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13-jährige Facebook-Kritikerin Ruby Karp erklärt die Welt


Mit einem Artikel schaffte es Ruby Karp, in aller Munde zu sein. Sie hat klargestellt, warum Facebook für ihre Generation nichts taugt. Die 13-Jährige äußert ihre Meinung aber noch zu weitaus mehr.
Ein Porträt von Susanne Baller

"Klar, weiß ich, was ich werden will", antwortet Ruby Karp auf die Frage nach ihrem Berufswunsch, "Comedian! Ich habe einmal im Monat eine Comedy-Show im UCB Theater in New York. Und Journalistin. Ich möchte an der NYU Journalistik studieren. Ich hatte schließlich genug Zeit, darüber nachzudenken. Haha." Wer die Welt der 13-Jährigen erkunden will, muss sich auf ein gewisses Maß an Ironie und Naseweisheit einlassen. Und auf ein rasantes Tempo. Als sie siebendreiviertel war, sah ihre berufliche Zukunftsplanung so aus: "1. Popstar, 2. Rockstar, 3. Autorin, 4. Ärztin, 5. Tierärztin und 6. Mami."

Nun ist Ruby ein Teenager und hat am 12. August einen Text veröffentlicht, der um die Welt ging. Mit der Überschrift "I'm 13 and None of My Friends Use Facebook" hat sie dafür gesorgt, dass sich jeder Nutzer des sozialen Netzwerks alt fühlt. "Ich kenne hier vielleicht gerade mal meine Oma", schrieb sie und provozierte damit Reaktionen wie "13-Jährige hält Facebook für Oma-Netzwerk". Mehrfach musste sie auf Twitter geraderücken, dass sie ihre gleichaltrigen Freunde gemeint habe, als sie schrieb, keiner von ihnen sei bei Facebook. Ihr Artikel auf der Social-Network-Nachrichtenseite "Mashable" war binnen Stunden 20.000-mal geteilt und bei Twitter in den USA war die Überschrift ein eigener Trend. Nach vier Tagen zeigt "Mashable" knapp 50.000 Shares.

Meinungsstarke Vorbilder

Wie kann es sein, dass ein so junges Mädchen eine so breite Leserschaft findet und tatsächlich ernst genommen wird? Die Antwort auf diese Frage ist simpel: Ruby wird nach ihrer Meinung gefragt, seit sie auf der Welt ist. Mit sieben Jahren war sie Gast in der Internetserie "Smart Girls at the Party" von Amy Poehler, einer amerikanischen Schauspielerin und Comedienne, die zu Rubys großen Vorbildern zählt. Thema der Sendung: Feminismus. Dort hat sie unter anderem einen selbstkomponierten Song vorgetragen mit der Kernaussage: Mädchen können genau das gleiche, was Jungs können und umgekehrt. Das sei in den USA vielleicht selbstverständliches Wissen, erklärt sie dazu, aber in manchen Ländern eben nicht. Boom. Weitere Vorbilder des Mädchens? "John Green, ein exzellenter Autor und wirklich lustiger Typ, Amy Poehler natürlich, die ist einfach flat out awesome, die Schauspielerin Tina Fey, Gloria Steinem, eine der coolsten Feministinnen ever, und viele andere großartige Menschen", verrät sie stern.de.

Enormer Output

Ruby ist eine smarte, sehr interessierte, kluge und bestens vernetzte New Yorkerin. Ihre Mutter, Marcelle Karp, ist Autorin, Fernsehdirektorin, Produzentin und Feministin. Natürlich hat das die Tochter geprägt, aber dass Erziehung allein nicht ausreicht, lernt man spätestens, wenn man selbst Kinder hat. Hier ist der mütterliche Input auf extrem fruchtbaren Boden gefallen.

Seit Ruby zehn Jahre alt ist, schreibt sie ein eigenes Blog auf "Hello Giggles", einem Portal von Zooey Deschanel, Molly McAleer und Sophia Rossi. Dort sei auch "Mashable" auf sie aufmerksam geworden und habe sie gebeten, für sie zu schreiben, erklärt Ruby auf die Rückfrage eines Lesers bei Twitter. Ihre liebsten Netzwerke sind Tumblr und Instagram, ihr Output ist enorm. Auf die Frage von stern.de, wann sie all das mache neben der Schule, antwortet Ruby: "Ja, das ist schon hart. An Tagen, an denen ich viele Hausaufgaben aufhabe, hänge ich nach der Schule nicht mit meinen Freunden rum. So schaffe ich mir Zeit für meine Artikel, damit ich immer was veröffentlichen kann."

Hin und wieder blitzt bei Ruby das durch, was man sich unter einem normalen Teenager vorstellt. Sie liebt ihren schwarzen Mops Rocky, lange Strandspaziergänge, Schwimmen und Volleyball. Ihr ist es peinlich, wenn ihre Mutter auf Plattformen wie Instagram Abkürzungen wie LOL, Luv oder OMG benutzt, denn die seien für ihre Generation und Teenie-Sprache. Auf die Anmerkung von stern.de, dass diese Akronyme viel älter als Ruby selbst seien und ihre Mutter das bestimmt schon seit Jahren schreibe, kommt ein lakonisches "Soll sie's halt schreiben, aber es passt irgendwie nicht.". Und Ruby liebt TV-Serien. Etwa die aktuelle Staffel von "Doctor Who" mit Matt Smith und die 70er-Jahre-Serie "Wonder Woman". Sie macht sich Gedanken um ihr Aussehen, aber vor allem auch um das Aussehen von anderen. Von Mädchen, die hungern, um auszusehen wie Models in Magazinen. Das Thema ist ihr dann allerdings schon wieder ein eigenes Youtube-Aufklärungsvideo wert.

Von diesem Mädchen werden wir noch einiges hören.


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