einem Stück Glas in der Hand. Die Aufnahmelampe leuchtet, das Glas fällt zu Boden und zersplittert.

Dieses Geräusch ist nur einer von Tausenden Effekten im Videospiel "Def Jam: Icon", das im März erscheint. Musik und Ton von Spielen haben nichts mehr mit den Piepsgeräuschen von früher zu tun: Ein aufwendiger Soundtrack und eine ausgeklügelte akustische Kulisse werden für den Erfolg immer wichtiger.

Vom Schrittgeräusch bis zum Soundtrack

Greg Allen, der Mann zwischen den Boxen und den Mischpulten, ist Tontechniker bei Electronic Arts (EA) Chicago. Er entwickelt die Geräusche für die "Def Jam"-Reihe. "Jeder Sound, der zu hören ist, wird von mir gestaltet." Das beginne bei den unterschiedlichen Geräuschen, die zu hören sind, wenn die Spielfigur über Asphalt oder Sand läuft. Und es ende mit der Untermalung von Szenen durch Musik.

"Wie bei Hollywood-Filmen ist auch im Videospiel der Soundtrack dafür verantwortlich, Emotionen zu erzeugen und zu verstärken", sagt Greg Allen. "Was wäre, wenn der Weiße Hai ohne die berühmte Melodie ahnungslose Surfer verspeisen würde?", fragt er. Ebenso ist in Spielen dramatische Musik zu hören, wenn es spannend wird.

Musik nimmt Einfluss auf den Spielverlauf

Doch nicht alle Entwickler haben die finanziellen Mittel, um so aus dem Vollen zu schöpfen, wie Allen das kann. "Viele bedienen sich deshalb an Soundbibliotheken." Was die Integration des Soundtracks ins Spiel betrifft, geht EA mit "Def Jam Icon" einen ganz neuen Weg: "Es wird möglich sein, mit Hilfe der Musik den Spielverlauf zu verändern. Wer im richtigen Moment während eines Liedes eine Taste drückt, verstärkt die Aktionen seiner Spielfigur."

Ein alter Hase aus Deutschland

Der Deutsche Chris Hülsbeck ist einer von nur wenigen bedeutenden Videospiel-Komponisten, die es weltweit gibt. Beim US-Unternehmen Factor 5 ist er etwa für den Sound der "Star Wars"-Reihe zuständig. "Es ist noch nicht lange so, dass Spielesoundtracks mit Orchestern eingespielt werden." Es sei aber nicht verwunderlich, dass manche Spiele inzwischen wie große Filme vertont werden: "Man sagt, die Musik eines Videospiels mache 50 Prozent des Gesamteindrucks aus."

Fabian del Priore studiert Musikwissenschaften, aber sein Geld verdient er als Videospiele-Musiker. Beteiligt war er zum Beispiel am Titel "Sacred". Für den 28-Jährigen aus Frankfurt/Main steckt der Spielemusik-Markt noch in den Kinderschuhen. Es werde sich in Zukunft noch einiges ändern, vor allem, was die Interaktivität von Sounds und Geräuschen betrifft. "Die Musik wird abwechslungsreicher und je nach Spielsituation flexibel eingesetzt werden können."

Ein großer Unterschied zur Musikproduktion in Hollywood besteht aber noch immer - und wird wohl weiter bestehen bleiben: Der Ruhm, den Musiker in der Spielebranche einstreichen können, ist bescheiden. Auf einer Party, so erzählt Chris Hülsbeck, habe er einmal den "Star Wars"-Regisseur George Lucas getroffen. Man kannte sich zwar und habe sich deshalb auch still zugenickt. "Doch dass ich die Vertonung seiner Spiele gemacht habe, dürfte er trotzdem nicht wissen."

DPA / DPA