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Nicht geschnitten: Filme sind im TV immer kürzer als im Kino - das ist der verblüffende Grund dafür

Wenn Filme von der Leinwand ins Fernsehen kommen, sind sie immer ein gutes Stück kürzer. Der Grund dafür ist aber nicht die Zensurfreude der FSK. 

Auf der heimischen Couch machen Filme Spaß

Auf der heimischen Couch machen Filme Spaß

Getty Images

Fans von Horror- und Actionfilmen kannten das Phänomen schon lange: Wenn ein besonders brutaler Film ins TV kam, schnitten die Sender teils minutenlange Szenen heraus, um dem Film eine Jugendfreigabe zu ermöglichen. Die TV-Fassung war dann teils kaum noch wieder zu erkennen. Was die meisten Zuschauer aber nicht wissen: Auch völlig harmlose Kinofilme sind im TV kürzer als im Kino. Dafür gibt es schlicht technische Gründe.

Während im Kino Filme mit 24 Bildern pro Sekunde über die Leinwand flimmern, sind es beim im deutschen Fernsehen genutzten PAL-Standard 25 Bilder die Sekunde. Um die Filme hierzulande trotzdem senden zu können, müssen sie an den Standard angepasst werden - und werden einfach mit einem Bild je Sekunde mehr abgespielt. Die Filmlänge verkürzt sich also schlicht, weil der Film schneller abläuft. Gute vier Prozent Laufzeit verlieren Filme durch diese sogenannte "PAL-Beschleunigung". Bei einem Spielfilm von 120 Minuten sind das immerhin etwa fünf Minuten.

Ungeahnter Nebeneffekt

Neben der kürzeren Laufzeit hat sie noch einen weiteren Effekt: Um mit dem Bild mitzuhalten, wird auch der Ton schneller abgespielt - und ist dadurch ein winziges bisschen höher als im Original. Manchen Menschen kann das auffallen, wenn sie etwa den Soundtrack des Films im Vergleich hören. Den meisten ist es allerdings nicht bewusst. Um den Effekt aufzufangen, wird die Tonspur manchmal nachbearbeitet, das kann allerdings zu Ton-Artefakten führen. Als Beispiel für schlecht umgewandelte Filme nennt Wikipedia etwa die "Zurück in die Zukunft"-Filme.

In den USA ist das Phänomen übrigens umgekehrt: Weil der dortige TV-Standard NTSC mit 29,97 Bildern pro Sekunde läuft, müssen die Filme dort mit gleichmäßig verteilten doppelten Bildern "gestreckt" werden, um auf die passende Bildzahl zu kommen. Während die Laufzeit dadurch nahezu gleich bleibt, wirken Bewegungen deutlich weniger flüssig.

Weitere Faktoren bei der Länge der Filme haben mit technischen Gründen aber nichts zu tun. So sparen sich die TV-Sender regelmäßig den in der Kino-Laufzeit inkludierten, teils minutenlangen Abspann oder spielen diesen deutlich schneller ab. Ein weiterer Faktor bei den Privatsendern ist die Werbung: Weil die Anzahl der erlaubten Werbeminuten auch mit der Sendungslänge verbunden ist, wiederholen manche Sender nach der Werbepause noch einmal einige Minuten des Filmes. Zuschauer, die nach der Werbung wieder in den Raum kommen, verpassen so nichts - und der Sender darf wegen der verlängerten Laufzeit noch einen Werbeblock mehr einschieben.

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