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Britischer Flugzeugträger "HMS Queen Elizabeth": Der Stolz der britischen Marine fährt mit dem uralten Windows XP

Die HMS Queen Elizabeth hat fast vier Milliarden Euro gekostet. Sie und ihr Schwesternschiff "Prince of Wales" soll die britische Seemacht bis 2050 sichern - aber dennoch laufen Systeme an Bord auf dem veralteten Windows XP.

Die Schlepper bringen die "HMS Queen Elizabeth" auf ihre erste Reise.

Die Schlepper bringen die "HMS Queen Elizabeth" auf ihre erste Reise.

Sie sind gewaltig, teuer und gelten in den Zeiten immer besserer Raketen als verwundbar, dennoch gibt es geradezu einen Run auf Flugzeugträger. In diesem Jahr hat China einen ersten eigenen Träger gebaut und zugleich angekündigt, das weitere weit größere und kampfkräftige Modelle folgen werden. Russland träumt ebenfalls von einem eigenen Mega-Carrier - allerdings ist es unsicher, ob die leeren Kassen des Kremls wirklich einen Bau zulassen.

Auch Indien will nicht abseits stehen und die Woche ist die HMS Queen Elizabeth in Schottland zur Probefahrt aufgelaufen. Die britische Marine will im Kampf der Meeresgiganten ebenfalls mithalten - wenn auch sonst wenig von der einstigen Seemacht des Inselstaates übrig geblieben ist. Flugzeugträger gelten nach wie vor als Eintrittskarte, wenn ein Land wirkungsvoll weltweit mit militärischer Macht auftreten will.

Kleiner als die Giganten der USA

Der britische Träger ist 280 Meter lang, misst auf dem Flugdeck bis zu 70 Meter Breite und erreicht 29 Knoten. Alle Werte übertreffen die Werte der drei Schiff der Invincible-Klasse – liegen aber deutlich unter denen der aktuellen US-Träger der Gerald-R.-Ford-Klasse.

Ein Schwesterschiff, die "Prince of Wales", wird derzeit noch ausgerüstet. "Prince of Wales" ist ein klassischer Name in der britischen Marine, der Träger ist das achte Schiff mit diesem Namen. Wie bei allen modernen Schiffen will die Marine dank automatisierter Prozesse mit deutlich weniger Personal auskommen - denn die Matrosen benötigen nicht nur kostbaren Raum an Bord des Schiffes. Berechnet über die ganze Lebensdauer des Schiffes sind die Personalkosten einer der größten Kostenblöcke. Die sechswöchige Erprobungsfahrt soll zeigen, ob das Schiff auf dem Meer auch die Leistungsdaten erreicht, die der Hersteller berechnet und versprochen hat.

Es wird noch einige Zeit dauern, bis die "HMS Queen Elisabeth" mit ihrer Hauptwaffe, einem Dutzend Stealth-Fighter vom Typ F-35B Lightning II ausgerüstet sein wird. Bis dahin muss man sich mit Hubschraubern und älteren Jets behelfen.

Aufrüstung zur See: Chinas erster selbst gebauter Flugzeugträger ist fertig

Weniger schön ist was Reporter des "Guardian" und der "Times" bei einer Besichtigung entdecken mussten: Auf zumindest einigen Rechnern des Schiffes läuft immer noch das vollkommen veraltete Windows XP, das besonders anfällig für Cyber-Angriffe ist. Gerade in Zeiten in denen das Cyber-Arsenal der US-Geheimdienste durch ein Leak frei verfügbar ist, ist das wenig beruhigend.

Doch Air-Commander Mark Deller beruhigte den "Guardian": "Wenn man ein Schiff bestellt, kauft man es nicht heute, man sucht es 20 Jahre früher aus. Also haben wir das ausgesucht, was damals zur Verfügung stand. Aber das Schiff ist so konzipiert, dass man es anpassen und modernisieren kann. Was immer man auf diesen Bildern auch sieht, wir können es austauschen. Vielleicht arbeiten wir schon daran, aber wenn, dürfte ich es Ihnen nicht mitteilen."


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