Windows XP Ein langer Abschied


Ab dem 1. Juli ist eine Ära zu Ende. Damit ist nicht der Abgang von Microsoft-Gründer Bill Gates gemeint, sondern der Abschied von seinem Erfolgsbetriebssystem Windows XP. Die Software wird nicht mehr ausgeliefert. Doch ist Zeit mit XP wirklich vorbei?
Ein Kommentar von Gerd Blank

Windows XP ist ein Erfolgsmodell. Das Betriebssystem kam im Oktober 2001 auf den Markt und löste für Privatanwender die Version Windows M" ab. Mit der Einführung von XP wurde auch MS-Dos eingestellt.

Auch wenn es immer wieder Kritik an XP gab: Das Windows-Betriebssystem war fast sieben Jahre das Maß aller Dinge. Es gab damals kaum Alternativen, die den Ansprüchen von Computernutzern entsprachen. Zwar kam fast zeitgleich "OS X" von Apple auf die Mac-Rechner, deren Verbreitung war allerdings außerhalb von Agenturen und Grafik-Büros verschwindend gering. Und natürlich gab es zu der Zeit bereits Linux in verschiedenen Ikarnationen, Normalnutzer wollten sich mit dem freien Betriebssystem aber nicht beschäftigen.

Die Nutzer wollen nicht auf Microsoft-Produkte verzichten. Über Jahre waren die Betriebssysteme und die Office-Programme für das amerikanische Unternehmen Lizenzen zum Geldrucken. In den Medien wird immer von einer Hass-Liebe der Nutzer zu Windows gesprochen. Dabei sollte man eher von einem verwandtschaftlichen Verhältnis sprechen: Auch wenn die Nachbarfamilie vielleicht netter wirkt, ist Blut halt dicker als Wasser. Man kennt sich, kennt die Fehler und kann damit umgehen.

Digitales Familienmitglied

Über die Jahre ist eine Technik-Mensch-Symbiose entstanden, die kaum noch rational zu erklären ist. Trotz, oder eben wegen all der Fehler und Abstürze, bleibt XP auf dem Rechner. Da kann Microsoft noch so oft verlautbaren, dass die Zeiten des digitalen Familienmitglieds gezählt sind. Seit dem 1. Juli wird Windows XP nicht mehr ausgeliefert. Eigentlich. Schon im Januar 2008 wollte Microsoft das Produkt stoppen, um den Nachfolger zu pushen. Doch der große Erfolg von Vista blieb aus. Ein zarter Protest regte sich im Netz, Anwender wollten XP behalten, Petitionen sollten Microsoft zum Festhalten am alten Freund bewegen.

Microsoft hat schon immer an den Nutzern vorbei entwickelt, ihn zum Betatester gemacht und erst während der Produktlaufzeit grobe Fehler beseitigt. Aber so deutlich wie bei Vista lag der Konzern noch nie daneben. Wieder einmal hat Microsoft einen Trend verpennt, Anwender wollen keinen Ferrari-Motor in einer Smart-Karosserie. Vista gibt es in unzähligen verschiedenen Versionen, beim Kauf bleibt immer die Angst, die falsche erworben zu haben. Auch wird für viele Anwender mit Vista das System nicht besser, sondern langsamer - weil die Hardware einfach nicht mitmacht. Warum also wechseln?

XP wird uns noch eine ganze Weile begleiten, auch wenn Microsoft immer wieder betont, dass seine Tage gezählt sind. Die meisten Privatanwender nutzen eh nur eine begrenzte Anzahl von Programmen. Sie surfen im Internet, schreiben E-Mails und Texte, hören Musik, schauen Fotos und Filme an. Hierfür braucht man kein neues Betriebsystem, das alte genügt völlig. Das haben auch Hardwarehersteller erkannt: Deren Mini-Notebooks mit geringerer Leistung erobern den Markt. Diese Geräte sind zu schwach für Windows Vista, laufen aber prächtig mit dem alten Betriebssystem. Firmen wie Asus, Dell, HP und MSI liefern diese Kleinstrechner auch weiter mit XP aus. Bis 2010, so versprach Microsoft, wird es für EeePC und Co. noch XP geben.

Aber nicht nur Privatanwender wollen XP weiter nutzen. Große Unternehmen, bislang beste Kunden bei Microsoft, wollen bis 2010 auf das nächste Betriebssystem warten und überspringen Vista.

Vielleicht lernt Microsoft ja daraus und entwickelt ein Betriebssystem, dass den Anforderungen der Nutzer entspricht: Eine einzige Version, die automatisch die bestmögliche Geschwindigkeit aus der Hardware herausholt. Features, die bequem aktiviert werden können, sobald die Hardware verbessert wurde. Und ein wirklicher Mehrwert für den Nutzer ist und nicht nur ein neue Oberfläche, die nur Ressourcen verbraucht. Denn sollte auch der Vista-Nachfolger wieder am Verbraucher vorbei entwickelt werden, bleibt uns XP vielleicht noch über das Jahr 2010 hinaus ein treuer Begleiter.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker