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Microsoft-Strafe: EU-Sanktionen werden PC-Geschäft kaum verändern

Die EU-Kommission hat Microsoft wegen Marktmissbrauchs mit einem Rekord-Bußgeld von 497,2 Millionen Euro bestraft. Gravierende Auswirkungen dieser Entscheidung auf den PC-Markt werden nicht erwartet.

Die EU-Kommission hat in Brüssel den US-Softwarekonzern Microsoft wegen Marktmissbrauchs mit einem Rekord-Bußgeld von 497,2 Millionen Euro bestraft. Der weltgrößte Softwarekonzern habe sein Quasi-Monopol beim Betriebssystemen für Personalcomputer (PC) ausgenutzt und damit EU-Wettbewerbsrecht verletzt, entschied die Kommission nach eigenen Angaben.

Die Behörde beendete damit ein seit vier Jahren laufendes Wettbewerbsverfahren. Es ist die höchste Strafe, die ein Unternehmen bisher in Brüssel erhielt. Microsoft hatte bereits angekündigt, gegen den Beschluss zu klagen.

Kaum Auswirkungen auf den PC-Markt in Europa

Die Sanktionen der Europäischen Union werden voraussichtlich wenig Auswirkungen auf das Angebot von Personal Computern in Europa haben. PCs mit aktuellen Windows- Versionen werden heute in der Regel mit dem Windows Media Player zum Abspielen von Musik- und Videodateien ausgeliefert. Allerdings haben die PC-Hersteller schon jetzt die Möglichkeit, auf die neuen Rechner alternativ oder zusätzlich auch Konkurrenz-Produkte wie den Player von RealNetworks oder das Musikprogramm iTunes von Apple aufzuspielen.

Microsoft verfolgt mit seiner Bündel-Politik, bei der Programme wie der Internet Explorer oder der Windows Media Player an Windows gekoppelt werden, vor allem strategische Ziele, um die überragende Stellung der Windows-Plattform im Markt zu verteidigen. Daher verlangt der Software-Konzern für diese Zusatzprogramme auch kein Geld.

Microsoft kann am Preis drehen

Auf die Forderung der EU, auch ein Windows ohne Zusatzprogramme anzubieten, kann Microsoft nun mit der Gestaltung seiner Preise reagieren. Wenn ein Windows XP mit allen Zusatzprogrammen zum gleichen Preis wie ein "abgespecktes" Windows-Paket angeboten wird, hätte der Softwareriese die Buchstaben der EU-Forderung erfüllt, ohne dass sich am Markt etwas ändern würde. Denn die Verbraucher werden sich im Zweifelsfall für das komplette Paket entscheiden, wenn es preislich keinen Unterschied macht.

Die User sind eher faul

Da nur wenige PC-Benutzer von sich aus zusätzliche Programme wie einen alternativen Web-Browser oder ein anderes Multimedia-Abspielprogramm wie QuickTime installieren, rücken die PC-Hersteller in den Fokus. Denn die so genannten OEMs (Original Equipment Manufacturer) haben es in der Hand, sich für oder gegen die Microsoft-Wettbewerber bei der Vorinstallation von Programmen für fabrikneue Personal Computer zu entscheiden.

DPA