Apple "iTunes Plus" Musik mit Wasserzeichen

Apples Online-Musikladen iTunes vertreibt seit dieser Woche Musik ohne Kopierschutz. "iTunes Plus"-Stücke sollen zudem eine bessere Audioqualität bieten. Doch die Sache hat einen gewaltigen Haken.
Von Matthias Lauerer

Apple hat es einfach getan. Seit vergangenem Mittwoch verkauft der Konzern einen Teil seiner Musik für iPods im iTunes Musikstore ohne Digital Rights Management (DRM). Und das für nur 30 Cent mehr pro Lied. "Hurra", jubeln die Apple-Fans, "die Musik ist bei iTunes Plus endlich wieder frei." Doch die Sache hat einen gewaltigen Pferdefuß.

So berichtet die renommierte amerikanische Online-Seite "wired.com", dass "alle diese Downloads ein Wasserzeichen besitzen, in dem der komplette Kunden-Name und seine E-Mail-Adresse enthalten sind." Auch "TheRegister.co.uk", bestätigt diese Vermutung. Dort heißt es: "Mit anderen Worten hat sich damit der Konzern von Steve Jobs eine eingebaute Copyright- Versicherung gegeben, mit der illegal getauschte Musik zum Erstbesitzer zurückverfolgt werden kann." Und dies macht Apple, ohne seine Kunden auf den Daten-Missbrauch hinzuweisen.

"Wenn sie den Song kaufen, hinterlassen sie Namen und E-Mail-Adresse"

Auf stern.de-Anfrage sagt Apples Schweizer Pressesprecherin Andrea Brack vorsichtig dazu: "Welche Daten bei iTunes Plus noch hinterlegt werden, das kann ich Ihnen so im Detail nicht beantworten." Apples deutscher Pressesprecher Georg Albrecht ist da offener und sagt stern.de: "Es ist so: wenn sie den DRM-freien Song kaufen, dann hinterlassen sie Namen und E-Mail-Adresse." Albrecht probiert es während des Gesprächs mit stern.de aus, geht auf seinen "eben gekauften Song" und "sieht in seiner Song-Übersicht, welche Informationen im Song enthalten sind." Und bestätigt somit am Telefon den Vorwurf. Dabei wirbt Apple mit warmen Worten auf der Homepage für iTunes Plus. "Es ist DRM-frei und bietet die höchste Musik-Qualität. Der Klang von iTunes Plus ist kaum vom Original zu unterscheiden." Und kein Wort über die Hintertür. Die Rückverfolgbarkeit der Musik wird jedoch erst durch die Verwendung eines Digitalen Wasserzeichens möglich. Und das funktioniert laut Web-Lexikon "Wikipedia" so: "Zusätzliche Informationen werden in den digitalen Inhalt eingebettet und sind dann direkt mit dem Inhalt verflochten."

Weiterer Punkt: "Im Unterschied zu Metadaten in einem speziellen Datenblock einer Datei, ist diese Information unabhängig vom Speicherformat." Dabei haben sich andere DRM-Gegner schon lange aufgestellt. Schon zur Cebit 2006 startete das PC-Magazin unter dem Motto: "www.drm-nein-danke.de" eine Kampagne. User tragen sich hier in eine Protestliste ein, oder erhalten Software zum Schneiden von Musik. Chefredakteur David Göhler forderte die Musik-Nutzer damals auf: "Werden Sie aktiv und fordern Sie von der Industrie, kein DRM mehr einzusetzen. Ein Kopierschutz behindert massiv alle ehrlichen Käufer". Denn prinzipiell ist der Wunsch, beispielsweise den bereitgestellten EMI Musik-Katalog zu schützen, nur allzu verständlich. Erst im April hatte Apple es geschafft, die EMI mit ins Boot der Big Four zu holen, die auf DRM verzichten wollen. Der Grund für die Vorsicht: das teure P2P-Drama sitzt den Musik-Bossen noch in den Gliedern.

Muss Apple soweit gehen?

Jahrelang fuhren ihre Unternehmen weniger Gewinn ein, weil Hinz und Kunz munter Musik in den illegalen Musik-Börsen tauschten. Und nichts dafür bezahlten. Doch muss Apple soweit gehen? Denn es dauerte weniger als 24 Stunden, bis die Netz-Gemeinde dem heimlichen Treiben auf die Spur kam. Erinnern wir uns: im Zeitalter der analogen Musik gab es praktisch keinerlei Kopierschutz. Wenn man einmal von der zentimeterlangen Kopierschutz-Einrichtung auf den Bändern der Musik-Kassetten absah, die sich schnell herausschneiden ließen. Den Konzern wird der kleine Image-Schaden nicht weiter stören. Doch die verärgerten Verbraucher werden eines Tages vielleicht erneut Illegales tun, um endlich einmal mündig behandelt zu werden. Schade, dass es durch solche Tricks erst soweit kommen muss.

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