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Tom Gäbel: "Tetris kann aus Menschen Wutmaschinen machen"

Tom Gäbel ist eines der größten deutschen Talente der Jazz- und Swingszene. Und er liebt Strategiespiele. Im stern.de-Interview spricht er über Musik in Spielen, Splatter-Filme und über seine aktuellen Projekte.

Sie werben für Ataris Strategiespiel "Tycoon City: New York"? Eine reine Marketing-Idee, oder sind Sie ein echter Zocker?

Mein Bruder Colin beschäftigt sich beruflich mit Videospielen. Im Vergleich zu ihm bin ich eher ein gemäßigter Spieler. Aber ich spiele sehr gerne.

Wie viel Zeit verbringen Sie mit Videospielen?

Sehr unterschiedlich, auf langen Busfahrten mit meiner Band wird eine Menge gedaddelt, ansonsten fehlt mir leider oft die Zeit fürs Zocken.

Zocken Sie lieber Konsolenspiele, oder daddeln Sie am PC?

Die Plattform ist mir egal. Mein Bruder besitzt alle erdenklichen Gerätschaften - ich verliere da schon fast den Überblick. (lacht) Wenn mir das Spiel gefällt, mache ich einfach mit.

Welche Spiele zocken Sie am liebsten?

Am meisten Spaß machen mir Aufbaustrategiespiele, weil man hier richtig kreativ sein muss und was ganz Großes erschaffen kann. Partyspiele wie beispielsweise "Singstar" finde ich auch super. Übrigens schneide ich da immer überraschend schlecht ab!

Momentan bin ich ganz heiß auf ein brandneues Playstation2-Spiel, bei dem man als Gitarrist die größten Rockklassiker erklingen lassen - und leider auch stümperhaft versauen - kann. (lacht)

Daddeln Sie alleine oder lieber mit Freunden?

Zeit für mich alleine hab ich genug, wenn ich übe. Beim Spielen bin ich gerne in Gesellschaft - allerdings nicht in virtueller. Ein Online-Game hab ich noch nie probiert.

Was muss ein Spiel bieten, damit es Sie für Nächte vor den Bildschirm bannt?

Effektvolle Grafiken können mich nicht allzu lang begeistern. Wie in der Musik muß erst einmal der Inhalt stimmen, die visuelle Verpackung ist für mich zweitrangig. Eine interessante neue Grundidee lockt mich daher viel schneller vor den Schirm als die x-te Variante des Ego-Shooter-Spielprinzips. Mit Freude werde ich mich mein Leben lang an "Tetris" erinnern: ein Spiel, das aus normalen Menschen tobende Wutmaschinen machen kann! (lacht)

Wie wichtig ist der Aspekt Musik im Spiel für Sie?

Eine schlechter Soundtrack kann einem das komplette Spiel vergällen. Glücklicherweise aber legen die Hersteller immer mehr Wert auf eine gute musikalische Untermalung. Es ist halt wie beim Film: Richtig gruselig wird's erst, wenn die hohen Geigen kommen...

Also sind Sie auch Fan des Horror-Genres?

Mit meinem Bruder hab ich jahrelange Diskussionserfahrung. Ihm bereitet es riesig viel Spaß, Zombies die Köpfe abzuschießen. (lacht)

Meiner Meinung nach gibt unglaublich viel geschmackloses Zeug, allerdings halte ich die in Abständen stets wiederkehrende Empörung in der Öffentlichkeit für stark übertrieben. Ich erinnere mich noch an die Zeit, als brutale Splatter-Filme in der Diskussion standen. Danach kräht heute kein Hahn mehr. Mit den Ego-Shootern wird es letztlich auch so laufen, denke ich.

Zurück zur Musik: Könnten Sie sich vorstellen einmal einen Soundtrack für ein Spiel zu schreiben?

Ich hätte gerne die Musik für "Tycoon City: New York" gemacht, leider hat das aus Zeitgründen nicht funktioniert. Dieses Spiel würde perfekt zu meiner Musik passen.

Als Komponist würde mich übrigens auch ein Ego-Shooter reizen, man kann sich da nämlich ähnlich einem Filmkomponisten austoben. Dabei denke ich beispielsweise an genau die erwähnten, hohen Geigen - kurz bevor der Zombie um die Ecke biegt!

An welchen Projekten arbeiten Sie zurzeit?

Meine Deutschland-Tournee nimmt im Moment sehr viel Zeit in Anspruch, außerdem ruft schon das zweite Album. Ich zocke in der nächsten Zeit also lieber erst einmal ein bisschen weniger Computer- und Videospiele - auch wenn es schwer fällt...

Interview: Udo Lewalter