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Brisante Liste mit iOS-Nutzerdaten Die Hacker, das FBI und ein Tutu


Hacker behaupten, Millionen iOS-Daten vom FBI geklaut zu haben. Die US-Bundespolizei bestreitet das. Der New Yorker Blogger Adrian Chen versucht nun, den Fall aufzuklären - mit ungewöhnlichen Mitteln.
Von Christoph Fröhlich

Mit ihrem jüngsten Coup sorgte das Hackerkollektiv Antisec für Aufregung im Netz: Sie erbeuteten laut eigener Aussage mehr als zwölf Millionen Seriennummern von Apple-Geräten und stellten eine Million davon als Beweis ins Netz. Die Quelle war angeblich der Laptop eines FBI-Mitarbeiters.

Doch wie kamen sie überhaupt an die Daten? Und warum sammelt die US-Bundespolizei die Gerätenummern von Millionen Apple-Kunden? Die spannendsten Fragen ließ das Netzkollektiv unbeantwortet. Sprechen wollten sie nur unter einer Bedingung: Erst wenn Adrian Chen, ein Autor des New-York-Blogs Gawker, in einem Tutu und mit einem Schuh auf dem Kopf auf der Startseite erscheint, würden sich die Hacker zu einem Interview bereit erklären.

Die Sache mit dem Schuh

Chen zögerte nicht lange und kam dem kuriosen Wunsch der Hacker nach: "Als Journalist habe ich geschworen, Fakten unter allen Umständen ans Licht zu bringen", schreibt er in seinem Artikel. Seit Mittwochabend prangt auf der Startseite ein riesiges Foto, das den Redakteur in Ballerina-Pose mit einem Turnschuh auf dem Kopf in der Gawker-Zentrale zeigt. Ganz wohl war Chen dabei offenbar nicht: "Ich wollte sicher gehen, dass das Angebot nicht nur ein böser Streich war, bevor ich das Bild hochlade." Doch was ihn viel mehr interessierte: Warum sollte ausgerechnet er sich im Netz blamieren?

"Die Leute mögen dich nicht besonders", entgegnete ihm ein Anonymous-Mitglied auf Nachfrage. Dann bekam er einen Facebook-Eintrag vom Mai zu sehen, in dem die Gruppe Chen massiv beschimpfte. Chen verfolgt seit 2010 die Aktivitäten der Gruppe und schrieb bereits viele kritische Artikel über die Aktionen der Hacker. Dass er sich nun einen Schuh auf dem Kopf packen sollte, ist kein Zufall. Die "Forbes"-Redakteurin Parmy Olson schreibt in ihrem Buch "Inside Anonymous": "Sich einen Schuh über den Kopf zu halten, war auf 4chan, dem Ursprung von Anonymous, Symbol für das Eingeständnis der totalen Niederlage in einem Streit oder nach einem Internetangriff." Chen hat seinen Teil des Deals erbracht - und wartet jetzt auf eine Reaktion der Hacker.

FBI dementiert verwanzten Laptop

Das FBI hat währenddessen auf die Vorwürfe der Hacker reagiert: "Zu diesem Zeitpunkt gibt es keine Hinweise, dass ein FBI-Laptop gehackt wurde", heißt es in einer Stellungnahme auf der Homepage. Außerdem würde man solche Daten weder besitzen noch sich darum bemühen. Bei den von den Hackern veröffentlichten Seriennummern, den sogenannten UDIDs, handelt es sich um die eindeutige Gerätekennung für Apple-Geräte.

Erst im Frühjahr hatte Apple begonnen, Entwicklern den Zugriff auf die 40-stellige Nummer zu verbieten. Damit konnten Apps auf bestimmte Voreinstellungen zurückgreifen oder personalisierte Werbung ausspielen. Mittlerweile ist der Zugriff verboten.

Entwickler hatten jedoch jahrelang die Möglichkeit, auf UDIDs und weitere persönliche Daten zuzugreifen. Deshalb ist es nicht auszuschließen, dass die Gerätenummern aus einer anderen Quelle stammen. Zudem sorgte Anfang des Jahres eine Sicherheitslücke im Spiele-Netzwerk OpenFeint für Schlagzeilen, mit der nicht nur die UDID, sondern auch der Aufenthaltsort des Geräts ermittelt werden konnte. Möglicherweise erbeuteten die Hacker die mehr als zwölf Millionen Kundendaten auf diesem Weg.

Ob die Hacker nur eine Sicherheitslücke ausgenutzt und akribisch Daten gesammelt oder wirklich den Laptop eines FBI-Mitarbeiters infiltriert haben - sollten sich die Hacker bei Adrian Chen melden, dürfte der Fall demnächst seine nächste Wendung bekommen.


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