HOME

Recycling-Problem: Warum Ihre alten Fotos plötzlich auf neuen USB-Sticks auftauchen können

Ein neuer USB-Stick ist leer - glaubt man zumindest. Immer häufiger finden sich auf den fabrikneuen Speichergeräten aber Fotos, Videos und andere Daten wildfremder Menschen. Was steckt dahinter?

Eine blonde Frau schaut irritiert den Bilschirm ihres Laptops an

Woher kommen die Bilder und andere Daten, die sich teilweise auf nagelneuen Laptops finden?

Schaut man sich die Daten auf einem durchschnittlichen Smartphone an, hat man einen ziemlich tiefen Einblick in das Leben seines Besitzers, von privaten Fotos über Chat-Verläufe bis zum Online-Banking. Und genau solch persönliche Daten tauchen in letzter Zeit plötzlich bei Wildfremden auf, ohne dass die sie überhaupt haben wollen. Sie stecken nämlich auf manchen fabrikneuen USB-Sticks.

Das Problem ist das Recycling von Smartphones. Wenn die nach einigen Jahren ersetzt werden, ist die Technik im Inneren oft noch voll funktionsfähig. Statt sie vollständig einzuschmelzen, werden deshalb einzelne Teile abverkauft. Und genau das nutzen die Hersteller von USB-Sticks aus: Sie kaufen die Speicherchips von Smartphones und basteln daraus mit wenig Aufwand einen Wechselspeicher - der dann zum günstigen Preis angeboten werden kann. 

Keine Löschpflicht

Das berichten nach Angaben der "FAZ" gleich mehrere Teilnehmer einer Forensiker-Tagung. Löschen müssen die Hersteller eventuell vorhandene Daten beim Recycling nicht - das würde einen Extra-Arbeitsschritt und höhere Kosten bedeuten. Die EU-Kommission dachte dem Bericht zufolge bereits über eine solche Löschpflicht nach, verwarf die Pläne aber wieder. Dabei ergeben sich längst konkrete Probleme aus der Praxis.

Bis zu 256 GB mehr: So einfach erweitern Sie Ihren iPhone-Speicher

Während die Vorstellung, ein Fremder könnte einfach an die Familien-Fotos gelangen, für einen Normal-Nutzer vor allem unangenehm ist, macht sie Polizei und Staatsanwaltschaft echte Probleme. Bisher konnten die Ermittlungsbehörden einen Speicher, der bei einem Verdächtigen gefunden wurde, relativ einfach als Beweismittel nutzen. Die Daten darauf stammten recht sicher vom Besitzer des Speichergerätes.

Durch das Recycling ist diese Annahme nicht ohne Weiteres zu halten. Schließlich könnten die belastenden Materialien auch aus wiederverwendeten Teilen stammen. Die Daten zuzuordnen ist mit forensischen Methoden zwar in der Regel möglich, macht die Ermittlungen aber deutlich aufwendiger, so die "FAZ" unter Berufung auf Experten.

Wie kann man seine Daten schützen?

Will man verhindern, dass die eigenen Daten aus dem alten Smartphone auf dem Computer anderer Leute landen, geht das ganz einfach. Man muss lediglich sämtliche Daten löschen, bevor man das Gerät entsorgt. Dazu reicht ein Zurücksetzen auf den Werkszustand. Anders als bei Festplatten sind gelöschte Daten von Speicherchips auch mit Spezialwerkzeugen nicht nachträglich auslesbar. Die Speicherkarte sollte man natürlich ebenfalls herausnehmen. 

mma
Themen in diesem Artikel