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USB-Sticks: Schüler testen "digitale Schultasche"

An einer norddeutschen Schule testet eine Klasse, ob sich auch ohne Bücher, Zettel und Papier lernen lässt. Jeden Freitag bringen sie statt ihrer Schultasche lediglich einen USB-Stick mit in den Unterricht.

Jeden Freitag tauschen die Schüler von Andreas Kroder an der Pinneberger Karl-Sörensen-Schule ihre Schulbücher ein gegen ein ungewöhnliches Multitalent. Alles, was sie brauchen, befindet sich auf einem kleinen USB-Stick: die Arbeitsblätter für den Tag, Lehrfilme und Texte, Aufgaben und Anleitungen. Das Spannende dabei: Auf dem kleinen Computerspeicher finden sich nicht nur Dokumente, sondern gleich auch die Programme, um sie zu bearbeiten - an den Schulrechnern selber gibt es nichts außer einem Internetzugang.

"Dieser Stick vereint alle typischen Hilfsmittel des Lehrers in einem Medium", sagt Kroder, "das ist eine große Arbeitserleichterung für Schüler und Lehrer". "Digitale Schultaschen" nennen sich die fingergroßen Geräte, und die Pinneberger Schüler sollen sie in einem Pilotprojekt auf ihre Nützlichkeit testen.

Die Idee hinter der "Digitalen Schultasche" ist einfach. Seit ein paar Jahren gibt es die Möglichkeit, Programme auf USB-Sticks zu laden, erklärt Hartmut Karrasch vom Institut für Qualitätsentwicklung in Schulen (IQSH) in Kronshagen (Kreis Rendsburg). Das sei eine attraktive Möglichkeit für Schulen, weil sie so nicht mehr die komplette Software auf jedem Rechner installieren müssten: "Das gibt eine unglaubliche Freiheit", so Karrasch. "Die Schüler tragen nicht nur die Daten mit sich, sondern gleich auch die nötigen Programme." Karraschs Team entwickelte ein auf Schulen zugeschnittenes Software- Paket, das komplett auf einen USB-Stick passt - auf die "Digitale Schultasche" eben. Andreas Kroder erklärte sich bereit, den Stick mit seinen Schülern zu prüfen.

Schüler arbeiten selbständiger

Im Pinneberger Klassenzimmer ist es ruhig am Freitagmorgen. Die Schüler tauschen sich leise aus und arbeiten konzentriert. "Sie sind viel selbstständiger geworden", sagt Lehrer Kroder. Das habe er ihnen beibringen müssen - gerade beim Umgang mit dem Rechner sei es wichtig, Struktur reinzubringen und ein standardisiertes Vorgehen zu üben. "Das Ziel ist, dass die Schüler lernen, den Computer gezielt und nach Bedarf einzusetzen", so der Pädagoge.

Die Schüler sind größtenteils zufrieden mit der "Digitalen Schultasche". "Es hat Spaß gemacht", sagt Tore Wiechers. "Es ist sehr praktisch, dass man überall arbeiten kann, hier oder zu Hause." Nur leider, räumt er ein, sei der Stick manchmal etwas langsam. Auch Jenny Bartke findet das Projekt toll - wenn der Stick denn funktioniere. Das sei es eben, bestätigt der Lehrer. Mit Rechnern gebe es immer wieder Schwierigkeiten, "und das verlangt problemorientiertes Arbeiten."

"Digitale Schultaschen" vielleicht bald in ganz Schleswig-Holstein

Das Projekt des IQSH bleibt vorerst auf die Pinneberger Schule begrenzt. Im Sommer zieht Andreas Kroder Bilanz. Daraufhin will das Bildungsministerium entscheiden, ob die "Digitale Schultasche" auch an anderen Schulen im Bundesland eingesetzt werden soll, wie es in Kiel heißt. Für Kroder ist es Ziel, dass die "Digitale Schultasche" irgendwann an allen Schulen in Schleswig-Holstein benutzt wird. "Dazu braucht es aber jemanden, der bereit ist, die Idee zu fördern", sagt der Pädagoge.

Olivia Kühni/DPA / DPA
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