Tastaturtöne Das Wort im Klacken

Forscher der Uni Berkeley haben herausgefunden, wie aus aufgezeichneten Tastaturgeräuschen ganze Texte rekonstruiert werden können. Die verblüffende Methode könnte auch Hackern neue Türen öffnen.

Aus den Schreibgeräuschen der Computertastatur können amerikanische Forscher den geschriebenen Text rekonstruieren. Damit könnten Passwörter, E-Mails und vertrauliche Mitteilungen abgehört werden, vermutet der Informatiker Doug Tygar von der Universität von Kalifornien in Berkeley. Bei dem Verfahren reicht es aus, die Geräusche mit einem Standard-Mikrofon aufzunehmen. Ein spezielles Computerprogramm gleicht die Geräuschfolgen mit einem Wörterbuch ab, berichtet der Onlinedienst des Wissenschaftsmagazins "New Scientist".

Herausragend an dem neuen Verfahren ist, dass eine Tasten-Geräusch-Zuordnung nicht schon vorab bekannt sein muss. Dies setzen andere Methoden voraus. Das von Tygar erstellte Auswerteprogramm teilt die einzelnen Geräusche zunächst in 50 Klassen ein, die sich in Geräuschfrequenz und -stärke unterscheiden. Danach werden Paare von Geräuschen statistisch mit Buchstabenpaaren verglichen. So besteht zum Beispiel in der englischen Sprache eine hohe Wahrscheinlichkeit für die Buchstabenkombination "th" und "er". Weniger häufig kommt "qu" vor und ganz ausgeschlossen ist "bf".

Geringe Fehlerwahrscheinlichkeit

Allein durch diesen Vergleich werden in einem zehnminütigen Mitschnitt schon 60 Prozent der Buchstaben richtig klassifiziert. Nach mehreren Programmdurchläufen und dem Vergleich mit Wörterbucheinträgen können die Forscher das Ergebnis auf 92 Prozent steigern. "Das ergibt schon einen ganz gut lesbaren Text", kommentiert der computerwissenschaftler Edward Felten von der Princeton-Universität in New Jersey.

Mit dem Verfahren können allerdings zufällige Tastenfolgen wie etwa bei Passwörtern nicht in der gleichen Präzision rekonstruiert werden. Doch könnte ein Hacker, der neben der maschinellen Auswertung auch noch seine menschliche Intelligenz einsetzt, leichtes Spiel haben, vermuten die Forscher. Prinzipiell soll die Abhörmethode auch für andere Sprachen als Englisch funktionieren.

DDP DDP

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