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Amazon Echo: Polizei will Amazons Siri-Lautsprecher befragen - als Zeuge in einem Mord

Weil Amazons Siri-Lautsprecher Amazon Echo ständig in den Raum hört, soll die Sprachassistentin Alexa nun als Zeugin in einem Mordfall herhalten, findet die Polizei. Doch die Sache hat einen Haken.

Amazon Echo Preis

Amazon Echo steht im Raum und nimmt Sprachbefehle entgegen. Jetzt soll das Gerät bei der Aufklärung eines Mordfalls helfen

Amazons Sprachassistentin "Alexa" ist möglicherweise Zeugin eines Mordes im US-Bundesstaat Arkansas geworden. Ihre Befragung durch die Ermittler gestaltet sich allerdings schwierig, denn "Alexa" ist nur die digitale Stimme des sprachgesteuerten Lautsprecher Amazon Echo, der am Ort des Verbrechens installiert war. Der Zugriff auf die Daten sei unbedingt notwendig, schrieb der Staatsanwalt von Benton County, Nathan Smith, in einer Mitteilung an die Nachrichtenagentur AFP.

Die Ermittler erhoffen sich Aufschluss über den Mord an dem 47-jährigen Victor Collins. Er war im November 2015 tot in der Badewanne von James Bates in Bentonville gefunden worden, an seiner Leiche fanden sich Spuren von Schlägen. Bates wird des Mordes verdächtigt.

Während der Ermittlungen fand ein Polizist in dessen Haus die Amazon-Echo-Anlage. Sie besteht aus mehreren der Lautsprecher, die mit dem Wort "Alexa" aktiviert werden, um wie Apples Siri Rechercheanfragen und ähnliche Befehle entgegenzunehmen.

Amazon gibt die Daten nicht heraus

Bislang hat Amazon keine Daten von Bates' digitalem Assistenten herausgegeben, wie Bates' Verteidigerin Kimberly Weber mitteilte. Auch wenn mögliche Aufnahmen des digitalen Assistenten ihren Mandanten wahrscheinlich entlasten würden, begrüße sie "die Bemühungen von Amazon, die Privatangelegenheiten meines Mandanten zu schützen". Amazon wollte sich auf Anfrage von AFP nicht zu dem Fall äußern.

Nach offiziellen Angaben speichert Echo nur dann Sprachaufnahmen, wenn das Aktivierungswort "Alexa" gesagt wurde. Vorher lauscht Echo nur in den Raum, um den Aktivierungsbefehl bemerken zu können. Sollten Täter oder Opfer also nicht zufällig während des Mordes "Alexa" gerufen haben, sollt Amazon also eigentlich keine Aufzeichnungen der Tat besitzen.

Amazon Echo ist ein Verkaufsschlager

Diese Woche hatte der Konzern mitgeteilt, er habe im diesjährigen Weihnachtsgeschäft "Millionen" der Anlagen verkauft. Nach Schätzungen von Analysten waren seit der Markteinführung von Amazon Echo bis zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft rund fünf Millionen der Geräte verkauft worden. Der Fall in Arkansas wirft erneut die Frage auf, wie angesichts der zunehmenden Nutzung digitaler Geräte der Datenschutz und die Interessen von Sicherheitsbehörden in Einklang zu bringen sind. Nach einem islamistischen Anschlag in San Bernardino, bei dem im Dezember vergangenen Jahres 14 Menschen erschossen worden waren, hatte das US-Justizministerium versucht, Apple zur Entschlüsselung des iPhones des Täters zu zwingen.

Apple begründete seine Weigerung damit, dass kein Präzedenzfall für eine Missachtung der Bürgerrechte geschaffen werden dürfe. Das FBI knackte das Smartphone des Attentäters schließlich ohne Hilfe des Technologiekonzerns.

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mma / DPA