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Scheibes Kolumne: Computer in Hollywood

Der Computer ist allgegenwärtig. Das gilt auch für Hollywood-Filme, in denen PCs als Dekoration zum Einsatz kommen. Die Drehbuchautoren machen dabei seit Jahrzehnten dieselben Fehler.

Der Computer ist allgegenwärtig. Das gilt auch für die modernen Hollywood-Filme, in denen die PCs als Dekoration zum Einsatz kommen. Die Drehbuchautoren haben zum Glück auch ohne intime Kenntnisse der Materie kein Problem damit, die PCs in ihre Filme zu integrieren. Anscheinend gibt es da eine geheime Klischee-Bibel, die genau vorschreibt, wie ein PC im Film zu funktionieren hat.

Sobald sich der Held eines Films an einen Computer setzt, kann er sofort mit dem Schreiben beginnen. Der Rechner muss zum Glück gar nicht erst hochgefahren werden, sondern ist sofort aktiv. Die Textverarbeitung ist dabei so eingestellt, dass jeder eingetippte Buchstabe gleich in mehreren Zentimeter Größe auf dem Schirm erscheint. Auf diese Weise kann der Anwender alle Eingaben sofort mitlesen. Blinkende Eingabecursor gibt es in der Filmwelt übrigens nicht. Dafür scheinen alle Rechner mit völlig einem unbekannten Betriebssystem zu arbeiten. Die bunte Welt der Windows-Fenster ist in Hollywood jedenfalls nicht zu sehen.

Neues Betriebssystem? Gut so. Denn es ist anscheinend so einfach konzipiert, dass der Held es sofort bedienen kann. Auch wenn der Rechner bei der NASA oder im unterirdischen Bunker des nach der Weltherrschaft greifenden Bösewichts steht. Gibt es kein grafisches Betriebssystem, steht eine Art Ur-DOS zur Verfügung. Das nimmt aber gerne konkrete Anweisungen entgegen wie „Drucke Text aus“ oder „Zeige geheime Dateien“. Selbst bei einem Alien-Raumschiff reicht es aus, „Lade Virus hoch“ zu tippen, um das ganze System zum Absturz zu bringen.

Die Rechner sind natürlich auch nie geschützt, um den Zugriff Unbefugter abzuwehren. Gilt es trotz dieser Regel einmal, ein Passwort einzugeben, versagt unser Held sofort. Zum Glück steht aber sofort ein neunjähriger Hacker bereit, der nur drei Versuche benötigt, um das Passwort zu knacken. Ach ja: Alle Rechner sind untereinander vernetzt und über das Internet angreifbar. Auch die PCs, die gerade ausgeschaltet sind. Und sogar die, die gar nicht mit der Telefonbuchse verkabelt sind.

So mancher PC überlebt den Film nicht. Dabei treten in Hollywood Phänomene auf, die kein Service-Techniker je bestaunen durfte. Denn kommt es zum Showdown im Computerraum, explodieren erst die Tastaturen, bevor die Monitorfrontscheiben zerplatzen. Dabei implodieren Röhrenmonitore doch ebenso wie Fernseher, oder?

Carsten Scheibe
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