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Scheibes Kolumne: PC-Träumereien

Selten darf stern.de-Mitarbeiter Scheibe einmal den Redaktionskeller im eigenen Haus verlassen. Tritt er dann aber hinaus in die Welt, kehrt er mit verstörenden Gedanken zurück nach Hause. Dieses Mal ging es bei einem Berlin-Termin um die Zukunft des Computers.

Es hat so seine Vorteile, wenn man im eigenen Haus arbeitet. Der diskutierte Wegfall der Pendlerpauschale interessiert einen überhaupt nicht, wenn sich der eigene Arbeitsweg auf die Treppe vom Dach in den Keller reduziert. Allerdings birgt das Kellerkinddasein auch Gefahren. Man kommt nicht mehr so sehr unter Leute.

Heute musste ich doch einmal das Haus verlassen, um in Berlin einen Geschäftstermin wahrzunehmen. Natürlich muss dieser Termin auf den ersten Tag im Jahr fallen, an dem es in ganz Brandenburg und Berlin schneit. Die Rutschpartie auf den noch immer am Auto befestigten Sommerreifen fand zum Glück kein vorschnelles Ende an einem Straßenbaum. Stattdessen blieb mir dank des langsamen Fahrtempos mehr Zeit für die ausgiebige Beobachtung meiner Mitmenschen. Dabei fand ich heraus, dass die jungen Frauen weiterhin bauchnabelfrei unterwegs sind. Um sich keine Nierenvereisung zuzulegen, tragen sie deswegen einen Schal nicht mehr um den Hals, sondern stattdessen um die Bauchmitte gewickelt. Kurios.

Kuriose Parkregelungen

In Berlin gibt es nur noch Parkplätze gegen Cash. Klar, dass ich direkt vor dem Firmengebäude meines Treffpunktes einen freien Parkplatz fand. Dumm nur, dass der Parkscheinautomat keine Scheine akzeptierte und stattdessen nach Kleingeld brüllte. Die läppischen 40 Cents, die ich noch in den Taschen fand, akzeptierte er nicht: Mindesteinlage 50 Cents. So ließ ich das mit dem Parkschein sein. Gut so, hieß es in der Firma. Parken völlig ohne Parkschein kostet 5 Euro Strafe, Parken mit abgelaufenen Parkschein hingegen bereits 10 Euro. In der Firma würde in der Tat niemand mehr einen Parkschein lösen, da das Strafticket zu 5 Euro eh billiger wäre als der reguläre Tagessatz von 8 Euro. Sachen gibt es. Jetzt bin ich erst eine Stunde aus dem Haus und habe schon zwei Mal gestaunt.

Nix Neues auf dem Markt

Vor Ort ist das Geschäft schnell besprochen. Das liebe ich so an meinem Job, dass sich Abmachungen so schnell und ohne vielfache Meetings treffen lassen. So bleibt Zeit für ein bisschen Branchen-Palaver. Schnell kommen wir dahin, dass es im PC-Markt wenig wirklich Neues gibt. Klar, die Leute hätten gerne alle einen Flachbildschirm, damit sie das Röhrenungetüm auf dem Schreibtisch endlich ausmerzen können. Viele Anwender tauschen derzeit auch ihren Desktop-PC gegen einen Platz sparenden Notebook aus. Der kann dann im privaten Bereich einfach nach dem Essen auf den Wohnzimmertisch gestellt werden.

Nach dem Termin sitze ich im Auto fest. Ein Paketbote parkt mit seinem Lieferwagen direkt hinter meinem Parkhafen. So muss ich warten, bis er endlich wieder auftaucht und verschwindet. Ich warte eine Viertelstunde - wahrscheinlich ist er auf eine Grüne Witwe gestoßen, die mehr als nur ein OTTO-Paket haben wollte. Zur Untätigkeit verdammt sitze ich in meinem Auto, höre Radio, friere und denke nach, was man denn am PC noch so alles machen könnte, um seine Wertigkeit und so auch seinen Nutzen zu erhöhen.

Blut für den USB-Port

Bei meinen Gedankenspielen komme ich vor allem bei der Diagnostik weiter. Wünschenswert fände ich etwa die Option, über eine USB-Schnittstelle einen kleinen Messfinger anzuschließen. Der könnte dann etwa einmal in der Woche einen Tropfen Blut von mir bekommen, auf dass er mir nach ein bisschen Rödeln in den Arbeitspausen meine Cholesterin- und Eisen-Werte nennt. Die erfassten Daten ließen sich von einem Programm sogar noch optisch auftragen, sodass ich wunderbar ablesen kann, wie mein Cholesterinspiegel um die Weihnachtsfeiertage steigt und nach Silvester wieder sinkt. Mit der passenden Diagnostik dahinter könnte der Computer auch alle anderen Werte errechnen, die ansonsten das Arztlabor erhebt. Passend zu jedem Wert würde das Programm dann eine ausführliche Auswertung und Information anbieten - eben genau das, was der Arzt aus zeitlichen Gründen nicht leisten kann.

Toll fände ich auch einen Messfinger für Bakterien und Gifte. Bei uns zu Hause ist das aufgedruckte Mindesthaltbarkeitsdatum auf Nahrungsmitteln so etwas wie Gottes in Stein gemeißeltes Wort. Von dem aufgedruckten Datum wird am besten noch einmal eine Woche abgezogen. Ist erst einmal das Verfallsdatum erreicht, wandert alles in den Müll. Hier wünschte ich mir einen an den PC angeschlossenen Sensor, der sich in Milch, Joghurts und Fleischwaren pieksen lässt und dann sofort nach übermäßiger Milchsäure oder nach Fäulnisstoffwechselprodukten fahndet. Meldet der PC "noch frisch", dann kommt das Fleisch in die Pfanne und die Wurst aufs Brot. Und niemand braucht Angst vor Bauchschmerzen zu haben.

Der PC als Videorekorder

Der Computer selbst lässt sich ja bereits über eine TV-Karte oder einen DVB-T-Receiver in einen waschechten Fernseher verwandeln. Ich nutze das sehr gerne beim Arbeiten und schaue vor allem in den Abendstunden oben links im Fenster fern - am liebsten Stefan Raab, weil da das Hinhören reicht, ich muss nicht ständig auch noch hinschauen. Warum kann man das nicht noch perfektionieren? Ein paar zusätzliche Tasten am Monitor wären nicht schlecht - zum schnellen Umschalten, zum Aufnehmen auf die Festplatte oder zur Regulierung der Lautstärke. Oder noch besser: Die universelle Fernbedienung für den Computer muss her.

Monitore als Fensterschmuck

Bei uns zu Hause gibt es leider in jedem Jahr Stress um die Dekoration der guten Stube. Denn kaum ist Halloween vorbei, da naht auch schon Weihnachten, und Ostern ist dann auch nicht mehr fern. Dann muss ich Dutzende selbst gemachter oder gekaufter Deko-Stücke aus dem engen Getränkekeller herauszerren, von Spinnen befreien und aufhängen. Vor allem das Anbringen der Lichterketten zu Weihnachten finde ich furchtbar. Ich schaue mir das ja gerne an, wenn alles fertig ist. Nur der Prozess des Schmückens selbst, der macht mich so überhaupt nicht an. Wie wäre es denn stattdessen mit transparenten Plasmaschirmen, die ins Fenster gehängt werden und die rechnergesteuert Halloween-Hexen, Weihnachtsmänner und Lichterketten oder eben pixelige Osterhasen und Hennen zeigen? Und das in voller Leuchtkraft. Da würden viele Männer auf einmal sicherlich ganz gerne die Dekoration übernehmen. Die passenden Plug-ins gäbe es dann im Internet zu kaufen.

Ich könnte wohl noch endlos in der Kälte schnatternd weitergrübeln. Doch inzwischen ist der Paketbote wieder da und versetzt sein Auto um drei oder vier Meter. So kann ich mit meinem Auto aus der Parklücke herausfahren und den langen Weg nach Hause antreten.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania