HOME

SCHEIBE: Pressearbeit nicht erwünscht

Scheibes Redaktionsbüro auf der Suche nach Produktfotos: Was einfach klingt, entwickelt sich zur Odyssee durch schlecht gemachte Pressebereiche.

Im Büro lassen wir uns jetzt gerade DSL legen. Um schneller Informationen und Bildmaterial für unsere PC-Artikel zu besorgen, sind wir auf die neue rasante Verbindung angewiesen. Doch leider ist die maximale Übertragungsgeschwindigkeit nicht die einzige Bremse. Die viel beschworene Pressearbeit im Internet steckt noch in den Kinderschuhen.

Nur keine Hektik...

Frau Junge soll etwa für ein neues Sonderheft Fotos und Datenblätter passend zu allen nur erdenklichen neuen Digitalkameras zusammenstellen. Flugs setzt sie ein Schreiben an alle Firmen auf, die sich mit diesen Geräten beschäftigen, und bittet um postalische Übersendung der Pressetexte und der bereits vorhandenen Produktfotos – am besten auf CD-ROM. Nicht in den nächsten vier Tagen, sondern in den folgenden vier Wochen trudeln vier, fünf Mappen in der gewünschten Form ein. Mehr passiert leider nicht. Frau Junge hängt sich ans Telefon und ruft die verbleibenden zwanzig Firmen an.

Presseabteilungen = schwarze Löcher?

»Leider ist Ihr Schreiben bei uns gar nicht angekommen.« Komisch: 99 Prozent aller verlorenen Briefe der letzten zehn Jahren sind stets in den Presseabteilungen der verschiedenen PC- oder DVD-Firmen verloren gegangen. Ich vermute ein Schwarzes Loch in diesem Bereich. Die Firmen anscheinend auch: Sie wollen keine Informationen mit der Post herausschicken. »Wir haben doch einen Pressebereich im Internet. Hier bekommen Sie Ihre Informationen doch eh viel schneller.«

Wird's bald?

Frau Junge zweifelt?s an, klug geworden aus leidvoller Erfahrungen. Und auch dieses Mal dauert es volle drei Arbeitstage, bis sie die gewünschten Informationen halbwegs beisammen hat. Ich herrsche sie an, dass sich der ganze Auftrag nicht rechnet, wenn wir bereits so viel Zeit mit der Recherche verbringen.

Dann übernehme ich aber die Recherche-Arbeit von einem Mitarbeiter, der im Internet Informationen zu neuen CD- und DVD-Brennern zusammentragen sollte. Nach einem halben Tag im Netz, den ich mehr oder weniger unnütz vertan habe, erkenne auch ich: Das ist ein Sumpf. Die Pressebereiche der Firmen im Netz sind größtenteils ein echter Witz. Das Schlimmste daran ist, dass es so etwas wie eine Norm nicht gibt.

Versuch macht klug

Bei der ersten Firma suche ich auf der Homepage eine geschlagene Viertelstunde nach dem Bereich Presse. Bis Frau Junge mir sagt, ich soll doch einfach mal »\presse« an die URL der Firmen-Homepage anhängen. Tatsächlich lande ich so im gut versteckten Pressebereich. Andere verstecken den Pressebereich im Service-Abteil.

Zum Heulen

Manchmal sammelt ein Unternehmen unter dem Schlagwort Presse nur die Artikel, die bereits in der Presse erschienen sind. Wer aber einen neuen Artikel schreiben möchte, schaut in die Röhre. Wir stellen frustriert fest: 25 Prozent der Unternehmen, die behaupten, im Internet einen Pressebereich zu unterhalten, bieten tatsächlich gar keinen solchen Bereich an. Das festzustellen, wenn man nur noch fünf Minuten Zeit hat, um ein bestimmtes Pressebild zu finden, ist ganz schön witzig. Wir lachen in der Redaktion immer wieder gerne darüber. Und beginnen anschließend zu weinen.

Suche die Suche

Gibt es einen Pressebereich, so heißt das leider noch gar nichts. Oft genug sammelt dieser Bereich dann einfach nur in chronologischer Reihenfolge sämtliche Pressemitteilungen des Unternehmens. Wer sich schnell einen Überblick über alle Brennermodelle der Firma verschaffen möchte, kommt nicht umhin, sich durch Hunderte von Meldungen zu wühlen, in denen es auch um Funkmäuse, neue Flachbildschirme, die verbalen Ergüsse frisch eingewechselter Vorstandsmitglieder und um die Meinung der Verantwortlichen zum Thema Weihnachten 2002 geht. Eine Suchfunktion, um die Recherchen zu beschleunigen? Fehlanzeige. Wenn sich ein Journalist schon auf diese Seiten verirrt, dann kann es sich auch ruhig einen etwas umfassenderen Eindruck machen. Das ist anscheinend die Meinung der Verantwortlichen.

Findet sich doch einmal der passende Text zu einem gesuchten Produkt, so ergeht er sich oft genug in rein lobhudeliger Weise, anstatt Fakten für sich sprechen zu lassen. Wir möchten eigentlich nur wissen, wie schwer und groß die verschiedenen Brenner sind, welche CD-Formate sie unterstützen und was sie kosten. Vergessen Sie?s, das erfahren wir leider nicht. Stattdessen ist jeder Brenner der Schönste, Schnellste und Beste: Superlative, die sich ungeprüft in keinen Artikel übernehmen lassen. Ach ja: Wo sind eigentlich die Produktfotos, die mit in die Artikel zu übernehmen sind? Wieder Fehlanzeige. Mal fehlen sie völlig, mal werden riesengroße 7-Megabyte-Boliden angeboten, die jede Internet-Leitung verstopfen.

Die besten Pressebereich sind weggesperrt

Natürlich gibt es auch das perfekt bestückte Presseforum. Das ist dann meistens das, das mit einer Passwort-Abfrage versehen ist, damit nur akkreditierte Schreiberlinge darauf zugreifen können. Leider ist es an einem Samstagnachmittag völlig unmöglich, jemanden aus der Presseabteilung einer Firma ans Telefon zu bekommen, um sich einen Zugang freischalten zu lassen. Wozu auch? Die veröffentlichten Presseinformationen sind weder geheim noch so besonders originell, dass es unbedingt nötig wäre, sie hinter schwedische Gardinen zu sperren.

Wie sieht das optimale Presseforum aus? Das bietet passend zu jedem Produkt der Firma eine ausführliche Pressemitteilung, ein PDF-Datenblatt zum Herunterladen und verschiedene Fotos in mehreren Auflösungen an. Perfekt: Warum können wir Journalisten diesen Service nicht überall nutzen? Wir dachten jedenfalls bis zu diesem Recherche-Fiasko immer, dass Presseabteilungen nur dafür da wären, die Journalisten zu unterstützen, wenn sie schon einen Anlass haben, Texte über neue Firmenprodukte zu schreiben. Wir sind uns in der Redaktion leider sicher, dass diese Service-Wüste im Internet nicht nur die Presseforen und uns Presseleute betrifft.

Carsten Scheibe

Themen in diesem Artikel
Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.