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Scheibes Kolumne: Mein erstes iPhone

stern.de-Kolumnist kann nicht länger widerstehen: Er MUSS ein iPhone haben. Wie ein kleines Kind freut er sich auf das Gadget Nummer 1 dieser Tage. Selbst die Apps hat er sich schon vor dem Eintreffen des Kann-alles-Handys heruntergeladen. Doch dann versucht er die neue Apple-Software zu installieren. Autsch.

Der große IT-Journalist Dieter Grönling aus Berlin hat einmal gesagt: "Ich habe aufgehört, an das Gute in der Maschine zu glauben." Ich konnte das viele Jahre lang nicht verstehen, denn Computer waren doch so aufregend, neu und einfach nur geil. Ich habe hunderte von Artikeln über PC-Themen geschrieben und mich immer wieder mit Feuereifer in die Recherche geworfen. Bis es auch bei mir soweit war: Auf einmal war der PC nur noch ein langweiliges Stück Blech, das ich nach Feierabend nur allzu gern gegen ein spannendes Buch oder ein Abenteuer mit den Freunden eintauschte. Die Faszination war einfach weg, das Gute in der Maschine erloschen.

Die Nintendo Wii und der Nintendo DSi brachten so etwas wie ein leichtes Kribbeln in der Magengrube zurück. Aber dieses hemmungslose Schwärmen, die uneingeschränkte Begeisterung für etwas Neues, die kam einfach nicht mehr auf. Bis ich bei Kumpel Ingo das iPhone entdeckte. Das "kleine Schwarze" sah super aus, lag perfekt in der Hand und hatte technisch einiges drauf. Allerdings telefoniere ich nicht gern, weswegen mich Telefonie-Features einfach nicht reizen. Das seinerzeit aus den USA mitgebrachte iPhone war für mich einfach noch nicht interessant.

Das Kribbeln und Krabbeln kam erst auf, als ich von den "Apps" hörte. Da gab es doch tatsächlich die tollsten Programme, die ich auch für unterwegs gern "haben" wollte. Dabei ging es mir gar nicht unbedingt um Spiele. Eine App, um meinen eigenen Kontostand von unterwegs aus abzurufen? Muss ich haben! Eine App, um mein neues Golf-Handicap schon aus dem Intranet des Golfverbands auszulesen, noch bevor die Ergebnisse eines Turniers offiziell verkündet werden? Wahnsinn. Das Fernsehprogramm, der Preisvergleich, die Porto-Übersicht für unterwegs - einfach nur toll. Ich staunte darüber, wie viele Apps es gibt und dass auch hochwertige Programme nicht wie am PC gleich 20 Euro, sondern nur ein bis drei Euro kosten. Richtig angefixt war ich dann, als ich hörte, dass eine Geocaching-Lösung für das iPhone veröffentlicht wurde. Überall in der Welt sind kleine Schätze versteckt, die man mit dieser App und dem GPS-Modul des iPhones leicht finden kann. Das verspricht ein Abenteuer zu werden.

Der Blick unter die Motorhaube ist überflüssig geworden

Als dann auch noch meine Studentenaushilfe mit einem neuen iPhone ankam, war mir klar: Das muss ich jetzt endlich auch haben. Lang habe ich nach einem iPhone ohne Vertrag gesucht. Das gibt es ja durchaus. Aber das neue iPhone 3G S mit 32 GB Speicher kostet ohne Vertrag immerhin knapp einen Tausender. Meine studentische Hilfskraft meinte dann auch, dass der offizielle Vertrag immerhin den Vorteil bietet, dass man an den meisten Orten gut ins Internet kommt. Schon fast psychisch angetrunken vor Aufregung surfte ich in den T-Mobile-Shop und bestellte das neue S-Modell zusammen mit einem Tarif, der noch bezahlbar ist, aber eine Internet-Flat bietet.

Besuchen Sie die Ifa?

Der Schock: Fünf bis sechs Wochen sollte ich auf mein iPhone warten. Die Überraschung: Es kam schon heute nach einer nur kurzen Wartefrist. Mit zittrigen Händen frickelte ich mein erstes iPhone aus der Schachtel. Ärgerlich nur: Eine Schnellanleitung fehlt in der Kiste. So musste ich erst im Web suchen (www.c-kn.de), um herauszufinden, wo und wie denn eigentlich die Sim-Karte in das iPhone geschoben wird. Ganz oben gibt es einen versenkten Schieber, der die Karte aufnimmt. Um ihn herausspringen zu lassen, muss man aber beherzt mit einer Nadel in ein kleines Loch pieksen. Wer macht das schon ohne genaue Anleitung? Gut, dass es das Internet und in diesem Fall ein lehrreiches Video gibt.

Ich schließe das iPhone an meinen PC an und sofort springt das frisch installierte iTunes an. Hier warten schon zwei Dutzend handverlesene Apps darauf, auf das iPhone transferiert zu werden. Und meine Outlook-Daten soll das Gerät auch gleich übernehmen! Endlich mal Termine auf dem Handy: Darauf freue ich mich schon lange, vorher hat das nie so richtig geklappt. Die Synchronisierung startet und kurz darauf sind die Apps schon auf dem iPhone. Das geht ja fix. Ich spiele ein wenig mit den Apps herum, als auf dem PC-Bildschirm die Frage aufpoppt, ob ich denn wohl die neue iPhone-Software 3.1 installieren möchte. Klar doch. Das klicke ich auch noch an.

Es dauert nicht lang, und auf dem Bildschirm kommt eine Fehlermeldung. Das neue System konnte nicht eingerichtet werden. Egal, dann eben nicht. Die Apps funktionieren ja auch mit der alten Version. Denkste. Kaum schaue ich auf das iPhone-Display, da sehe ich hier nicht mehr den bunten Startbildschirm, sondern die Aufforderung, das Gerät wieder an den PC anzuschließen. Als ich das tue, wird mir prompt gemeldet, dass mein iPhone nun im "Wartungszustand" ist. Ich könne aber die "Wiederherstellung" nutzen, um den originalen Zustand wiederherzustellen. Das versuche ich gleich einmal, noch kann ja nicht viel kaputt gehen. Falsch gedacht. Auch die Wiederherstellung bricht am Ende mit einer Fehlermeldung ab. Und das noch mal, und wieder und immer wieder. Irks. Panik macht sich breit.

Dem Herzinfarkt nah und völlig frustriert sehe ich mich schon das Gerät einsenden, um dann Wochen auf die Reparatur zu warten. Ich rufe meinen Pressekontakt bei Apple an und schildere ihm mein Problem. Der hat so etwas noch nie gehört, die neue Apple-Version 3.1 soll auf den neuen S-Modellen doch nun gar keinen Ärger machen. Ob vielleicht die 3.1-Software nicht vollständig aus dem Web übertragen wurde? Ich wechsle also zu einem anderen Rechner, installiere die neue iTunes-Software und tatsächlich - auf einmal flutscht die Wiederherstellung ohne Probleme durch. Am Ende ist mein iPhone wieder ganz jungfräulich. Schnell führe ich am richtigen Rechner eine Synchronisation durch. Schon sind meine Apps auf dem iPhone.

Jetzt muss ich noch die Outlook-Daten rüberholen, die einzelnen Apps ausprobieren und konfigurieren und überhaupt das iPhone einmal besser kennen lernen. Darauf freue ich mich wie schon lange nicht mehr. Endlich macht das Computern einmal wieder richtig Spaß.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania