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Online-Shopping Gekaufte Sterne: Ein Leak gibt spannende Einblicke in die Fake-Bewertungen bei Amazon

Online-Shopping: Auf Rezensionen will man sich eigentlich verlassen können
Auf Rezensionen will man sich eigentlich verlassen können
© Daniel Reinhardt/ / Picture Alliance
Manche Bewertungen bei Amazon klingen zu gut um wahr zu sein - und sind es wohl auch nicht. Händler haben sich ein System von gekauften Bewertungen aufgebaut. Ein neuer Leak verrät nun Details.

Günstiger Preis, aber super Qualität - das versprechen viele Produkte im Onlinehandel. Damit am Ende keine Enttäuschung im Paket liegt, setzen viele potenzielle Kunden vor der Kaufentscheidung auf die Bewertungen anderer Kunden. Kein Wunder, dass viele Händler sich mit gekauften Bewertungen die eigenen Produkte schönreden lassen. Wie umfangreich das teilweise passiert, zeigt ein aktueller Leak.

Einer der falschen Produktbewerter hatte sich an den Heise-Verlag gewandt und auf einen Server hingewiesen, auf dem fast 15.000 Beweisbilder zu liegen scheinen. Etwa die Hälfte belegt dabei einem Bericht zufolge den Kauf von Produkten, die andere zeigt Bewertungen der Produkte. Es scheinen jeweils zwei der Screenshots zusammen zu gehören, schreibt "Heise". Da es sich ausschließlich um 5-Sterne-Bewertungen zu handeln scheint, deute alles auf einen Zusammenhang mit Fake-Bewertungen hin.

Ware gegen Bewertung

Die Masche ist grundsätzlich bereits bekannt: Ein Kunde kauft ganz offiziell ein Produkt und hinterlässt eine sehr positive Bewertung. Dann beweist er beides mit entsprechenden Screenshots einem Vermittler - und bekommt das Geld für den Kauf zurück. Der Händler bekommt eine Top-Bewertung, der Kunde kostenlose Ware. Dass die Bewertung nicht der Wahrheit entspricht, kann dem Kunden mit dem kostenlosen Produkt dann egal sein.

Entsprechende Deals werden teils bei Facebook, laut "Heise" mittlerweile aber immer mehr im Messenger Telegram abgewickelt. Der Prozess soll über Bot-Programme quasi automatisiert ablaufen. Auch der Tipp-Geber sei demnach in einer der florierenden Produkttester-Gruppen dort aktiv gewesen. Auf den Server stieß er demnach, weil er für eine seiner Rezensionen das Geld nicht zurückerhalten hatte. In einem Screenshot, den ihm der Händler nach einer Beschwerde schickte, sei dann der Link zu dem Server zu sehen gewesen.

Adressdaten offen im Netz

Der Inhalt des Servers ist brisant. Zum einen erlaubt er tiefe Einblicke in die Vorgehensweise der Bewertungs-Vermittler. Die Tausenden Screenshots sollen alle in diesem Jahr entstanden sein, damit wären monatlich im Schnitt knapp 800 Bewertungen eingelaufen. Im Ordner fanden sich ausschließlich 5-Sterne-Rezensionen, die Produkte kosteten in der Regel unter 50 Euro. Und: Alle der von "Heise" genauer untersuchten Händler aus den Transaktionen hatten ihren Sitz in China.

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Doch auch aus Datenschutz-Sicht war der offene Server alles andere als rechtskonform: In den Screenshots fanden sich auch Klarnamen und Anschrift der Besteller. Dass die Daten offen abrufbar waren, liegt wohl auch daran, dass die für den Server genutzte Software eigentlich für öffentlich zugängliche Webseiten gedacht ist und hier zweckentfremdet wurde. Nachdem Heise den Vermittler mit den Screenshots konfrontiert habe, seien die Dateien nun nicht mehr abrufbar. 

Amazons ewiger Kampf gegen die Fakes

Amazon die Daten weiterzuleiten, sei aus rechtlichen Gründen nicht möglich - schließlich haben die Kunden der Weitergabe ihrer Daten nicht zugestimmt, schreibt Heise. Allerdings sei die Entfernung der etwa 7000 betrügerischen Bewertungen ohnehin nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, gibt man sich resigniert.

Der Konzern geht ohnehin verstärkt gegen die Fake-Bewertungen vor. Letzten Februar konnte Amazon sich vom Oberlandesgericht Frankfurt bestätigen lassen, dass er Händlern verbieten darf, den Kunden den Kaufpreis gegen eine gute Bewertung zurückzuzahlen. Auch in anderen Ländern kämpft Amazon mit dem Phänomen. Gerade erst hat der Konzern 20.000 Bewertungen zu China-Produkten auf seiner britischen Seite verbannt. Sie alle stammten von nur sieben Rezensenten

Quelle: Heise

mma

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