HOME

Scheibes Kolumne: Ein Freund ist tot

stern.de-Kolumnist Carsten Scheibe ist erschüttert: Ein Freund und Kollege ist tot. Die Nachricht verbreitet sich blitzschnell über das Internet. Die ersten Nachrufe erscheinen nur Minuten später auf Homepages, die über Google aufgespürt werden. So verändert sich auch das Sterben in Zeiten von Web 2.0.

Früher gab es diese gefürchteten weißen Briefumschläge mit dem schwarzen Rand im Briefkasten. Da wusste man bereits auf den ersten Blick, dass jemand aus der Bekannt- oder Verwandtschaft gestorben ist. Heute ist der postalische Brief viel zu langsam. Gestorben wird über das Internet.

Mich hat es heute Morgen erwischt. Ich rufe gleich nach dem Arbeitsbeginn ein gutes Dutzend Nachrichtenseiten auf, um mich per Mausklick zu informieren. Auf den Phantastik-News schockierte mich dann ohne Vorbereitung die Nachricht "Gestorben: Werner Kurt Giesa (1954-2008)". Hätte ich nicht schon gesessen, ich hätte mich setzen müssen. Bislang bin ich von Todesfällen in meinem direkten Umfeld sehr verschont geblieben, jetzt kam der Einschlag doch sehr nahe.

Ich erinnere mich: Als ich vor über 25 Jahren in der achten oder neunten Klasse war, fing ich mit dem Schreiben an. Ich verfasste eigene Gruselgeschichten, veröffentlichte kopierte Fanmagazine mit Namen wie "Phönix" oder "Nachtschatten" und las für mein Leben gern Heftchenromane wie "Professor Zamorra", die "Terranauten" und "Butler Parker". Meine Mutter hielt das für kompletten Schund, aber ich baute mir sogar extra Holzschränkchen, um die labberigen Hefte so verstauen zu können, dass sie keine Knicke bekamen.

In dieser Zeit schrieb ich an Werner Kurt Giesa, der damals als Hauptautor für die Zamorra-Gruselserie verantwortlich war. Giesa war ein echter Fan, ein Vollblut-Kreativer und ein verrückter Kauz, der schrille Western-Klamotten samt Hut trug und sich nicht scheute, in eine klassische Gruselserie nicht nur Science-Fiction-Raumschiffe und packende Fantasy-Welten einzuschleusen, sondern auch jede Menge nackter Frauen. Eingeweihte mussten nicht darauf spekulieren, wann Giesas Frauenfiguren im Roman die letzten Hüllen ablegten. Sie waren meist von Beginn an nackt. Das war in der eigenen Pubertät sehr inspirierend.

Giesa hat damals auf meine Leserbriefe geantwortet. Wir haben sehr ausführliche Briefe ausgetauscht, und er hat mich in vielen Belangen unterstützt, was meine eigene Arbeit und Entwicklung anbelangte. Einmal war er nur kurz sauer, weil ich ihn "Kurtchen" genannt habe. Ansonsten war es immer inspirierend und auch eine Ehre, mit Giesa Kontakt zu haben, ja auch befreundet zu sein. An jedem Kiosk verkündete ich stolz mit Blick auf die neuen Zamorra-Romane: Den Autor da, den kenne ich.

Es ist für mich der einzige Fall, dass eine Brieffreundschaft über 25 Jahre und länger gehalten hat. Ich habe Giesa für verschiedene Zeitschriften interviewt, wenn ich Artikel über das Thema Heftromane verkaufen konnte, und er hat mir angeboten, selbst einen Zamorra zu schreiben - was ich dann aus Zeitmangel leider nach der Hälfte abgebrochen habe. Die Unterlassungssünde meines Lebens! Bei unseren Telefonaten erzählte er, dass er beide Eltern lange pflegen musste, bevor sie vom Tod erlöst wurden. Als dann auch noch seine über alles geliebte Frau Heike (selbst vorher ein Fan) viel zu jung im Januar 2005 starb und Werner selbst unheilbar erkrankte, war es ein Segen, dass viele seiner langjährigen Weggefährten antraten, um ihm beim Zamorra-Schreiben unter die Arme zu greifen. Es waren einfach der Schicksalsschläge zu viele. Er, der seit 1977 über 800 Veröffentlichungen größtenteils im Heftsektor (etwa "Dämonenkiller", "Mythor") gestemmt hatte, schaffte es nicht mehr, zwei neue Hefte im Monat selbst zu verfassen.

Die Fans trauern auf ihre Weise

Nun ist er nicht mehr da. Gestorben mit 53 - das ist ja kein Alter mehr. Ich habe heute viel telefoniert, um mehr zu erfahren. Anscheinend wurde er, der keine Kinder und weiteren Verwandten hat, tot in seiner Wohnung aufgefunden. Seine Fans, die längst im Web aktiv sind, trauern auf ihre Weise. Das Internet erhält heute einen schwarzen Rand und wird zur digitalen Traueranzeige, die sich in Form von Blogs und Nachrichten ausdrückt. Ich empfinde es fast schon als ungebührlich, dass ich Google alle paar Minuten mit der Suchanfrage "Giesa + tot" füttere, um mehr zu erfahren. Aber nur so finde ich die neuesten Nachrufe, die fast minutenweise im Web aufpoppen. Nicole Rensmann sammelt Statements der Weggefährten, Co-Autor Dirk van den Boom ist bereits online, und auch der Schriftsteller Martin Kay würdigt seinen Kollegen - ebenso wie Oliver Naujoks. Sogar die freundschaftlich verbundene Konkurrenz aus dem Perry-Rhodan-Kosmos reagiert schnell: http://www.perry-rhodan.net/aktuell/news/2008021502.html.

So, wie die Todesnachricht über das Web in die Welt getragen wird, nutze auch ich das Internet, um Lebewohl zu sagen: Lieber Werner, nie habe ich jemanden getroffen, dessen Fantasie solche Kapriolen schlägt wie deine, der so sehr auf Konventionen pfeift und sein eigenes Ding durchzieht und der sich so freundlich und freundschaftlich um seine Fans und Freunde kümmert. Ich hoffe, du saust im Meegh-Spider über das Chateau Montagne und probierst mit Merlins Stern in der Hand dem Sensenmann doch noch ein Schnippchen zu schlagen. Wir werden dich alle vermissen ...

Carsten Scheibe, Typemania

Themen in diesem Artikel
Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.