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Grafik in Videospielen: "Eine dramatische Veränderung"

Die Konsolen Playstation 3 und Xbox 360 verschieben die optische Qualität von Videospielen deutlich nach oben. Doch der PC wird seine Spitzenstellung in Sachen Spielegrafik zurückerobern - durch die Windows-Komponente DirectX 10.

Die Grafik aktueller Spiele wie "MotorStorm" oder "Gears of War" für die Spielkonsolen PlayStation 3 von Sony oder Xbox 360 von Microsoft ist beeindruckend und fast schon filmreif. Noch einen Schritt weiter gehen aber Spiele, die demnächst erscheinen sollen. Sie werden aber nicht für die Konsolen, sondern für das neue Microsoft-Betriebssystem Windows Vista entwickelt und laufen auf dem PC. Sie nutzen eine Technik, die sich DirectX 10 nennt und die von Videospiel-Entwicklern, Grafikkarten-Herstellern und Microsoft gemeinsam entwickelt wurde. Die Verbesserungen, die DirectX 10 bringt, gehen nach Ansicht vieler Entwickler deutlich über das hinaus, was die Konsolen derzeit bieten können.

Viele Nutzer sind aber noch zurückhaltend. Denn die Investitionen, um auf den neuesten Stand zu kommen, belaufen sich schnell auf mehr als 1.100 Euro, fast den doppelten Preis einer PS3. Denn DirectX 10 setzt nicht nur Windows Vista und eine neue Grafikkarte voraus, es gibt derzeit auch erst wenige Spiele, die diese Technik nutzen. Bill Roper, dessen Firma Flagship Studios das Spiel "Hellgate: London" entwickelt, sagt, es sei klar, dass noch nicht jeder Vista und eine DirectX-10-fähige Grafikkarte habe. "Das ist so mit jeder neuen Technik", sagt Roper. "Es hat sich auch nicht jeder am ersten Tag einen iPod oder einen DVD-Player gekauft, als sie auf den Markt kamen."

Riesiger Schritt in Richtung Realismus

Spieleentwickler sind aber überzeugt, dass sich diese Technik bald durchsetzen wird. "Wir versuchen etwas zu erreichen, was wir 'magischen Realismus' nennen", sagt Jörgen Tharaldsen von Funcom in Oslo, dem Entwickler des kommenden Online-Actionrollenspiels "Age of Conan". "Mit DirectX 10 können wir die Grafik auf eine Stufe bringen, so dass es fast schon realistisch wirkt." Mit DirectX 10 sollen die Spiele nicht nur besser aussehen, auch die Performance der Grafikkarten soll sich deutlich verbessern, weil die Verarbeitung der Informationen vereinfacht wurde. "Der Realismus macht einen riesigen Schritt", sagt Roy Taylor vom Grafikkarten-Hersteller Nvidia. "Es ist eine dramatische Veränderung."

Nvidia ist derzeit der einzige Anbieter von Grafikkarten, die DirectX 10 unterstützen. Konkurrent ATI, der vom Chip-Hersteller AMD übernommen wurde, will noch im zweiten Quartal folgen. DirectX 10 sei ein Beispiel dafür, wie der PC die Konsole überhole, sagt Chris Donahue, Manager bei Microsofts Abteilung Games for Windows. So nutzt die Xbox 360 von Microsoft noch die DirectX-9-Technik, ein Upgrade ist nicht möglich. "Die Konsolen sind immer eine Momentaufnahme der Technik zu dem Zeitpunkt, zu dem sie hergestellt wurden. Sie bleiben da rund fünf Jahre." Aber computeranimierte Spezialeffekte, wie sie zum Beispiel im Film "Herr der Ringe" zu sehen waren, seien weiter klar außerhalb der Reichweite von DirectX, erklärt Richard Huddy von AMD. Auch wenn sich die PC-Grafik weiter rasant entwickle, so gebe es doch noch einige ungelöste Probleme, um zu einer überzeugenden realistischen Darstellung zu kommen. "Wir glauben, dass wir noch zehn Jahre brauchen, bis wir die Realität eingeholt haben."

Matt Slagle/AP / AP