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Magix Fast Cut Test: Der schnelle Schnitt für Egomanen

Action-Cams sind schnell an Lenker oder Helm gestöpselt und produzieren Videos aus der Ego-Perspektive. Die Bearbeitung indes ist vielen zu aufwändig. Fast Cut soll das von allein erledigen. Ein Test.

Von Henry Lübberstedt

Übersichtlich und einfach: In der linken Fensterhälfte werden die eigenen Videodateien ausgewählt, die Vorschau des Clips ist sofort auf der rechten Seite zu sehen. Praktosch: Die Clips müssen nicht auf die Festplatte kopiert werden, sondern lassen sich direkt aus der Kamera importieren.

Übersichtlich und einfach: In der linken Fensterhälfte werden die eigenen Videodateien ausgewählt, die Vorschau des Clips ist sofort auf der rechten Seite zu sehen. Praktosch: Die Clips müssen nicht auf die Festplatte kopiert werden, sondern lassen sich direkt aus der Kamera importieren.

Action-Cams sind für Sportler was Feines. Einfach an den Helm, einen Selfie-Stick oder den Lenker gesteckt, nimmt die Kamera die Welt aus dem eignen Sichtfeld auf. Die ungewöhnliche Perspektive lässt selbst Ski-Anfängerkurse wie Hochgeschwindigkeitsabenteur erscheinen. Doch auf die "Action" nach dem Dreh haben die wenigsten Hobbyfilmer Lust: die Nachbearbeitung.

Damit die Fahrt auf dem Snowboard oder die Mountainbike-Tour beim Publikum tatsächlich beeindruckend rüberkommt, muss das Rohmaterial eingekürzt, mit gutem Schnitt und passender Musik versehen werden. Ungeübte benötigen für einen drei Minuten Clip mit einem Videoschnittprogramm schnell eine Stunde. Importieren, sichten des Material, der Rohschnitt, die Musik, arrangieren der Takes und schließlich der Feinschnitt.

Und am Ende kann beim Hochladen auf die sozialen Plattformen noch die böse Überraschung warten, dass der Clip nicht angezeigt wird, weil die Musik urheberechtlich geschützt ist. Mit "Fast Cut" bietet das Berliner Softwareunternehmen Magix jetzt ein Schnittprogramm an, dass dem Actionfilmer diese Mühsal ersparen soll. Das Programm kann im Vergleich zu einem vollwertigen Schnittprogramm nicht viel, das aber richtig.

Clips markieren, Vorlage auswählen - fertig

Zuerst werden die gewünschten Videodateien auf der Kamera markiert. Dann aus einer der insgesamt 15 Filmvorlagen eine möglichst passende ausgewählt, wobei man schon im Vorschaufenster das Ergebnis betrachten kann. Die Vorlagen unterscheiden sich im Musikstil und in der Schnelligkeit der Schnitte. Geschnitten wird automatisch im Takt der Musik.

Gute Idee gegen Langeweile des Publikums: Die gewünschte Länge des fertigen Films wird zusammen mit der Vorlage festgelegt. Nach knackigen 90 Sekunden ist Schluss. Wer länger will, muss dann schon selbst schneiden. Der vorgegebene Zeitdruck passt perfekt zur Zielgruppe. Fast Cut wendet sich klar an die User von YouTube, WhatsApp und mobilen Geräten. Wer hübsch animierte BluRay-Menüs und Brennfunktionen sucht, der ist hier falsch. Fast Cut ist zwar auf Actioncam-Material optimiert, "frisst" jedoch auch andere übliche Videoformate auch jene, die von mit iOS oder Android-Smartphones aufgenommen wurden.

Gefällt die Vorschau, folgt nach der Bestätigung der Bearbeitungsmodus. Hier lassen sich die Clips auf der Timeline zerschneiden, neu anordnen und mit diversen Überblend-Effekten versehen. Erfreulicherweise hält sich das Programm mit einem Überangebot an Blenden zurück. Alle grundlegenden Editiermöglichkeiten sind vorhanden: Farbe, Kontrast, Sättigung. Bildstabilisator und einige Audio-Optionen. Das Ergebnis ist sofort in einem großen Vorschaufenster sichtbar. Da nur die wichtigsten Aktionen zur Verfügung stehen, geht die Einarbeitung schnell von der Hand. Nachträglich lassen sich noch weitere Filmclips zum Beispiel von der Festplatte einfügen oder die mitgelieferte Musik durch eine eigene Auswahl ersetzen.

Der Bearbeitungsmodus: Die Clips sind importiert und bereits austomatisch geschnitten und mit Musik versehne. In der Bearbeitung ist noch etwas Nacharbeit möglich.

Der Bearbeitungsmodus: Die Clips sind importiert und bereits austomatisch geschnitten und mit Musik versehne. In der Bearbeitung ist noch etwas Nacharbeit möglich.

Kann wenig, aber das ganz gut

Wer jedoch die Filmvorlage weitreichend verändert oder gar ohne Vorlage selbst schneiden möchte, wird von den eingeschränkten Möglichkeiten der Software ausgebremst. So lassen sich die Videotakes nach dem Import nicht mehr automatisch auf Takt schneiden. Das von Hand zu erledigen ist fummelig, da Hilfmittel wie Marker und eine Wellenansicht der Tonspur fehlen.

Der automatische Schnitt arbeitet vor allem dann gut, wenn es sich ausschließlich um Aufnahmen aus der Ego-Perspektive handelt. Kommen unterschiedliche Perspektiven hinzu, etwa von anderen Kameras, ist Handarbeit angesagt, um den Szenen die jeweils passende Gewichtung zu geben. Eine Storyline, also etwa der Start auf dem Berg und die Schussfahrt ins Ziel, erzeugt FastCut nicht automatisch. Ganz ohne Feinschliff geht es nicht.

Doch all das wollte Magix mit dem Programm auch nicht. Fast Cut erstellt für User ohne Vorkenntnisse kleine, rasante Action-Videoclips, die sich sofort ins Netz hochladen lassen. Die Clips wirken cool, sind zum Teil mit Szenenlängen im Millisekundenbereich sehr rasant geschnitten und passen perfekt zur lizenzfreien Musik. Wer vom Videoschnitt keine Ahnung hat, bekäme solche Clips jedenfalls so nicht hin.

Wer mehr will, muss zu den größeren Schnittlösungen greifen. Hier gibt es mittlerweile eine ansehnliche Auswahl an guten Programmen von Herstellern wie etwa Adobe Premiere, Camtasia, Final Cut, Sony Vegas und Lightworks. Magix bietet seit gut zehn Jahren Video Deluexe an, jedes Jahre eine neue Version. Im gleichen Takt leitet das Unternehmen aus diesem mittlerweile performanten 64Bit-Vollprodukt abgespeckte Varianten für spitzere Zielgruppen ab, wie eben Fast Cut. Preis: rund 50 Euro. Plattformen: Windows 7/8/8.1.

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