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Zehnjähriges Jubiläum: Windows XP tut immer noch weh

Ein Betriebssystem ist ein bisschen wie eine Religion - einige glauben fest dran, anderen bietet es ein Grundgerüst für die tägliche Arbeit und viele streiten sich darüber. Windows XP wird inzwischen zehn Jahre alt. Ein Nachruf.

Von Andreas Albert

Ich werde ihm keine Träne nachweinen. Zehn Jahre sind mehr als genug - und wer weiß, vielleicht werden es noch zweieinhalb Jahre mehr. Spätestens am 8. April 2014 sollte aber endgültig Schluss sein. Dann endet der Support für Windows XP und das Betriebssystem, das meine berufliche Laufbahn am längsten begleitet hat, kommt endlich dahin, wo es hingehört - ins digitale Nirvana.

Mit XP waren viele Hoffnungen verknüpft. Zu Beginn des neuen Jahrtausends kam ein Betriebssystem von Microsoft , das verlässliche Performance verband mit einem modernen Design, wie es der gemeine Nutzer bis dahin von Windows 95 oder 98 kannte.

Hartnäckiger als der Nachfolger

XP, das bei Microsoft für "Experience" stand, führte die Welt der Freizeitcomputer mit der professionellen NT-Variante zusammen - vorausgesetzt, die IT-Abteilung schaltete das XP-Designschema frei. Wer nicht so viel Glück hatte, musste auch die erste Dekade des neuen Jahrtausends mit einer Startleiste im grauen Windows-NT-Look leben.

Die XP-Version erwies sich als hartnäckig. Sie überlebte sogar einen Nachfolger, Windows Vista, das bei den Nutzern nicht auf die von Microsoft erhoffte Begeisterung stieß. Zu sehr waren die Anwender offenbar an das alte Erscheinungsbild gewöhnt und wollten weiterhin ihren grünen Hügel im Hintergrund statt neumodischer wechselnder Designelemente. Die transparente Darstellung der Fenster und Startleiste war vielen wohl suspekt. Ständige Nachfragen, ob der Nutzer wirklich die Software von xxx.ru installieren wolle, wurden schnell zuviel.

Die IT-Abteilungen der großen Unternehmen zogen da sowieso nicht mit. Sie überspringen traditionell eine Version. Die meisten Programme liefen inzwischen unter XP rund, und fünfeinhalb Jahre waren auch kein Alter für ein Betriebssystem.

Die Zeit, die die Implementierung eines neuen Systems kostet, hatte Vista ohnehin nicht mehr. Etwa zweieinhalb Jahre später, im Oktober 2009, brachte Microsoft Windows 7 auf den Markt und liefert damit inzwischen das meist verbreitete Betriebssystem weltweit. Ende September überholte Windows 7 erstmals seinen Vorvorgänger und ist nun auf mehr als 40 Prozent aller PC weltweit vertreten.

Verschnaufpause im Büro

Dennoch ist Windows XP in vielen Büros Dauergast. Und das scheint die wenigsten Nutzer zu stören. Sie legen mehr wert darauf, dass das System robust arbeitet und nicht ständig abstürzt. Dass der Start auch mal zehn Minuten dauert ist im Büroalltag ohnehin nicht weiter schlimm - bietet es doch eine willkommene Gelegenheit, Kaffee zu kochen oder den Bürotratsch auf der neusten Version zu halten. Viele Nutzer wissen gar nicht, welches Betriebssystem sie jeden Morgen serviert bekommen.

Bei der Arbeit soll ja auch nicht gespielt werden, und zuviel Schnickschnack hält von der Produktivität ab. Ohnehin sehen Excel-Tabellen und Powerpoint-Präsentationen überall gleich aus. Dennoch bin ich froh, wenn XP endlich in Rente geht.

Virenschleuder adieu

Inzwischen dürfte das Design auch dem größten Retro-Fan als unmodern gelten. XP ist mittlerweile eine regelrechte Virenschleuder. In der eigenen Pressemeldung zum Jubiläum des Betriebssystems weist Microsoft darauf hin, dass laut einer Studie des Antivirusdienstleisters Avast auf etwa 75 Prozent aller XP Rechner Rootkit-Infizierungen zu finden sind. Es gibt mittlerweile Betriebssysteme, die wesentlich schneller sind und sogar sicherer, stabiler und weniger fehleranfällig laufen - auch von Microsoft.

Zehn Jahre Einsatz für ein Betriebssystem sind also genug. Es ist Zeit, Platz für Neues zu schaffen. Auch wenn das Ende erst in zweieinhalb Jahren dräut. Das Argument, der PC sei zu schwach für ein neues Betriebssystem, lasse ich nicht gelten - denn dann gehört er mit auf die Müllhalde der Geschichte. So verknüpfe ich mit dem Jubiläum eigentlich nur einen Wunsch: Ich will dich nicht mehr sehen!!!

  • Andreas Albert