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Streaming im Lockdown: 15,8 Millionen neue Abos: Netflix boomt in der Krise - und warnt vor der Zeit danach

Der Corona-Lockdown treibt die Streaming-Zahlen nach oben. Netflix konnte mit 15,8 Millionen Nutzern das beste Quartal seiner Geschichte feiern. Doch das könnte sich schnell ändern.

Joe Exotic ist der "Tiger King"

Der "Tiger King" Joe Exotic und die Corona-Krise haben die Abo-Zahlen bei Netflix in die Höhe schießen lassen

Netflix

Man kennt es von sich selbst: Wegen des Coronavirus sind die Menschen mehr zuhause, viele haben durch Kurzarbeit auch noch weniger zu tun - und man wühlt sich einmal durch die Streamingdienste. Wie gut es den Anbietern durch den Lockdown wirklich geht, überrascht dann aber doch: Netflix meldete gerade das umsatzstärkste Quartal in seiner Geschichte. 

15,8 Millionen neue Abonnenten konnte Netflix in den letzten drei Monaten gewinnen, erwartet hatte man gerade mal sieben Millionen. Die Zunahme ist klar der Coronakrise zu verdanken, merkt der Konzern in seinem Aktionärsbrief an. "Die ersten beiden Monate des Jahres war das Wachstum mit den beiden Vorjahren vergleichbar", heißt es dort. Als sich immer mehr Länder entschlossen, die Menschen wegen der Corona-Gefahr zum Zuhausebleiben zu bewegen, seien dann auch die Abonnenten-Zahlen nach oben geschossen, rund 183 Millionen sind es nun weltweit. Das sorgte für das beste Quartal in der Geschichte des Unternehmens: 5,77 Milliarden Dollar nahm Netflix ein, ein Zuwachs von satten 27,6 Prozent im Vorjahresvergleich.

Was kommt nach dem Boom?

Trotzdem dürfte sich der Konzern nicht nur über die Krise freuen. Weil sie auch den Dollarpreis nach oben treibt, schrumpften die Umrechnungskurse die eigentlich wachsenden internationalen Einnahmen zusammen. Hinzu kamen weitere Belastungen: Weil wegen der Coronakrise die zahlreichen Serien- und Filmproduktionen pausieren müssen, entschied sich Netflix, 150 Millionen Dollar in Hilfsmaßnahmen für die arbeitslos gewordenen Filmcrews und Schauspieler zu investieren.

Für das nächste Quartal sehe es aber nicht so rosig aus, warnt Netflix-Chef Reid Hastings. Man gebe ein Wachstum um 7,5 Millionen zahlende Nutzer vor. "Doch das ist größtenteils Vermutung", stellt der Konzern klar. Die größte Unsicherheit sei, wann die Länder wieder zum Normalzustand zurückkehren werden. Zudem ist das zweite Quartal traditionell das wachstumsschwächste, letztes Jahr hatte Netflix in diesem Zeitraum nur gut drei Millionen neue Kunden gewinnen können. In den wärmeren Monaten halten sich die Menschen eben eher draußen auf. Dieser Effekt dürfte sich nach wochenlangem Zuhausesitzen mit Dauerstreaming noch verstärken.

"Haus des Geldes", Trailer Staffel 4

Eine wichtige Rolle dürfte in Netflix' Kalkül auch der zunehmende Druck durch Disney+ spielen. Der Konkurrent war Ende März in deutlich mehr Ländern gestartet und konnte so schon nach fünf Monaten 50 Millionen zahlende Kunden vermelden. Das dürfte auch Netflix zahlreiche Abonnenten gekostet haben. Da der erweiterte Start aber wenige Tage vor dem Ende des letzen Quartals erfolgte, dürfte der Effekt erst bei der nächsten Quartalsabrechnung wirklich einzuschätzen sein.

Hoffnung dürfte Netflix aber der Erfolg der jüngsten Eigenproduktionen machen. Nachdem die irre Tiger-Doku "Großkatzen und ihre Raubtiere" mit 64 Millionen Abrufen in vier Wochen einen Rekord aufstellen konnte, erwartet Netflix bei der gerade gestarteten vierten Staffel von "Haus des Geldes" gleich den nächsten Rekord: Mit erwarteten 65 Millionen Zuschauern sollen der "Professor" und sein Team den Tigerkönig Joe Exotic schon nach Wochen wieder vom Thron schubsen.

Quelle: Netflix

mma
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