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SCHEIBE: Katalog-Probleme

Wir Männer können alles, wissen alles, regeln alles. So glauben wir zumindest. Doch wenn es darum geht, etwas in einem Modekatalog zu bestellen, sind wir hilflos wie Kinder angesichts eines Paares Schnürsenkel.

Wir Männer können alles, wissen alles, regeln alles. So glauben wir zumindest. Doch wenn es darum geht, etwas in einem Modekatalog zu bestellen, sind wir hilflos wie Kinder angesichts eines Paares Schnürsenkel, das einfach keine Schleife ausbilden möchte. Wie gut, dass wir Kerle unsere ganz eigenen Kataloge haben. So wird am Ende doch noch alles gut.

Frauenlogik: Männer müssen leider draußen bleiben

Irgendwie hatte ich es ja schon geahnt, dass es so etwas wie eine rein weibliche Logik gibt, die uns Kerlen völlig verschlossen bleibt. (Schließlich verstehen Frauen auch nicht, dass Männer Integrale allein aus dem Grund lösen möchten, weil sie eben da sind.) Es ist mir als Mann nämlich völlig unmöglich, in der anwachsenden Tupperware-Sammlung meiner Frau den richtigen Deckel zu finden. Frauen haben da anscheinend keine Probleme. Intuitiv wissen sie, dass der mildgrüne Deckel zur gelben Salatschüssel gehört. Ein Griff in das Dunkel des Küchenschrankes reicht aus, und sie landen einen Treffer. Ich hingegen probiere zwanzig Deckel aus und packe die übrig gebliebenen Spaghetti dann doch wieder entnervt in den tiefen Suppenteller, der mit Frischhaltefolie abgedeckt wird. Zwanzig Deckel, alle im gleichen Durchmesser, aber jeder von der Form her anders geschnitten, mal rund, mal oval, mal eckig. Nix passt zusammen – wie kann das sein? Wäre Tupperware für Männer gemacht, dann würden die Deckel farblich zur Schüssel passen, keine Frage. Aber so ist das eben mit der Frauenwelt der Logik: Wir Männer müssen da leider draußen bleiben.

Der Versandhauskatalog - das unbekannte Wesen

Letztens ging es mir wieder so. Meine Frau meinte: Wenn ich schon schick ausgehen möchte, muss ich auch etwas Schickes anziehen. Vor allem um die Beine herum. Ich verweise auf meinen Kleiderschrank und meine wenigen, aber gern getragenen Lieblingshosen. Dann wird mir auch schon ein langer Vortrag darüber gehalten, wie alt die Sachen seien, wie viele Flecken sie aufweisen und wie unmodern sie inzwischen sind. Ich kontere halbherzig, dass ich mich in Jeans und T-Shirt eh am wohlsten fühlen würde und keine Zeit und Lust dazu hätte, durch die Boutiquen zu schlendern, um mir von zu schlanken Verkäuferinnen zu teure Hosen vor den zu dicken Bauch halten zu lassen. Also wird mir ein dicker Versandhauskatalog auf die Oberschenkel geknallt: Da sollte ich doch mal suchen, denn es eilt ja nun mal langsam.

Nun gut, Kataloge kenne ich aus dem Büro. Solche für Büromaterial und für Computerzubehör haben wir da auch. Einen solchen wie diesen habe ich aber noch nie bewusst durchgesehen. Ich blättere. Frauensachen, Kindersachen, Frauensachen, Männersachen, dann schon wieder Frauensachen. Am Ende ein bisschen Technik. Ich vergleiche interessiert Massagestäbe mit Heimcomputern, bis ich mit einem verbalem Verweis wieder auf Kurs gebracht werde.

Wo bleibt die klare Gliederung?

Okay, die Männersachen. Ich muss meine Frau bitten, für mich die Startseite aufzuschlagen, weil ich anscheinend zu doof dafür bin, in diesem Mammutwerk der hin und her springenden Themen den richtigen Fixpunkt zu finden. Da sind auch schon die ersten Hosen, aber nicht die, wie ich sie mag. Dann kommen auf einmal T-Shirt, Badehosen, Anzüge. Dann wieder Hosen. Können die denn nicht mal beim Thema bleiben? Warum denn dieses sinnlose Hin- und Her-Gespringe? Wo bleibt die klare Gliederung? Ich mache missmutig hier und da einen Knick in die Seiten, wo ich etwas gefunden habe, damit ich das gleich meiner besseren Hälfte präsentieren kann.

Frauen können doch etwas mit Zahlen anfangen

Sie fragt nach meinen Hosenmaßen? Hmm, XL vielleicht? Oder XXL? Doch davon steht im Katalog nichts. Der weist nur absolut unverständliche Zahlenkolonnen auf wie 4(48/50). Häh? Da sag mir doch mal einer, Frauen können nix mit Zahlen anfangen! Der ganze Bestellkatalog ist voll davon und dann lesen Frauen eben diese Kataloge stundenlang am Stück durch, als wäre es der neue Stephen-King-Bestseller. Das hätte sich so mancher Mathematik-Lehrer einmal träumen lassen.

Ich suche nach einer Gebrauchsanweisung und finde sie am Ende: »Maßnehmen leicht gemacht«. Endlose Zahlentabellen berichten von Brustumfängen, Seitenlängen, Hüftumfängen und Halsweiten. Der gläserne Mann – hier bin ich. Bei den Männern kommt erschwerend dazu, dass die einzelnen Größen mal für den normalen Mann, den schlanken Mann oder den untersetzten Mann gelten. Soll man sich denn beim Bestellen bei der netten Telefondame gleich als Fettie outen, nur weil man eine U(ntersetzt)-Größe ordert?. Ich blick sowieso nicht richtig durch und bestelle einfach mal lauter Größen kunterbunt durcheinander. Zum Glück wird das Ergebnis gleich am nächsten Tag geliefert. Eine Hose passt – ich bin gerettet. Und reif für die Klapsmühle.

Im Computerkatalog ist die Welt noch in Ordnung

Zurück in meinem Computerkeller brauche ich etwas für mein Ego. Keinen Schnaps und auch keine sonstigen Drogen, sondern etwas ganz Banales. Ich schnappe mir zunächst den Bestellkatalog für Büromöbel und schlage ihn auf. Jaaaa, das ist reine Männerlogik. Papiere, Umschläge, Zubehör, Möbel – alles ordentlich aufgeteilt, streng sortiert und an den Seiten noch mit einem Farbencode versehen. Die Bestellnummern sind allesamt tabellarisch gegliedert mit Musterbeispielen dafür, wie der Preis sinkt, wenn ich gleich mehrere Einheiten auf einmal bestelle. Auf jeder einzelnen Seite sind sämtlichen Telekommunikationsnummern verzeichnet, sodass ich nicht stundenlang im Katalog danach suchen muss, wo ich denn anrufen darf, um die Waren zu bestellen. Hinten gibt es sogar ausreißbare Faxvorlagen, die sich in Sekundenschnelle ausfüllen lassen. Ja, das ist die wahre Männerwelt. Zack, zack, alles durchorganisiert. Euphorisch und entspannt greife ich auch noch zum Computerkatalog und suhle mich in meinen PC-Fachbegriffen als wären sie ein warmes Bett. Dabei fahre ich mit dem Finger über Mäuse, USB-Erweiterungsadapter, SCSI-Verbindungskabel und Papierfaxgeräte mit integriertem Telefon hinweg. Ich atme den virtuellen Duft von Tintenstrahltonerbehältern ein und bestelle schon fast 5.000 Blatt Glossy Paper für den farbechten Ausdruck von Fotos. Das ist meine Welt. Und nächstes Mal kaufe ich meine Hose lieber wieder in der Stadt. Wenn es die alten nicht doch noch ein paar Jahre tun...

Carsten Scheibe

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