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Krimi-Videospiel "L.A. Noire": Diese Augen können lügen

Einem Polizisten reicht manchmal schon ein kurzes Zucken der Augenbraue, um einen Lügner zu erkennen. Das nostalgische Krimispiel "L.A. Noire" zeigt Figuren erstmals so detailliert, dass der Spieler in deren Gesichtern lesen kann - und muss.

Von Nina Ernst

Die Beweise sind erdrückend: blutbeschmierte Kleidung und die Tatwaffe wurden beim Verdächtigen gefunden. Trotzdem beteuert er seine Unschuld. Was tun? Ihn anschreien, damit er endlich gesteht? Ihm glauben, dass alles nur inszeniert war? Oder ihn der Lüge bezichtigen? Für den richtigen Riecher gibt es am Ende ein Lob vom Chef, bei der falschen Reaktion stellt sich der Verdächtige quer und schweigt. Willkommen in den Wirrungen der Verbrechensaufklärung. Hier ist nicht immer alles so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint. Vor allem im Jahr 1947, lange vor der Einführung von Computeranalysen und DNA-Tests, kommt es auf detektivischen Spürsinn an. So auch im virtuellen Krimi "L.A. Noire", das Videospielern eine für das Medium untypische Fähigkeit abverlangt: Menschenkenntnis. Als Polizist muss der Spieler zur Verbrechensaufklärung Beweise kombinieren und Zeugen einschätzen.

"In einer Detektivgeschichte ist die Glaubwürdigkeit der Figuren der Schlüssel", sagt Brendan McNamara, Gründer des Spieleentwicklers Team Bondi. Also hat er diese Glaubwürdigkeit zum Mittelpunkt des Spiels gemacht. So heißt es beim Verhör im Zweifelsfall erstmal abwarten und auf das eigene Gespür vertrauen. Schluckt der Mann nervös wie der letzte überführte Mörder? Zucken seine Mundwinkel und wandert der Blick umher? Vielleicht schaut er auch einfach nur traurig und etwas eingeschüchtert.

Noch nie waren Game-Gesichter so lebendig

"Je besser man die Leute einschätzen kann, desto schneller kommt man mit dem Fall voran", sagt McNamara. Die Mimik des Gegenübers einzuschätzen und mitzufiebern, wer die Wahrheit sagt oder etwas verschweigt, das ging bislang nur in TV-Krimis, nicht aber im Videospiel mit den oft hölzernen Gesichtszügen. Für "L.A. Noire" wurde eigens die Technik MotionScan entwickelt, die in einem Raum voller Kameras die Gesichter von Schauspielern exakt in das virtuelle Geschehen überträgt. Inklusive jedem Rümpfen der Nase und Runzeln der Stirnfalten.

Die späten 1940er Jahre in Los Angeles sind die Zeit des Jazz, der Stars und Sternchen. Aber auch die Zeit der traumatisierten Kriegsveteranen, des Alkohols und des Verbrechens. Mittendrin steckt der ehrgeizige Kriegsheld Cole Phelps, der gerade eine Karriere bei der Polizei startet.

In dessen Rolle erforscht der Spieler die Stadt samt den Schauplätzen des Verbrechens. Die Reise durch verrauchte Bars, düstere Hinterhöfe und Filmkulissen zieht sofort in ihren Bann. Wenn zu dramatischen Kameraschwenks die Jazzmusik ertönt und der Polizeikollege Macho-Sprüche von sich lässt, fühlt sich der Spieler sich wie eine Figur in einem alten Hollywood-Krimi.

Aufgebaut wie eine Krimiserie

"Das Spiel ist aufgebaut wie eine Krimiserie", sagt Brendan McNamara, "ein Fall entspricht einer abgeschlossenen Folge". Und der beginnt stets mit der Fahrt zum Tatort. Mal zu einem leeren Auto voller Blut am Bahngleis, mal zu einer mit Nachrichten bekritzelten, nackten Leiche. Dort heißt es erstmal, sich umzusehen, Hinweise zu suchen und Zeugen zu befragen. Die Eindrücke vom Tatort führen zu neuen Schauplätzen wie dem Wohnort, an dem der eifersüchtige Ehemann wartet, oder dem Lokal, von dem die Leiche ein Streichholzbriefchen in der Tasche hatte. Dort angelangt gilt es erneut zu untersuchen, zu befragen und die Relevanz von Hinweisen einzuschätzen.

In den Verhören geht es aufs Ganze. Um einen Verdächtigen als Lügner zu überführen, muss Phelps exakt den Beweis vorbringen, der die Aussage des Gegenübers widerlegt. Je besser die Recherche, desto erfolgsversprechender das Verhör. Hat der Polizist nichts Stichhaltiges in der Hand, kann er dem Verdächtigen glauben oder laut werden und dessen Aussage anzweifeln. Je nachdem, wie glaubwürdig sein Gegenüber ist. Während der geistig zurückgebliebene Zeuge wie ein offenes Buch wirkt, ist der Intellektuelle unter Mordverdacht nur schwer zu packen. Die Blicke zu interpretieren und den richtigen Beweis zur rechten Zeit zu liefern, fordert Kombinationsgabe. "Wer die Leute falsch einschätzt, muss andere Wege finden, den Fall zu lösen", sagt McNamara. Ist ein Verhör verpatzt und der Verdächtige schweigt, stochert der Spieler meist erstmal im Trüben, und das Vorankommen ist ohne die fehlenden Aussagen erheblich schwerer.

Zeitreise ins Nachkriegsamerika

Dennoch macht die Reise in die Welt des Verbrechens viel Spaß. Weil sie so anders ist als andere Spiele, sich Zeit lässt, die kleinen Geschichten zu erzählen. Auch in "L.A. Noire" gibt es Verfolgungsjagden, Schießereien und Handgemenge. Im Vordergrund stehen aber die Untersuchungen, das Rätseln und Eintauchen in die Ära der 40er Jahre. Der Spieler erfährt während der Ermittlungen ganz nebenbei vieles über den Lebensstil, die Hoffnungen und Ängste der Amerikaner der Nachkriegszeit. In Gesprächen mit Kollegen und Zeugen ebenso wie beim Schaufensterbummel und Beobachten des alltäglichen Treibens auf den Straßen.

Der Krimi wirkt wie eine Zeitreise, die die Epoche des Aufbruchs virtuell auferstehen lässt. Die dichte Atmosphäre durch die detaillierte Nachbildung der Stadt lässt technische Makel wie die ungenaue Steuerung beim Autofahren fast vergessen. Ebenso wie manch eine Hürde durch undurchsichtige Hinweise.

Spieletrailer: "L.A. Noire"

Um eine realistische Nachbildung vom damaligen L.A. zu erschaffen, hat Team Bondi monatelang recherchiert. Echte Mordfälle dienen als Vorbilder der Geschichten im Spiel. Mit Hilfe von 180.000 Fotos und Landkarten haben die Entwickler 90 Prozent der damaligen Gebäude von L.A. Downtown wieder auferstehen lassen. Das sind rund 13 Quadratkilometer mit gepflegten Einfamilienhäusern, Geschäften, armselige Hütten und Hinterhöfen. Die Entwickler haben alte Wohnzeitschriften und Kataloge besorgt und traditionelle Hotels besucht, um die virtuellen Gebäude stilecht einzurichten. Besonders stimmungsvoll wirken die zahlreichen Requisiten wie Puderdosen, Telefone und Waschmittelpackungen, die überall herumstehen. Die Kleinigkeiten fallen nicht immer sofort auf, sorgen aber dafür, dass sich die Zeit so echt und stimmig anfühlt.

Produziert wurde das Spiel im Auftrag von Rockstar Games, das sich mit der "Grand Theft Auto"-Serie und dem gefeierten Westernhit "Red Dead Redemption" einen Ruf als eines der innovativsten Studios der Branche erarbeitet hat. Es bleibt seiner Linie treu: "L.A. Noire" ist technisch nicht perfekt, aber absolut lohnenswert und faszinierend. Eine Zeitreise der anderen Art, die das Genre der Adventure-Spiele modernisiert.

L.A. Noire

Hersteller/Vertrieb

Team Bondi/Rockstar Games

Genre

Action/Adventure

Plattform

PS3, Xbox 360

Preis

50 Euro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Themen in diesem Artikel
Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.