Scheibes Kolumne Bitte nicht raubkopieren!


Die Autoren des Pabel-Verlags schicken jede Woche "unseren Mann im All" ins Rennen. In der Science-Fiction-Heftromanserie "Perry Rhodan" bekommt es der Terraner immer wieder mit garstigen Superintelligenzen, blutigen Weltraumkriegen und neuen außerirdischen Völkern zu tun. Die irdischen Probleme lassen sich aber leider nicht mit Zellaktivator und Laserkanone lösen: Die Raubkopierer kommen.

Die Autoren des Pabel-Verlags schicken jede Woche "unseren Mann im All" ins Rennen. In der Science-Fiction-Heftromanserie "Perry Rhodan" bekommt es der Terraner immer wieder mit garstigen Superintelligenzen, blutigen Weltraumkriegen und neuen außerirdischen Völkern zu tun. Die irdischen Probleme lassen sich aber leider nicht mit Zellaktivator und Laserkanone lösen: Die Raubkopierer kommen.

Seit mehreren Jahrzehnten können sich die Science-Fiction-Freunde bereits einer Sache sicher sein: Einmal in der Woche finden sie ein neues Heft der Serie "Perry Rhodan" am Kiosk vor. Für einen Euro und ein paar zerquetschte Cents startet der irdische Held an Bord eines Raumschiffs durch den Kosmos, um auf die eine oder andere Weise für den transgalaktischen Frieden zu sorgen. Die Rhodan-Erfinder Clark Darlton und Karl-Herbert Scheer haben anno dazumal weit in die Zukunft geschaut und sie auf so spannende Art und Weise beschrieben, dass auch heute noch viele tausend Fans zum Kiosk eilen, um sich die Fortsetzung zu besorgen. Neben den Autoren und den Lektoren finden auch viele Zeichner ihr täglich Brot bei der Arbeit für das inzwischen auf 2.200 Bände angewachsene Sternen-Epos.

Das Problem des Perry-Rhodan-Teams ist es nicht, neue Abenteuer von Perry Rhodan, Atlan und Gucky in der Zukunft zu erfinden. Sie zwickt also kein kreatives Problem, sondern vielmehr eins, das in der aktuellen Gegenwart begründet liegt. Es scheint so, als würden die Fans der Serie ihren Enthusiasmus für den Terraner und seine Abenteuer etwas zu weit treiben. Klaus N. Frick aus der Rhodan-Zentrale: "Wir wissen seit geraumer Zeit, dass es ein Projekt von Unbekannten gibt, alle Titel des Perryversums einzuscannen".

Schon jetzt kursieren unzählige gescannte Perry-Rhodan- und Atlan-Hefte in den gängigen Tauschbörsen. Zig hundert Romane lassen sich bereits per Mausklick aus dem Internet ziehen - natürlich ebenso kostenfrei wie illegal. Der Horror der Verantwortlichen ist, dass sich dieses Raubkopieren eher morgen als übermorgen zur reibungslos ablaufenden Maschinerie einspielt. Natürlich ist es schlimm, wenn uralte Romane eingescannt werden, schließlich möchten die Leute vom Verlag auch noch die Neuauflagen der Oldtimer in Heft- und Buchform verkaufen. Preisbewusste Sammler können diese Ausgaben aber auch auf dem Flohmarkt einkaufen oder bei eBay erstehen - zum absoluten Schnäppchenpreis. Schlimmer wäre es, wenn die Raubkopierer so schnell werden würden, dass jedes neue Heft gleich nach Erscheinen auch in der Tauschbörse bereitstehen würde. Denn dann würde das ganze Tages- bzw. Wochengeschäft zusammenbrechen. Zumal es "Perry Rhodan" seit geraumer Zeit auch ganz legal als eBook zu kaufen gibt.

Die Rhodianer sind natürlich ganz dem Friedensgedanken ihres Helden verhaftet. Und so verzichten sie vorerst auf Klagen, Abmahnungen und eine Hatz auf die eigenen Fans. Stattdessen haben alle Beteiligten ein gemeinsames Schreiben an die Herren und Damen Raubkopierer aufgesetzt, das prompt auch in die Tauschbörsen gestellt wurde. Die Autoren hoffen, dass sich die Leute, die über die Tauschbörsen illegal kopierte Rhodan-Hefte austauschen, von dem Brief überzeugen lassen, die Hefte doch lieber zu kaufen. Sicherlich wird der Brief nur bei den Fans Zustimmung auslösen, die alle ihre Romane eh schon legal am Kiosk erwerben. Trotzdem ist es eine anrührende Geste vom Verlag, es doch zumindest einmal auf diese Weise zu versuchen. Die Plattenbranche könnte sich von dieser Denkweise durchaus einmal die eine oder andere Scheibe abschneiden.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, www.typemania.de


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