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Mondpreise für Apple Watch: Geht's noch, Apple?

18.000 Euro für das Gold-Modell, 500 Euro für ein Armband: Bei den Preisen der Apple Watch ist Apple über das Ziel hinausgeschossen. Verkaufen wird sie sich dennoch - als Prestigeobjekt.

Ein Kommentar von Christoph Fröhlich

Schick, aber teuer: die Apple Watch

Schick, aber teuer: die Apple Watch

Apple hat am Montagabend seine erste schlaue Armbanduhr vorgestellt, die Apple Watch. Doch die sorgt nicht wegen atemberaubend neuer Funktionen für Aufsehen, sondern die teils absurd hohen Preise stoßen vielen auf. Während das sportliche Einstiegsmodell bei 399 Euro beginnt - angesichts des durchdachten Konzepts und der Verarbeitungsqualität ein durchaus fairer Preis -, kostet die Luxus-Version in Gold satte 18.000 Euro!

Klar, die Bling-Bling-Uhr ist nur etwas für reiche Russen und gutbetuchte "Vogue"-Leser, die schonmal das Jahreseinkommen eines Fabrikarbeiters für einen Anzug verprassen. Vermutlich wird kein Otto-Normal-Bürger seinen Bausparvertrag vorzeitig auflösen, nur um sich eine goldene Apfel-Uhr um das Handgelenk zu schnallen. Sie ist eben Luxus-Mode, eine Art Porsche Cayenne fürs Handgelenk. Trotzdem wird sich die Edel-Uhr verkaufen. Nicht weil man sie haben muss. Sondern einfach, weil es sie gibt - und weil andere genau wissen, was sie kostet.

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500 Euro für ein Armband

Doch auch die normale Apple Watch aus Edelstahl ist mit 649 Euro Einstiegspreis alles andere als ein Schnäppchen. Bei den Armbändern hat Apple aber endgültig den Bezug zur Realität verloren. Während es die knallbunten Sportbänder für 59 Euro gibt, kostet ein Lederarmband, das nicht einmal wasserdicht ist, stolze 269 Euro. Den Vogel schießt Tim Cook aber mit dem zugegebenermaßen sehr schicken Gliederarmband ab: Es kostet 499 Euro, mehr als das Einsteigermodell der Apple Watch.

Die Begründung für den Mondpreis: Das Armband bestehe aus mehr als 100 Einzelteilen. Und der "Bearbeitungsprozess ist so präzise, dass es fast neun Stunden dauert, die Glieder für ein einzelnes Armband zu schneiden", heißt es auf der Apple-Webseite. Zudem legt das dazugehörige Produktvideo nahe, dass der Edelstahl für das Uhrengehäuse und die Gliederkette mindestens im Schicksalsberg geschmiedet wurde - anders zumindest ist der Preis von 500 Euro für ein Armband rational nicht zu erklären. Vom roten Lederarmband für 7000 Euro mal ganz zu schweigen. "Zeit ist Geld" bekommt bei der Apple Watch eben eine völlig neue Bedeutung.

In fünf Jahren ist die Apple Watch veraltet

Mit der Apple Watch verlässt Apple den klassischen Pfad des Technik-Konzerns und entwickelt sich ein Stück weit zum Mode-Unternehmen. Jetzt werden nicht mehr nur Geräte verkauft, sondern auch Luxus und Prestige. Das Problem: Die Apple Watch wird kein Sammlerobjekt wie eine Rolex oder Omega, auch nicht wenn sie aus Gold besteht. Sie ist keine zeitlose Armbanduhr mit einem filigran gefertigten Uhrwerk, die man noch in 25 Jahren tragen oder gar seinen Enkeln vererben könnte.

Vermutlich kann man die 18.000-Euro-Uhr in fünf Jahren mit gar keinem Gerät mehr koppeln, weil entweder der Akku völlig ausgelutscht ist oder sich der Bluetooth-Standard geändert hat. Außerdem wäre es nicht das erste Mal, dass Apple alte Geräte nach wenigen Jahren aufs Abstellgleis schiebt. Die Apple Watch ist dann nur noch teurer Elektroschrott, der in einer Schublade verstaubt. So wie das Tamagotchi aus meiner Kindheit.

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