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SCHEIBES KOLUMNE: Quäkende Handys

Manche Dinge erwecken auf geheimnisvolle Weise die bedingungslose Zuneigung ihrer Besitzer. Wie etwa einst der Opel Manta. Doch zum Glück gibt es ja ein neues Statussymbol der Twen-Generation: das Handy. Mit Klingeltönen und Betreiberlogos lässt es sich zum Prestigeobjekt aufmotzen.

Es gibt immer wieder Dinge, die erwecken auf geheimnisvolle Weise die bedingungslose Zuneigung ihrer Besitzer. Wie etwa der Opel Manta. Liebevoll wurde er um immer neue Accessoires ergänzt, mit Fuchsschwänzen behängt und mit neuen Stereoanlagen bestückt, deren Bass problemlos die Frontscheibe aus ihrem Rahmen pressen konnte. Jetzt ist der Opel Manta passé. Doch zum Glück gibt es ja ein neues Statussymbol der Twen-Generation: das Handy. Mit Klingeltönen und Betreiberlogos lässt es sich zum ganz persönlichen Prestigeobjekt aufmotzen.

Überall sind sie inzwischen zu sehen, die Anzeigen der Logofirmen. Im Videotext der Fernsehsender buhlen sie um neue Kunden. In den Magazinen der Jugend schalten sie Anzeigen. Und sogar im aktuellen Film der Woche werben sie für die Logolisten im Internet. Keine Frage: wer ein Handy besitzt, muss sich unbedingt mit neuen Logos eindecken. Wer den Trend verschlafen hat, fragt sich indes nur: was ist eigentlich ein Logo? Nun: jedes Handy klinkt sich nach dem Einschalten in ein bestimmtes Netz ein. Der Name des Netzes wie D-1 oder ePlus wird als Grafik im Display des Handys angezeigt. Das ist das sogenannte Betreiberlogo in der Auflösung 72 x 14 Pixel. Dieses Logo lässt sich nun problemlos in die Tonne treten und durch ein neues Bild ersetzen.

Plötzlich lassen niedliche Bären romantische Herzchen in die Luft steigen, fordern Pixelschlampen »Nimm mich« oder zeigen Minimännchen, welcher Sportart der Besitzer des Handys huldigt. Mit den Logos lässt sich ein Handy problemlos personalisieren. Haben alle Mitglieder der Clique die gleiche Funkquäke, können die einzelnen Geräte fortan über das Bild unterschieden werden. Das Bärchen-Handy gehört vielleicht Susanne, das Schlampen-Handy Petra und das Sport-Handy Peter. Womit dann auch gleich noch die Charakterisierung der Besitzer abgeschlossen ist.

Genau diese Betreiberlogos werden im Internet zu Tausenden angeboten. Ralf Meininghaus von Logoplanet stellt derzeit 6.000 Betreiber- und Gruppenlogos sowie 2.200 Bildmitteilungen im Internet aus. Doch Moment, Moment: wer erklärt uns diese neuen Fachbegriffe schon wieder? Neben den Betreiberlogos gibt es also auch noch weitere Logos. So etwa das Gruppenlogo. Es erscheint immer dann auf dem Display des Handys, wenn ein Anruf eingeht. Die potentiellen Anrufer lassen sich in verschiedene Gruppen einteilen. Und jede Gruppe wird eben mit einem eigenen Gruppenlogo verknüpft. Auf diese Weise verwandelt sich das Handy fast schon in ein tragbares Fotoalbum. Neu sind die Bildmitteilungen im Sonderformat 72 x 28 Pixel. Sie lassen sich inzwischen wie eine SMS von einem Handy an ein anderes verschicken. Ein Bild sagt schließlich mehr als tausend Worte. Wer seiner Angebeteten allerdings ein zu deftiges Anmachbild ¿rüberbeamt, muss auch das Risiko einer Ohrfeige einkalkulieren.

Ein Problem gibt es leider noch, das Twens und Teens vom hemmungslosen Bilderkonsum abhalten kann: nicht alle Handys beherrschen alle Bildformate. Ralf Meininghaus veröffentlicht deswegen auf seiner Sammelseite im Netz eine Tabelle, die genau aufzeigt, welche Handys welche Bilder schlucken können. Ein Blick auf diese Tabelle macht Sinn, denn das muntere Bildersammeln kann durchaus ins Geld gehen. Egal, ob im Internet oder im Videotext: die einzelnen Bilder werden in den Übersichten mit einem Nummerncode versehen. Wer eines der Motive haben möchte, ruft eine gebührenpflichtige Nummer an, die in der Regel 3,63 Mark in der Minute verschlingt und dieses Geld ganz unscheinbar über die Telefonrechnung einzieht. Ein Sprachcomputer erzählt nun seine Geschichte und fordert dazu auf, die gewünschte Nummer des Logos einzugeben. Anschließend wird das Bildchen per SMS ins Handy übertragen und kann hier per Knopfdruck gespeichert werden. Gewiefte Sammler drücken die gesprochene Einleitung und die Zweiteingabe des Zifferncodes weg. So senken sie die Gesprächsdauer bis auf 40 Sekunden herunter. Da fast alle Anbieter die gleichen Preise verlangen, ist dies die einzige Möglichkeit, die Kosten zu senken.

Und es bleibt ja nicht einmal bei den Logos. Auch die Klingeltöne des Handys lassen sich problemlos erweitern. Bei Logoplanet gibt es inzwischen 1.100 der quäkenden Laute. Sie lassen sich – auch das ist online üblich – erst im MP3-Format Probe hören, bevor sie mit Hilfe des Zifferncodes per Telefon abgerufen werden. Besonders beliebt sind die Klingeltöne, deren Melodien bekannten Charthits nachempfunden sind. Wer sich mit Sladdis »Ich vermiss dich wie die Hölle« oder von Brittney Spears auf einen angehenden Anruf aufmerksam machen möchte, der kann dies gerne tun. Brav zahlen die Logoanbieter Gema-Gebühren für die fiepsigen Sounds. Es gibt aber trotzdem manchmal Probleme, weiß Meininghaus: »Einige Interpreten schätzen es gar nicht, dass ihre Songs als Klingeltöne eingesetzt werden. Dann hagelt es Abmahnungen. Klar, dass wir dann diese Klingeltöne sofort aus dem Angebot entfernen.« Der Logoplanet-Betreiber weiß auch, dass die Logos und Klingeltöne so begehrt sind, dass sie von der Konkurrenz auch gerne einmal geklaut werden. Ein Grund mehr für ihn, die von freien Mitarbeitern und professionellen Tonstudios generierten Dateien erst beim Anwalt zu hinterlegen, bevor sie ins Internet gestellt werden: »Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.«

Das gilt auch für so manche Eltern, die manchmal erst dann wachgerüttelt werden, wenn die Telefonrechnung in exorbitante Höhen geklettert ist. Eltern, die ihren Knirpsen ein eigenes Handy schenken, sollten deswegen gleich bei der Aushändigung des Gerätes auf die Kosten hinweisen, die mit dem Bestellen von Logos und Klingeltönen einhergehen. Denn, so bedauert auch Ralf Meininghaus, es gibt noch keine Möglichkeit, einen Filter einzusetzen, der Kindern den exzessiven Abruf der Logos untersagt.

Carsten Scheibe

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