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Kommentar

Amazon Key: Amazon kann jetzt Ihre Haustür öffnen - aber warum sollte man das wollen?

Pakete bei den Nachbarn oder der Post abzuholen, ist nerviger Alltag. Mit Amazon Key will der Handelsriese das Problem lösen - und plant völlig an der Realität vorbei.

Eine Amazon-Mitarbeiterin öffnet mit ihrem Smartphone die Tür eines Kunden

Amazon-Boten können in den USA bald auf Wunsch selbst die Tür aufmachen.

Die Idee klingt eigentlich nur für wenige Sekunden gut: Beim neuen Service Amazon Key öffnet ein smartes Schloss dem Paketboten die Tür. Der Kunde kann sich also stets darauf verlassen, dass seine bestellte Ware ihn zuhause erwartet, und muss nicht mehr in die Postfiliale latschen oder beim ungeliebten Nachbarn klingeln. Klingt in der Theorie gut. Aber wer soll das kaufen?

Zum Preis von 250 Euro bieten die Schlösser erstaunlich wenig Gegenwert. Ein smartes Schloss, eine Sicherheitskamera und die passende App. Das war's. Man muss seinen Nachbarn schon sehr hassen, wenn man soviel Geld auf den Tisch legt, um nicht mit ihm sprechen zu müssen.

Lösungen von Amazon für Pseudo-Problemchen

Natürlich bekommt man wie bei anderen smarten Schlössern noch weitere Features, etwa kontaktloses Auf- und Zuschließen. Das Smartphone öffnet dann einfach durch Annäherung das Schloss, das Gefummel mit dem Schlüsselbund entfällt. Der Nutzen dieser Funktion wird von den Herstellern allerdings weit übertrieben. In der Werbung mag das Türaufschließen eine gigantische Belastung sein. Ständig hat man demnach die Hände voll oder verliert schusselig seine Schlüssel. Im Alltag geht es aber so routiniert von der Hand, dass wir uns oft gar nicht mehr erinnern, ob die Tür wirklich verschlossen ist.

 Deshalb überwiegen die Bedenken: Zum einen ist jedes technische Gerät angreifbar, Experten hatten in der Vergangenheit schon viele smarte Schlösser geknackt. In diesem Fall könnten sich Hacker das Schloss selbst vornehmen, die App, mit der die Boten es öffnen können, die Sicherheitskamera, die sie überprüft und schließlich die Server bei Amazon selbst. Im schlimmsten Fall hätten Millionen von Kunden keine Kontrolle mehr über ihr Türschloss - und müssten mit Erpressungs- und Einbruchsversuchen leben. Da muss man Amazons Sicherheitsteam schon einen gehöriges Vertrauen schenken.

(Un)sicheres Zuhause

Das viel größere Vertrauensproblem hat aber mit Technik überhaupt nichts zu tun. Das eigene Zuhause ist für viele Menschen der Ort mit dem größten Sicherheitsgefühl, nach Einbrüchen wird das Eindringen in das Allerheiligste oft deutlich schlimmer empfunden, als der Verlust der Wertsachen. Kein Wunder, dass viele Menschen Amazons Idee vor allem gruselig finden. Wer wollte, könnte schon heute seinem Paketboten einen Schlüssel für das Haus oder die Wohnung geben.

Trotzdem tun es wohl nur die wenigsten - aus gutem Grund. Angesichts des rasanten Personalwechsels bei Paketdiensten kennt man die Boten in Städten selbst dann kaum, wenn man täglich Pakete bekommt. Die Zeiten des vertrauten Postmitarbeiters sind in deutschen Großstädten längst vorbei.

Vertrauen ist gut, Schlösser sind besser

Wenn man einer Person wirklich vertraut, geht es ohnehin ohne Smartlock. Klar, es ist nützlich die Putzfrau oder Freunde aus einer anderen Stadt unkompliziert ins Haus zu lassen. Doch wie oft kommt das im Alltag tatsächlich vor? Der Haushaltshilfe kann man genauso gut einen Schlüssel geben, wenn man sie ohnehin alleine dort arbeiten lässt.

Muss man also wirklich so weit gehen, um seinen Nachbarn zu vermeiden? Den kennt man wenigstens. Selbst, wenn seine Musik und der Mettgeruch im Flur manchmal nervt.

Von 34 bis 315 Euro: Diese Sicherheitskameras empfiehlt Stiftung Warentest
Nest Cam Outdoor

Nest Cam Outdoor

Die beste Outdoor-Cam, sagt zumindest Stiftung Warentest. Kostenpunkt: 169 Euro. Die handhabung ist "sehr gut", der Stromverbrauch ist in Ordnung, das Datensendeverhalten unkritisch. In puncto Sicherheit gibt es ein "Befriedigend". Nachteil: Der Cloud-Speicher für Videos ist nur 30 tage kostenlos, danach muss man zahlen. Gesamtnote: 2,2.

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