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Fünf Sportbänder im Test: So ungenau sind Fitness-Tracker

Fitness-Tracker versprechen, jeden Schritt ihres Trägers zu vermessen. Gerald Gartner hat fünf Sportbänder gleichzeitig zehn Tage lang getestet – doch jedes Gadget lieferte andere Ergebnisse.

Für zehn Tage war ich die 2.0-Version von Wolfgang Petry. Statt Freundschaftsbändern wie der Schlagersänger trug ich Fitness-Tracker, fünf Stück gleichzeitig. Sie zeichneten mein digitales Ich auf: Schritte, Schlaf, Kalorienverbrauch. "Quantified Self" heißt der Trend, all diese Werte zu erfassen. Die Gadgets versprechen mehr Bewusstsein für die eigene Fitness. Das Problem: Jedes Sportarmband vermittelt eine andere Selbsterkenntnis.

Ich vermesse, also bin ich - nicht

Jeder der fünf Tracker lieferte im Dauertest eine andere Schrittanzahl. Wie konnte das passieren? Jedes Band hat einen Drei-Achsen-Beschleunigungssensor. Er kennt drei Bewegungsrichtungen: Von oben nach unten, von einer Seite zur anderen und von vorne nach hinten. Klatschen, Tippen oder Armrundern können demnach auch als Schritte gezählt werden. Die Hersteller entwickeln spezielle Software, um das zu verhindern. Je besser der Algorithmus, desto genauer die Messung. Alle fünf getesteten Bänder - Jawbone UP24, Fitbit Flex, Nike Fuelband, Garmin Vivofit und Polar Loop - machen die gleichen Versprechungen: Wir verbuchen alle Schritte, wir verfolgen dich rund um die Uhr - und du verstehst dich selbst. Falls das wahr ist, müsste ich mehrere Persönlichkeiten haben, wenn man nach untenstehenden der Grafik geht. Die Werte gehen zwischen den Bändern teilweise extrem stark auseinander.

(HINWEIS: Nutzer von Smartphones klicken bitte auf diesen Link, um sich die Grafik komplett anzugucken.)

Am größten ist die Abweichung beim Fuelband von Nike. Mehrere hundert Schritte trennen den Tracker des Sportartikelherstellers von der Konkurrenz. Er zählte zwischen 15 und 44 Prozent weniger Schritte als die vier anderen Bänder und wich durchschnittlich um 24 Prozent von der Konkurrenz ab. Vereinfacht gesagt: 10.000 Schritte bei einem anderen Tracker ergeben 7.600 Fuelband-Schritte. Da ist es mit der Motivation schnell vorbei.

Doch für Nike sind Schritte nur zweitrangig. Der US-Konzern setzt auf ein eigenes Format, sogenannte "Fuelpoints". Damit sollen alle Körperaktivitäten aufgezeichnet werden, um sie denen von Freunden gegenüberstellen zu können. Mit 140 Euro ist das Fuelband das zweitteuerste Gadget im Test. Nike hat jedoch kürzlich das Ende seiner Sportband-Sparte verkündet. Die Grafik verdeutlicht, warum das vielleicht gar keine so schlechte Idee war. (HINWEIS: Nutzer von Smartphones klicken bitte auf diesen Link, um sich die Grafik komplett anzugucken.)

Auch Fitbit zeigt weniger Schritte an

Bei den vier anderen Gadgets hält sich die Schwankungsbreite in Grenzen. Überraschend ist, dass die zwei teuersten Geräte weit weniger Schritte zählen als ihre Kontrahenten. Das Jawbone UP24, mit 150 Euro das UP24 teuerste Band im Test, lag rund sieben Prozent unter dem Durchschnitt. Bei Design, Usability und Komfort wäre das Band jedoch Testsieger. Die neueste Version überträgt Daten kabellos ans Smartphone und ist wasserdicht. Einen ausführlichen Test des Vorgängers UP gibt es hier.

Günstige Bänder sind genauer

Bei den Bändern Garmin Vivofit (119 Euro), Polar Loop und das Fitbit Flex (beide 100 Euro) gibt es die geringste Abweichung vom Durchschnitt: jeweils weniger als drei Prozent. Der Preis ist also kein Garant für Genauigkeit. Eine manuelle Schrittzählung brachte ähnliche Ergebnisse. Generell gilt aber: Wer auf absolute Präzision bei der Schrittzählung Wert legt, kann bei keinem der Produkte umfassende Zuverlässigkeit erwarten.

Aber vielen Selbstvermessern geht es gar nicht um totale Genauigkeit. Sondern um den unterbewussten, motivierenden Druck, den ein Fitness-Tracker auslöst. Träger von Sportbändern tendieren dazu, sich mehr zu bewegen. Habe ich mich genug bewegt? Sollte ich noch eine Runde gehen? Das Armband kann mir eine digitale Antwort liefern. Dafür würde aber auch analoges Nachdenken reichen.

Hinweis zur Methodik: Weil das Nike Fuelband gravierend andere Wert lieferte, wurde es für die weitere Analyse der vier anderen Bänder ausgeschlossen. Das Polar Loop zeichnete aus nicht nachvollziehbaren Gründen an zwei Testtagen keine Daten auf. Die weitere Analyse zeigt also Werte für acht Testtage und vier Bänder, weil das Ergebnis sonst verzerrt wäre.

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