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Scheibes Kolumne: Der Dämonenkiller im PC-Zeitalter

stern.de-Kolumnist Scheibe staunt: Die Helden seiner Kindheit sind alle wieder da. Der Hulk, der Dämonenkiller und auch Linus mit der Schmusedecke haben den Übergang ins digitale Zeitalter scheinbar bestens gemeistert. Da ist es an der Zeit für ein elektronisches Hurra.

Vor über 30 Jahren haben meine Freunde auf dem Schulhof alle die Micky Maus gelesen. Ich war da schon immer anders. Meine Favoriten aus dem Comic-Kosmos kamen aus dem Marvel-Universum. Ich verschlang lieber die Abenteuer von Spider-Man, den Rächern und dem Unglaublichen Hulk. Damals erschienen die deutschen Übersetzungen noch im Berliner Condor-Verlag - für eine Mark zwanzig den Comic. Ich habe die komplette "Die Spinne"-Sammlung mit 259 Heften im Schrank zu stehen.

Doch Spider-Man hatte mir zu viele Probleme, die Rächer diskutierten mir zu viel. Ich liebte stattdessen den großen, grantigen Hulk, der auch einmal mit der Faust auf den Boden hämmerte, wenn ihm die "kleinen lästigen Menschen" mal wieder zu lästig wurden. Als viel zu dünner Spargeltarzan hätte ich als Kind nur allzu gern ein paar grüne Muskeln gehabt, um mir mit einem einzigen Muskelzucken ordentlich Respekt auf dem Schulhof zu verschaffen.

Wohlgemerkt: Damals sahen die Comics noch aus wie Ausmalbilder, deren Flächen mit simplen Rasterfolien schlecht eingefärbt wurden - lange bevor Eric Larsen, Todd McFarlane und die anderen Berühmtheiten der modernen Comickunst die Art, Comics zu zeichnen, vollständig auf den Kopf gestellt haben.

Ich sammle die Spider-Man- und Hulk-Comics noch immer. Im digitalen Zeitalter bestelle ich sie aber inzwischen per E-Mail bei einem Großhändler in Bangor, USA, der sie mir 4-mal im Jahr in einer großen Kiste nach Hause schickt. Natürlich im englischen Original, so macht das Lesen doch viel mehr Spaß.

Und jetzt ist mein alter Held auch im Kino (www.hulk-derfilm.de) wieder präsent. Ed Norton spielt den Hulk in der Marvel-Neuverfilmung sehr gelungen - zumindest in seiner menschlichen Form. Die modernen Special-Effects aus dem Computer erlauben es, das grüne Monster genau so auf der Kinoleinwand auferstehen zu lassen, wie wir uns das als Kinder in unseren grimmigsten Alpträumen vorgestellt haben. Anscheinend hat man dann aber im deutschen Kinoverleih beschlossen, sich mit dem Film an die 12-Jährigen von heute zu wenden - und nicht an die älter gewordenen von früher. Um eine entsprechende Altersfreigabe zu erreichen, wurden ein paar Minuten Film weggeschnitten. Ich war bei der Premiere: So einen Betrug am Kunden habe ich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Sobald der Hulk kämpft, gibt es fast sofort einen harten, ungekonnten Schnitt und der Kampf ist urplötzlich vorbei. Das ganze Kino buht, am Ende wird der Geschäftsführer verlangt, die Leute möchten ihr Geld zurückhaben.

Da möchte man den Hulk kämpfen sehen und die ganzen Kampfszenen fallen noch im Kino der Schere zum Opfer. Unfassbar. So wird der Hulk im neuen Jahrtausend keinen grünen Fuß in die Tür bekommen.

Der Dämonenkiller wird erst im neuen Jahrtausend zum Kult

Der Dämonenkiller hat auch eine bewegte Vergangenheit - er war in den Siebzigern aktiv. Neal Davenport und Ernst Vlcek waren seine Erfinder. Die beiden Wiener haben sich die Figur des Dorian Hunter ursprünglich für die Vampir Horror Serie des Pabel Verlags ausgedacht. Hier kam sie so gut an, dass sie schon bald eine eigene Serie bekam. Wohlgemerkt, wir reden hier über Heftromane, die jede Woche oder spätestens alle zwei Wochen mit einer neuen Ausgabe erscheinen. Die kennt jeder von der Oma, die doch so gerne Arztromane schmökert. Da geht immer alles gut aus am Ende.

Beim Dämonenkiller war das anders, ganz anders. Dorian Hunter war ein schnauzbärtiger und übellauniger Engländer, der auf die unschöne Art herausfindet, dass alle seine Brüder Dämonen sind - Ausgeburten des Teufels. Mit grimmiger Wut macht der Dämonenkiller daraufhin Jagd auf die Teuflischen und nimmt dabei keinerlei Rücksicht auf Gesetze, Moral und Fairness. Ich liebte diese harten Schocker als Teenager ganz ungemein. Lange Ferienfahrten im Auto nach Spanien verbrachte ich lesend auf der Rückbank, während Dorian mit den Janusköpfen kämpfte, mit einem lebendig gewordenen Tattoo zurechtkommen musste und weder Freund noch Frau schonte, um an sein Ziel zu gelangen.

Auf den 66 Seiten des auf grauem Papier in A5 gedruckten Heftes ging es am Ende so heftig zur Sache, dass die Serie schließlich von der Bundesprüfstelle indiziert (hier der damalige Antrag:www.zaubermond.de) wurde - zu gewalt- und sexverherrlichend, nix für Kinder. Damit strandete der Dämonenkiller Ende der Siebziger und wir angefixten Leseratten waren gezwungen, zu anderen Horrorserien wie "Macabros" oder "Professor Zamorra" zu wechseln. Nur nicht "John Sinclair" - das war und ist einfach zu brav und artig.

Nun ist der Dämonenkiller wieder da, denn wie sagte schon H.P. Lovecraft: "Das ist nicht tot, was ewig liegt, bis dass die Zeit den Tod besiegt." Der ambitionierte Zaubermond-Verlag hat sich der Sache angenommen und produziert erfolgreich und schon seit Jahren eine ungekürzte Neuauflage der alten Heftromane im edlen Hardcover - wobei immer vier bis fünf abgeschlossene Romane zu einem Hardcover gebündelt werden. 33 Bände sind bereits erschienen, weitere sind in Vorbereitung. Zugleich haben die Autoren die Handlung einfach weitergeschrieben, sodass die Geschichte noch ein würdiges Ende finden kann.

Und? Ist der Dämonenkiller damit im neuen Jahrtausend angekommen? Und wie: Die edel aufgemachten Bücher werden komplett über das Internet verkauft, es gibt fast den gesamten ersten Roman als kostenlose PDF-Leseprobe (www.zaubermond.de) im Netz und demnächst startet Dorian Hunter eine neue Karriere als Hörspielheld: Seine Abenteuer werden gerade unter Beteiligung vieler populärer Sprecher wie Martin Semmelrogge und Patrick Bach sowie den deutschen Stimmen von Angelina Jolie, Gary Oldman und Michael Caine vertont, die Titelmusik schreibt Joachim Witt. Eine erste Hörprobe gibt es auch schon (www.zaubermond.de). Klarer Fall: Wer den ultimativen Horror nicht lesen kann, muss ihn eben hören. Dorian Hunter als Hörspiel, das ist der moderne Traum aller alten Fans.

Die Peanuts verlassen die Stadtbibliothek

Ich konnte kaum lesen, da entdeckte ich in der Stadtbücherei die Peanuts. Da gab es so kleine, quadratische Bücher, die jeweils ein paar dutzend Comicstrips von Charles M. Schulz sammelten. Und sofort war ich süchtig nach den Abenteuern von Lucy, Charly Brown, Schroeder, Woodstock, Sally und Peppermind Patty. Am besten fand ich immer, dass der arme Linus im Kürbisfeld die Nacht verdöste - in der Hoffnung, dass ihm der Große Kürbis erscheinen würde. Und Snoopy, der auf seiner Hundehütte vor einer Schreibmaschine an großer Literatur arbeitet: "In einer stürmischen Nacht…" Herrlich.

Die Peanuts haben mich nie verlassen, ich habe noch 30 Bände aus dem Krüger Verlag und sammle gerade die amerikanische Komplettausgabe im Hardcover. Faszinierend finde ich, wie sich der subtile und sehr schräge Humor der Peanuts mit den Jahren entwickelt wie ein guter Wein. Lese ich die Cartoons heute als Erwachsener, so geben sie mir noch deutlich mehr wie als Kind, weil ich sie auf vielen verschiedenen Ebenen lesen und interpretieren kann.

Aber trotz aller Faszination: Die Peanuts haben es leider nicht ins digitale Zeitalter geschafft. Charles M. Schulz ist tot und hat verfügt, dass seine Figuren von keinem anderen Zeichner verwendet werden dürfen. Es gibt keine neuen Cartoons, keine Zeichentrickfilme, keine Kinoepen in 3D. Nur die alten Strips laufen online in einer Endlosschlaufe: www.peanuts.com. Das ist traurig, aber so ist es nun einmal leider: Good Bye, Charlie Brown.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, www.typemania.de

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.