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Berichterstattung über Winnenden: Das Web kennt viele Wahrheiten

Amokvideos, Twitter-Chaos, eine gefälschte Chatseite - nie hat das Internet die Nachrichtenlage so bestimmt wie nach Winnenden. En masse verbreiten soziale Netzwerke kostenlose Informationen an jedermann. Aber kann man ihnen trauen?

Von C. Kirchner, L. Heiny, I. M. Linden und D. Böcking

Heribert Rech ist die Nervosität anzumerken an vergangenen Donnerstag um 12.30 Uhr im heillos überfüllten Schulungsraum des Polizeipräsidiums Waiblingen. Die Miene des Baden-Württemberger Innenministers ist angespannt, während ihm ein Polizist minutenlang ins Ohr flüstert. Dann wirft Rech versehentlich die Hälfte der Mikrofonständer um, die sich vor ihm so hoch türmen, dass sich der Minister auf vier gestapelte Isolierplatten stellen muss, um hinter dem Berg nicht zu verschwinden.

Um 12.45 Uhr ist das Chaos aufgeräumt, Rech wirft das Bild eines Internetdialogs an die Wand. Es soll belegen, dass der Amokläufer Tim K. seine Tat in der Nacht zuvor im Internet angekündigt hat. "Es ist immer dasselbe: Alle lachen mich aus, niemand erkennt mein Potential" ist einer der sieben Sätze, die der Minister den Journalisten auf dem Originaldokument präsentiert. Die Medien - auch die FTD und stern.de - haben ihre Schlagzeile: "Amokläufer kündigte Tat im Internet an".

Nachfragen beiseite gewischt

Potential statt Potenzial. So schrieb man bis 1996, als die neue Rechtschreibung verabschiedet wurde. Da war Tim K. gerade einmal vier Jahre alt. Doch Staatsanwaltschaft, Ermittler und Polizei wischen alle kritischen Nachfragen beiseite. Erstens gebe es Zeugen des nächtlichen Chats, wenden sie ein. Zweitens habe man den Dialog auf Tims Computer gefunden. Später stellt sich heraus. Beides ist falsch - und der angebliche Chat auch.

Bei der Suche nach einem Motiv, für die Bewältigung von Leid und Trauer über 16 Tote spielt der Kommunikations-GAU des Heribert Rech nur eine Nebenrolle. Doch was sich seit dem Blutbad von Winnenden abspielt, ist eine Zäsur in der Mediengeschichte der Republik. Erstmals und dann gleich mit der vollen Wucht eines Amoklaufs bekommt eine breite Öffentlichkeit die Chancen vom Web 2.0 mit seinen sozialen Netzwerken, Twittern oder Blogs vor Augen geführt - aber auch dessen Gefahren.

Ist das neue Internet eine grenzenlose Quelle kostenloser Informationen für jedermann oder bloß ein Tummelplatz für Scharlatane und Lügner? Diese Frage wühlt gerade Millionen von Usern auf. "Die Katastrophe von Winnenden ist der erste Fall in Deutschland, der eine bedeutende Debatte um das Web 2.0 nach sich zieht", sagt Christoph Neuberger, Medienwissenschaftler der Universität Münster und Experte für Internetkommunikation.

Wem kann man noch trauen?

Wem kann man noch trauen? Selbst den staatlichen Ermittlern mit ihrem exklusiven Zugang zu vielen Informationen fällt es ungemein schwer, zwischen wahren und falschen Nachrichten und Profilen im Web 2.0 zu unterscheiden, zwischen einer verlässlichen Quelle und Scherzkeksen, Wichtigtuern oder Forentrollen. Zugleich setzt das Internet mit seiner Flut aus immer neuen Nachrichten und Gerüchten die Behörden, Politiker und auch konventionelle Medien unter Druck, schneller als bisher Nachrichten zu verbreiten, das Tempo des WWW mitzugehen - und dabei Fehler zu machen.

Es ist ein ungleicher Wettlauf. Jemand, der im Netz Informationen verbreitet, hat anders als ein Innenminister in der Regel keinen Ruf zu verlieren, ist meist anonym unterwegs und muss nicht einmal offenlegen, ob er Interessen vertritt. Stimmt nur jedes zehnte Gerücht im Netz, sind neun davon morgen vergessen. Aber das zehnte macht seine Quelle zum Helden.

Welche Dynamik, welche Recherchekraft die über das Web 2.0 vernetzten Köpfe entfalten können, zeigt sich in den ersten Stunden nach dem Amoklauf. Jeder Internetnutzer kann sich als Hobbyrechercheur betätigen: Tim K. mit seinem schnell bekannten Klarnamen googeln, das Netz durchforsten und seinen eigenen Wissensstand über soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook, Blogs, Chats, Foren in die ganze Welt verbreiten. Zeitgleich schießen Tausende Bilder und Links durch das Netz. Wenige Stunden nach Tim K.s Tod kursieren bereits verwackelte Videoaufnahmen der letzten Minuten. Und dazu jede Menge Datenmüll.

Es gibt noch andere Tim K.s

Zu Tausenden häufen sich in den Untiefen des Web 2.0 Verweise auf Unbeteiligte, Endloswiederholungen des immer gleichen Sachverhalts oder geschmacklose Scherze, von denen einer später mit Heribert Rechs Hilfe Karriere machen wird. Ein Jugendlicher mit dem gleichen Namen wie Tim K. wird regelrecht überrannt von der Internetmeute; er nimmt alle Bilder und Einträge von sich aus dem Internet heraus.

Die Hölle los ist auch im Netzwerk Twitter, wo Nutzer Kurznachrichten von bis zu 140 Zeichen hinterlassen können. Seit bei den Terroranschlägen von Mumbai im vergangenen November die ersten Augenzeugenberichte über Twitter verbreitet wurden und der Dienst kürzlich das erste Foto der Notwasserung eines Flugzeug im New Yorker Hudson River hatte, gilt er als schnellste Informationsquelle überhaupt.

Kurz nach dem Amoklauf findet sich auf der Plattform vor allem Chaos: ein Wirrwarr aus echten, falschen und überflüssigen Meldungen. "Das Erschreckende ist: Die Gesellschaft fordert eine immer schnellere Medienkultur - am besten live dabei sein", sagt Michael Haller, Journalistikprofessor aus Leipzig. "Doch das ewige Getwittere steigert die Irritation, weil die Grenzen von Spekulation und Fakten verwischen."

So schnell die Internet-Community Chaos stiften kann, so schnell deckt sie auch Fehler auf. Nach Rechs Auftritt dauert es nur wenige Stunden, bis die Webgemeinschaft seine Behauptung zerpflückt hat. Viele Blogger dokumentieren Hintergründe zur angeblichen Ankündigung präzise und für jedermann nachvollziehbar auf ihren Seiten. Und wieder verbreitet sich der neue Wissensstand rasend schnell.

Kurze Lebensdauer

"Die Lebensdauer von relevanten Falschnachrichten ist im Internet überraschend kurz", sagt Haller. Die Ermittler dagegen brauchen länger: Sie stellen ihre Ergebnisse erst um 21 Uhr infrage - zu spät für viele Zeitungen, die am Morgen danach noch den Stand aus Rechs Pressekonferenz wiedergeben.

Es ist nicht zum ersten Mal, dass die konventionellen Medien vom Internet genarrt werden. Da ist der angebliche zehnte Vorname Wilhelm, den ein Spaßvogel in der Online-Enzyklopädie Wikipedia dem Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg verpasste. Oder die Falschnachricht vom angeblichen Weggang des Stürmers Kevin Kuranyi von Schalke 04, den ein Hacker über die Internetseite des Fußballklubs verbreitete.

Viele Journalisten wissen, dass sie nicht mehr das Exklusivrecht besitzen, Informationen zu verteilen. Sie müssen ins Web 2.0 eintauchen, um alle denkbaren Recherchemöglichkeiten auszuschöpfen. Aber in den Tiefen der sozialen Netzwerke sehen immer öfter mit einer Wirklichkeit konfrontiert, deren Sprache sie nicht sprechen. Eltern und Ermittlern geht es ebenso. "Weite Kreise der Bevölkerung haben noch keine Ahnung vom Web 2.0", sagt Hans-Bernd Brosius, Kommunikationswissenschaftler an der LMU München.

Kein neues Phänomen

Der oft aggressive Tonfall in den sozialen Netzwerken, der Drang vieler Mitglieder zur bewussten Täuschung und Irreführung verwirren viele neue Nutzer und Außenstehende. Schon vor zehn Jahren, beim Hype am Neuen Markt, verlor mancher Anleger viel Geld, weil er im WWW Gerüchten, fingierten Dialogen oder geschickten Falschmeldungen in Aktienforen auf den Leim ging. "Im Internet werden Dinge transparent, die es immer schon gab", sagt Medienwissenschaftler Neuberger. "Nur erreicht das heute eine größere Öffentlichkeit."

Nach den neuesten Studien sind die 14- bis 19-Jährigen inzwischen länger im Internet als vor dem Fernseher. Vor allem sie sind es, die sich in den sozialen Netzwerken herumtreiben. "Hier ist ein Bruch zu erkennen, der in Zukunft eine noch größere Rolle spielen könnte", sagt Brosius.

Welten prallen aufeinander

Es sind Welten, die da aufeinanderprallen: die alte Medienwelt und die des Web 2.0. Und am Verständnis füreinander hapert es gewaltig. "Die Internet-Community bei Youtube, Twitter oder Flickr baut sich ihre eigene virtuelle Wirklichkeit der Bluttat", verkündet der Moderator eines ARD-"Brennpunkts" am Tag nach dem Amoklauf. "Die, die sich dort ihr ganz eigenes Bild vom gestrigen Amoklauf machen, können mit der Debatte um Schuld und Verantwortung wenig anfangen."

Der Gegenschlag der Blogger folgt prompt. "Wie geschmacklos waren die etablierten Medien in der Stunde des Schreckens? Haben sie sich nicht auch mit halbgaren Meldungen im Twitter-Universum breitgemacht?", schreibt Dennis Knake, einer ihrer Vertreter, in seinem Webtagebuch über Journalisten, die ebenfalls Kurznachrichten auf Twitter platziert hatten.

Noch lange nicht im Web 2.0 angekommen ist Heribert Rech. Er habe nur den jeweils aktuellen Ermittlungsstand wiedergegeben, rechtfertigt sich der Innenminister. "Irgendein Verrückter hat wohl eine schlimme Falschmeldung in die Welt gesetzt." Dass so etwas täglich tausendfach im Netz passiert, ist ihm offenbar entgangen.

Die Polizei Waiblingen dagegen bewegt sich offenbar auf Augenhöhe mit der Community. "Wir sind der Meinung", sagt ein Behördensprecher dem Nachrichtenportal Spiegel Online, "wir geben alles heraus, was wir wissen." Oder wissen wollen.

FTD
Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.